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Neue Dinosauriergattung entdeckt

Neues aus der Forschung

Neue Dinosauriergattung entdeckt

Meldung vom 25.01.2019

Eine neue Studie unter der Leitung von Philip Mannion, ehemaliger Humboldt-Stipendiat am Museum für Naturkunde Berlin (MfN), und unter Mitarbeit von Daniela Schwarz, Kustodin für Dinosaurier-Fossilien am MfN, setzt sich mit fossilen Fragmenten von Dinosauriern aus Tansania auseinander. Dabei wurde eine neue Sauropodengattung und -art gefunden und als Wamweracaudia keranjei beschrieben. Dieser Name wurde u.a. in Anerkennung der Wamwera gewählt, der bevölkerungsreichsten Stammesgruppe in der Lindi-Region von Tansania. Die Ergebnisse zeigen, dass die reichhaltige Fauna von Sauropoden aus dem Jura des Tendaguru-Gebietes noch viel diverser war als bisher angenommen.


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Skelettrekonstruktion von Diplodocus im Berliner Hauptbahnhof. Dieser Dinosaurier zählt wie die neu beschriebene Art zu den Sauropoden.
Mannion, Philip D., Schwarz, Daniela, Upchurch, Paul, and Wings, Oliver
Taxonomic affinities of the putative titanosaurs from the Late Jurassic Tendaguru Formation of Tanzania: phylogenetic and biogeographic implications for eusauropod dinosaur evolution
Zoological Journal of the Linnean Society
DOI: 10.1093/zoolinnean/zly068


Die Tendaguru Formation aus dem Oberen Jura von Tansania im südöstlichen Afrika beherbergt mit etwa sieben bisher beschriebenen Arten eine bedeutende und diverse Fauna von sauropoden Dinosauriern. Sauropoden sind eine der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Gruppen pflanzenfressender Dinosaurier. Doch während einige dieser Sauropoden, wie zum Beispiel der berühmte Giraffatitan und der relativ kleine Dicraeosaurus, durch vollständiges Skelettmaterial bekannt sind, wurden andere auf der Basis eher unvollständiger Skelettreste beschrieben.

Das macht es für diese Gattungen schwieriger, ihre Verwandtschaftsbeziehungen zu bestimmen, gleichzeitig ergeben sich daraus auch immer wieder neue Forschungsmöglichkeiten. Die hier betroffenen Sauropoden-Gattungen Janenschia, Tendaguria und Australodocus spielen eine wichtige Rolle in der wissenschaftlichen Diskussion um den Ursprung der Titanosaurier, eine Gruppe von Sauropoden, die eigentlich erst aus der Kreide bekannt sind. Für die Rekonstruktion der Evolution der Sauropoden sind diese Tiere daher sehr wichtige Informationsquellen.

Eine neue Studie unter der Leitung von Philip Mannion, einem ehemaligen Humboldt-Stipendiaten am Museum für Naturkunde Berlin (MfN), und unter Mitarbeit von Daniela Schwarz, Kustodin für die Dinosaurier-Fossilien am MfN, setzt sich nun detailliert mit diesen fragmentarischeren Sauropoden-Gattungen auseinander. Die Studie legt eine Neubeschreibung von Janenschia, Tendaguria und Australodocus vor und liefert die derzeit umfangreichste phylogenetische Analyse für Sauropoden, um die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Taxa neu zu bestimmen.

Für diese Arbeit benutzten die Forschenden auch computertomographische Abbildungen vom Inneren der Wirbelknochen, aus denen sie weitere wichtige Informationen gewinnen konnten. Ein Resultat der Untersuchungen ist die Bestätigung der wissenschaftlichen Validität des Sauropoden Janenschia, der aber zu einer viel ursprünglicheren Gruppe von Sauropoden gehört als früher angenommen. Im Gegensatz dazu kann der sehr fragmentarische Sauropode Australodocus bohetii als Somphospondyle mit naher Verwandtschaft zu den Titanosauriern bestätigt werden.



Australodocus ist damit der einzige bislang bekannte Vertreter dieser eigentlich kreidezeitlichen Gruppe aus dem Jura. Mit Hilfe der neuen computertomographischen Aufnahmen konnte auch das Innere der 1 m breiten Rumpfwirbel von Tendaguria tanzaniensis dargestellt werden, der dadurch als erster Vertreter der basalen Turiasaurier in Gondwana erkannt wurde.

Die Autoren waren sogar in der Lage, eine neue Sauropodengattung und -art in dem Material aus Tendaguru aufzuspüren. Eine Gattung ist hierbei der Begriff für eine Ordnungseinheit in der biologischen Systematik, in welcher eine oder mehrere Arten zusammengefasst werden. Eine Reihe von Schwanzwirbelknochen, welche bislang der Gattung Janenschia zugeschrieben wurde, zeigte eine Reihe besonderer Merkmale. Es war daher nötig, für diese Stücke die neue Gattung und Art Wamweracaudia keranjei zu begründen.

Dieser Name wurde in Anerkennung der Wamwera gewählt, der bevölkerungsreichsten Stammesgruppe in der Lindi-Region von Tansania, sowie zu Ehren des Chef-Ausgräber dieser Skelettreste, Mohammadi Keranje. „Mit dieser Benennung erweisen wir den Hauptakteuren der Tendaguru-Grabung zwischen 1909 und 1913 Respekt und möchten ihre großartige Arbeitsleistung bei der Bergung des Fossil-Materials nachhaltig würdigen“ sagt Johannes Vogel, Generaldirektor des MfN. Der Sauropode Wamweracaudia ist eng verwandt mit der ostasiatischen Gruppe der Mamenchisauriden.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die reichhaltige Fauna von Sauropoden aus dem Jura des Tendaguru-Gebietes noch viel diverser war als bisher angenommen. Die besondere Bedeutung dieser Fundstelle wird unterstrichen durch die große Anzahl einzelner Sauropodenarten und vor allem durch diese einzigartige Zusammensetzung aus diversen basalen und fortschrittlichen Sauropoden“, sagt Daniela Schwarz, Mitautorin der neuen Arbeit. Die Forschungsergebnisse werfen auch ein neues Licht auf die evolutionäre Entwicklung der Sauropoden, denn die Tendaguru-Formation enthält Vertreter von allen Sauropodengruppen, die vom mittleren Jura bis zur unteren Kreide bekannt sind. Die unerreichte Vielfalt der Sauropoden im Gebiet des Tendaguru sind ein Zeugnis aktiver Migrationsbewegungen von Sauropoden durch die zentrale Gondwana-Wüste. Es kam dabei zu Invasionen von Sauropoden aus dem Gebiet von Euamerika, die hier auf endemische Gruppen im Gebiet des westlichen Gondwana trafen.

Die Anwesenheit von Sauropoden wie Janenschia und Wamweracaudia weisen zudem auf ein regionales Aussterben und die spätere räumliche Isolation von Beständen basaler Sauropodengruppen in anderen Regionen der Erde hin. Die Forschung an den Dinosauriern aus Tendaguru bleibt also weiterhin eine spannende Sache und die Forschenden des MfN freuen sich nun darauf, in der Zukunft gemeinsam mit ihren tansanischen Kollegen an der Erforschung dieses Weltkulturerbes zu arbeiten.




Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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