Heimische Fischarten vorm Austerben – invasive Arten nehmen zu

Neues aus der Forschung

Meldung vom 01.10.2018

Ein Großteil der bayerischen Fließgewässer ist in keinem guten ökologischen Zustand. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat nun erstmals Langzeitdaten zu den Fischbeständen der oberen Donau, Elbe und des Mains systematisch analysiert. Das Team kommt zu dem Ergebnis, dass heimische Fischarten vor dem Aussterben stehen, während einige invasive Arten in ihren Beständen zunehmen.


181003-1249_medium.jpg
 
Kesslergrundeln und weitere Grundelarten aus dem Schwarzen Meer kamen ursprünglich über das Ballastwasser der Schiffe nach Bayern und sind heute vor allem in der Donau und im Main stark vertreten
Mueller, M., Pander, J., Geist, J
Comprehensive analysis of > 30 years of data on stream fish population trends and conservation status in Bavaria
Biological Conservation 226; 311–320, 2018
DOI: https://doi.org/10.1016/j.biocon.2018.08.006


Im Auftrag des bayerischen Landesamtes für Umwelt und finanziert durch das bayerische Umweltministerium analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle verfügbaren Fischdatensätze für die bayerischen Einzugsgebiete von Donau, Elbe und Main über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren. Sie verglichen den Zustand mit dem historisch abgeleiteten Referenzzustand der ursprünglich vorkommenden Arten an den jeweiligen Stellen.

Die Studie, veröffentlicht in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „Biological Conservation“, belegt, dass heimische Charakterarten wie die Äsche, nach der früher eine Flussregion benannt wurde, sowohl in der Fläche als auch in ihren Bestandszahlen im Vergleich zum historischen Referenzzustand massiv eingebrochen sind.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei anderen spezialisierten Fischarten, deren Lebensräume durch Verschlammung, höhere Wassertemperaturen und durch von Dämmen verbaute Gewässer stark beeinträchtigt sind. Viele der besonders gefährdeten Arten besitzen einen komplexen Lebenszyklus und sind in verschiedenen Lebensphasen auf spezielle Bedingungen angewiesen. „Liegen diese speziellen Bedingungen nicht mehr vor oder können die Tiere nicht zwischen Teillebensräumen wandern, dann bekommen sie Probleme“, sagt Dr. Melanie Müller vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der TU München und Autorin der Studie.

Früher weit verbreitete Arten sind heute stark rückläufig

Ein neues Ergebnis der Studie ist außerdem, dass Arten, die wie der Hasel früher als häufige Allerweltsarten galten, ebenfalls im Vergleich zum historischen Referenzzustand rückläufig sind. Im Gegenzug breiten sich Arten, die nur geringe Ansprüche an ihren Lebensraum haben, die sogenannten Generalisten, nun weiter aus. Darunter sind besonders viele gebietsfremde Fische, die wie Regenbogenforelle oder Blaubandbärbling absichtlich oder wie die Schwarzmeergrundeln unbeabsichtigt über das Ballastwasser von Schiffen nach Mitteleuropa kamen.



„Wir müssen uns künftig darauf einstellen, in immer mehr Gewässern neuartige Lebensgemeinschaften anzutreffen, die aus einer Mischung von Arten bestehen, die sich natürlicherweise nie begegnen würden“, sagt Prof. Jürgen Geist, Ordinarius am Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie und Leiter der Studie.

Deshalb seien systematische Langzeitanalysen zur Verbreitung und über die Häufigkeiten gewässerlebender Arten wichtig: „Der Arten- und Biodiversitätsschutz darf nicht an der Wasseroberfläche aufhören und sollte an wissenschaftlichen Ergebnissen ausgerichtet werden“, urteilt Prof Geist.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 14 Meldungen

Meldung vom 26.06.2019

Kein Platz für Wölfe

Wölfe lösen beim Menschen gleichermaßen Angst und Faszination aus. Das Raubtier wird bei Nutztierhaltern, J ...

Meldung vom 25.06.2019

Studie: Spinat-Extrakt führt zu Leistungssteigerungen im Sport

Ein Extrakt aus Spinat kann einer internationalen Studie unter Beteiligung der Freien Universität Berlin zufo ...

Meldung vom 25.06.2019

Forscher der Humboldt-Universität entschlüsseln, wie Blütenpflanzen ihren Stoffwechsel drosseln

Artikel im Wissenschaftsjournal eLife erschienen.

Meldung vom 25.06.2019

Upcycling in Symbiose: Von „minderwertigen“ Substanzen zu Biomasse

Forschende entdecken den ersten bekannten schwefeloxidierenden Symbionten, der rein heterotroph lebt.

Meldung vom 25.06.2019

Nicht nur der Wind zeigt den Weg

Wenn der südafrikanische Dungkäfer seine Dungkugel vor sich her rollt, muss er den Weg möglichst präzise k ...

Meldung vom 25.06.2019

Rätsel um Ursprung der europäischen Kartoffel gelöst

Woher stammt die europäische Kartoffel? Pflanzen, die im 19. Jahrhundert auf einer Expedition des britischen ...

Meldung vom 24.06.2019

Molekulare Schere stabilisiert das Zell-Zytoskelett

Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI in Villigen haben erstmals die Struktur wichtiger Enzyme in menschl ...

Meldung vom 24.06.2019

Solarium für Hühner - Wie sich der Vitamin-D-Gehalt von Eiern erhöhen lässt

Viele Menschen leiden unter einem Vitamin-D-Mangel. Das kann brüchige Knochen und ein erhöhtes Risiko für A ...

Meldung vom 21.06.2019

Genom der Weisstanne entschlüsselt: Baumart für den Wald der Zukunft

Die Weisstanne ist eine wichtige Baumart im Hinblick auf den Klimawandel. Um sie besser erforschen zu können, ...

Meldung vom 21.06.2019

Künstliche Intelligenz lernt Nervenzellen am Aussehen zu erkennen

st es möglich, das Gehirn zu verstehen? Noch ist die Wissenschaft weit von einer Antwort auf diese Frage entf ...

Meldung vom 21.06.2019

Pilz produziert hochwirksames Tensid

Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena entdeckt im Bodenpilz Mortierella alpina eine bisher u ...

Meldung vom 20.06.2019

Zufall oder Masterplan

Gemeinsame Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Max-Planck-Instituts für Ev ...

Meldung vom 20.06.2019

Systeme stabil halten

Sowohl die Natur als auch die Technik sind auf integrierende Feedback-Mechanismen angewiesen. Sie sorgen dafü ...

Meldung vom 19.06.2019

Wie sich Bakterien gegen Plasmabehandlung schützen

Angesichts von immer mehr Bakterien, die gegen Antibiotika resistent werden, setzt die Medizin unter anderem a ...


21.05.2019
Namenlose Fliegen
03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
03.10.2018
Kenne Deinen Fisch!
03.10.2018
Leben ohne Altern
03.10.2018
Lebensraum Käse
03.10.2018
Domino im Urwald
03.10.2018
Trend-Hobby Imker
03.10.2018
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung