Die geheime Fracht der Stechmücken

Neues aus der Forschung

Meldung vom 27.05.2014

Erstmals Dirofilaria repens in Österreich nachgewiesen


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Katja Silbermayr, Barbara Eigner, Anja Joachim, Georg G Duscher, Bernhard Seidel, Franz Allerberger, Alexander Indra, Peter Hufnagl und Hans-Peter Fuehrer. 2014. Autochthonous Dirofilaria repens in Austria. Journal Parasites & Vectors
DOI: 10.1186/1756-3305-7-226
 
Mit speziellen Fallen werden Stechmücken gesammelt. Ob und welche Krankheitserreger sie in sich tragen, wird im Labor untersucht.
Foto: Carina Zittra / Vetmeduni Vienna

Bis vor kurzem galt eine Infektion mit dem Parasiten Dirofilaria repens in Österreich als klassische Reisekrankheit. Stechmücken aus dem Ausland übertrugen den Parasit auf Hunde, in einigen Fällen aber sogar auf den Menschen. Jüngste Forschungsergebnisse der Vetmeduni Vienna zeigen erstmals, dass der Parasit in Österreich eingeführt wurde und sich etablieren konnte. In Stechmücken aus dem Burgenland fanden die ForscherInnen die Larven des Parasiten. Die infizierten Stechmücken sind möglicherweise über Ost- und Südeuropa nach Österreich eingewandert. Die Forschungsergebnisse sind im Journal Parasites & Vectors veröffentlicht.

Der Parasit Dirofilaria repens ist ein Fadenwurm, der in erster Linie das Unterhautgewebe von Hunden befällt und dort Hautknoten, Schwellungen und Juckreiz verursacht. Neben Hunden können auch Katzen, Füchse, Wölfe und Marder von einer Infektion betroffen sein. „Beim Menschen wurden seit dem Jahr 2000 rund 16 Fälle von humaner Dirofilariose dokumentiert, die Dunkelziffer liegt aber in jedem Fall darüber“, so die Erstautorin Katja Silbermayr. Der Mensch ist jedoch ein sogenannter Fehlwirt, in ihm pflanzt sich der Parasit nicht fort und stellt keine große Gefahr dar.

Silbermayr ist Tierärztin und forscht an parasitären Hauterkrankungen. Sie betont: „Die sogenannte kutane Dirofilariose ist in unseren Breiten auch bei Tierärztinnen und Tierärzten noch recht unbekannt. Daher möchten wir mit unserer Arbeit mehr Bewusstsein unter MedizinerInnen schaffen. Knoten der Haut müssen nicht unbedingt Tumore sein, sondern können auch auf eine Dirofilariose hindeuten. Nur über die richtige Behandlung oder Prophylaxe kann die Verbreitung des Parasiten eingebremst werden.“

Österreichweites Screening offenbarte Dirofilarien im Burgenland

ExpertInnen vom Institut für Parasitologie untersuchten im Jahr 2012 rund 8.000 Stechmücken aus ganz Österreich. Dirofilaria repens fanden sie in zwei Ortschaften: In Mörbisch und Rust am Neusiedlersee. Es gab zwei verschiedene Stechmückenarten, die Dirofilaria repens in sich trugen, das waren Anopheles maculipennis und Anopheles algeriensis. „Grundsätzlich sind diese Parasiten nicht wählerisch, wenn es um ihren Vektor, also ihren Überträger die Stechmücke geht. Weltweit wird Dirofilaria repens in den unterschiedlichsten Mückenarten gefunden. Diesen Parasiten hätten wir also durchaus auch in anderen Stechmückenarten nachweisen können“, erklärt Silbermayr.

Der Einwanderungsgrund: Reisen und Adoption

Die Ursache der Einwanderung sieht Silbermayr darin, dass HundehalterInnen mit ihren Vierbeinern verreisen, vor allem in südliche Länder. Mit der Adoption ausländischer Tiere werden die Parasiten ebenfalls nach Österreich eingeschleppt. Die Klimaerwärmung ist laut Silbermayr nicht ausschlaggebend für die Verbreitung von Dirofilaria repens.

Die Forschenden gehen davon aus, dass sich Dirofilaria repens in Österreich weiter ausbreiten wird. In Spanien, Portugal, Italien, Kroatien, Ungarn und Slowenien ist der Parasit schon weit verbreitet. „Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis wir in Österreich auch in größerem Umfang betroffen sein werden.

Verwandter Parasit noch nicht in Österreich entdeckt

Ein verwandter jedoch weit gefährlicherer Parasit ist Dirofilaria immitis, zu Deutsch der Herzwurm. Er wird genau wie Dirofilaria repens von Stechmücken auf Hunde übertragen, siedelt sich in den Lunge und Herz der Hunde an. Dort entwickeln sich etwa 20-30cm lange Herzwürmer die zu Herzinsuffizienz, Atemnot und allgemeiner Leistungsverschlechterungen führen. Dieser Parasit wurde in Österreich bislang noch nicht in Stechmücken gefunden.

„Zur Vorbeugung von Insektenstichen gibt es prophylaktisch wirkende Präparate, die entweder als Spot-on auf die Haut der Tiere aufgetragen werden, oder auch in Tabletten enthalten sind. Ist der Parasit einmal im Tier, ist die Therapie meist aufwendig und langwierig und je nach Befallsstärke eventuell mit Komplikationen verbunden“ erklärt Silbermayr.

Der Lebenszyklus von Dirofilaria repens

Die infektiösen Larven des Parasiten werden mit dem Biss der Stechmücke auf Hunde übertragen. In der Haut paaren sich die Larven und bilden neue sogenannte Mikrofilarien, die dann ins Blut des Hundes gelangen. Stechmücken, in Österreich auch Gelsen genannt, nehmen den Parasit über die Blutmahlzeit wieder auf und können weitere Tiere infizieren.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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