Hundeleben mit Höhen und Tiefen

Neues aus der Forschung

Meldung vom 01.04.2014

Wie sich Aufmerksamkeit im Laufe des Lebens verändert


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Lisa J. Wallis, Friederike Range, Corsin A. Müller, Samuel Serisier, Ludwig Huber und Zsófia Virányi. 2014. Lifespan development of attentiveness in domestic dogs: drawing parallels with humans. Frontiers in Psychology
DOI: 10.3389/fpsyg.2014.00071
 
Aufmerksamkeit unterliegt Schwankungen im Laufe eines Hundelebens.
Fotos:Angela Gaigg

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Kein anderes Haustier hat sich dem Lebensstil des Menschen so angepasst wie diese Vierbeiner. WissenschafterInnen vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna haben erstmals untersucht, wie sich die Aufmerksamkeit bei Hunden im Laufe ihres Lebens entwickelt und welche Ähnlichkeiten es dabei zum Menschen gibt. Das Resultat: Die Entwicklung von Aufmerksamkeit und Sensomotorik verlaufen parallel zur Entwicklung beim Menschen. Die Ergebnisse wurden im Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht.

Hunde sind individuelle Persönlichkeiten, besitzen ein Bewusstsein und sind äußerst lernfähig. Damit ihnen das Lernen gelingt, müssen sie über ein ausreichendes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration verfügen. Die Aufmerksamkeit verändert sich allerdings im Laufe des Lebens bei Hunden sowie beim Menschen. Erstautorin Lisa Wallis und ihre KollegInnen vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna untersuchten 145 Border Collies verschiedener Altersgruppen (sechs Monate-14 Jahre) im Clever Dog Lab und ermittelten erstmals, wie sich die Aufmerksamkeit bei Hunden über die gesamte Lebenszeit verändert.

Personen sind für Hunde interessanter als Dinge

Um herauszufinden, wie rasch Hunde unterschiedlicher Altersklassen ihre Aufmerksamkeit entweder Objekten oder Personen schenken, führten die Forschenden zwei Tests durch. Die Tiere wurden in der ersten Situation mit einem Kinderspielzeug konfrontiert, das plötzlich von der Decke baumelte. Wie rasch jeder einzelne Hund auf dieses Ereignis reagierte und wie schnell die Hunde sich daran gewöhnten, wurde gemessen. Es stellte sich heraus, dass alle Hunde zu Beginn ähnlich rasch auf den Reiz reagierten. Ältere Tiere verloren aber eher das Interesse an dem Spielzeug als jüngere.

In der zweiten Testsituation betrat eine dem Hund bekannte Person den Raum und gab vor, eine Wand anzumalen. Alle Hunde reagierten, indem sie die Person und die Malerrolle in den Händen der Person länger betrachteten, als das Spielzeug, das zuvor von der Decke hing.

"Die ‚soziale Aufmerksamkeit war bei allen Hunde größer als die ‚nicht-soziale Aufmerksamkeit. Sie achten im Schnitt also eher auf Objekte, die von Personen benutzt werden, als auf Objekte ohne Personen. Wir fanden auch heraus, dass ältere Hunde genauso wie reifere Menschen eine gewisse Gelassenheit zeigen. Sie sind nicht so rasch aus der Ruhe zu bringen wie jüngere Hunde", schlussfolgert Wallis.

Selektive Aufmerksamkeit ist im mittleren Erwachsenenalter am höchsten

In einem weiteren Test untersuchte Wallis die sogenannte selektive Aufmerksamkeit. Die Hunde mussten dabei sich abwechselnde Aufgaben hintereinander lösen. Zuerst sollten sie Wurststückchen, die Wallis in den Raum warf, finden. Nach dem Auffressen des "Leckerlis" sollten die Hunde Blickkontakt mit Wallis aufnehmen und ein erneut geworfenes Wurststückchen finden. Die Aufnahme des Blickkontakts markierte Wallis mithilfe eines Klickers, einem Gerät, das ein klickendes Geräusch erzeugt. Nach 20 Durchläufen ermittelte Wallis die Zeitspannen vom Finden des Futters bis zur Aufnahme des Blickkontakts. Es waren die Hunde mittleren Alters (3-6 Jahre), die am schnellsten reagierten.

"Die sensomotorischen Fähigkeiten von Hunden mittleren Alters befinden sich unter diesen Testbedingungen auf einem Höchstniveau. Jüngere Hunde schnitten wahrscheinlich schlechter ab, weil sie insgesamt weniger Erfahrung haben. Bei älteren Hunden sind es wahrscheinlich die motorischen Fähigkeiten, die mit dem Alter nachlassen. Beim Menschen gibt es im Alter zwischen 20 und 39 einen vergleichbaren Höhepunkt der sensomotorischen Fähigkeiten", so Wallis.

Pubertäre Hunde besitzen die steilste Lernkurve

Auch Hunde gehen durch eine schwierige Phase während ihrer Adoleszenz (1-2 Jahre). Diese Phase der hormonellen Umstellung ist vergleichbar mit der Pubertät beim Menschen. Beim "Klicker-Test" reagierten die Junghunde deshalb manchmal etwas verzögert. Es zeigte sich aber auch, dass adoleszente Hunde nach mehreren Wiederholungen ihre Leistung schneller verbesserten als andere Altersgruppen. Die Lernkurve der Pubertierenden ist demnach am steilsten. "Die Pubertät birgt also ein erhebliches Lernpotenzial und große Trainierfähigkeit bei den Hunden", so Wallis.

Hunde als Modell für ADHS und Alzheimer

Da die Entwicklung der Aufmerksamkeit im Laufe eines Hundelebens viele Parallelen zur menschlichen Entwicklung aufzeigt, dienen Hunde als Modelltiere für verschiedene psychologische Erkrankungen des Menschen. Beispielsweise kann der Verlauf von Erkrankungen wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) oder Alzheimer am Verhalten der Vierbeiner studiert werden. In ihrem aktuellen Projekt erforscht Wallis die Auswirkungen von Ernährung auf die kognitiven Fähigkeiten bei älteren Hunden. Dazu ist die Forscherin noch auf der Suche nach HundebesitzerInnen, die mit ihren Vierbeinern gerne an einer Langzeitstudie teilnehmen möchten.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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