Überlebensfaktor Muttermilch

Neues aus der Forschung

Meldung vom 25.08.2013

Antikörper schützen Ferkel möglicherweise vor Parasitenerkrankungen


140322-083839_medium.jpg
 
Über die Muttermilch werden werden junge Ferkel vor Erkrankungen passiv geschützt.
Vetmeduni Vienna/Worliczek
Lukas Schwarz, Anja Joachim und Hanna Worliczek. 2013. Transfer of Cystoisospora suis-specific colostral antibodies and their correlation with the course of neonatal porcine cystoisosporosis. Journal of Veterinary Parasitology
DOI: 10.1016/j.vetpar.2013.07.007

Durchfallerkrankungen sind bei Ferkeln ein häufiges Problem. Eine der Ursachen ist eine Infektion mit dem einzelligen Parasiten Cystoisospora suis, dem Erreger der Saugferkelkokzidiose. Parasitologen der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) haben nun herausgefunden, dass bestimmte Faktoren in der Muttermilch die Ferkel vor der Erkrankung schützen könnten. Im Journal of Veterinary Parasitology veröffentlichten die Forscher nun ihre Ergebnisse.

Die Saugferkelkokzidiose ist eine ernst zu nehmende Parasitenerkrankung bei jungen Ferkeln und führt durch eine umfassende Zerstörung der Dünndarmschleimhaut zu starken Durchfällen, reduzierter Nährstoffaufnahme und damit zu langsamerem Wachstum der Tiere. Eine Infektion mit Cystoisospora suis kann unter Umständen auch tödlich verlaufen und führt zu signifikanten wirtschaftlichen Verlusten für Schweinezuchtbetriebe. Junge Ferkel, deren Immunsystem bei der Geburt noch sehr wenig entwickelt ist, sind davon abhängig mit der ersten Muttermilch (Kolostrum) schützende Antikörper – sogenannte Immunglobuline (Ig)– und Immunzellen aufzunehmen. Ferkel sind so passiv vor verschiedenen Erkrankungen geschützt.

Antikörper der Mutter sind im Blut der Ferkel nachweisbar

Die Junior-Gruppenleiterin Dr. Hanna Worliczek und der Tierarzt Mag. Lukas Schwarz vom Institut für Parasitologie wiesen gemeinsam mit Kollegen nach, dass mit der Muttermilch IgA-, IgG- und IgM-Antikörper gegen Cystoisospora suis auf die Ferkel übertragen werden. Schon wenige Stunden nach der Geburt sind diese im Blut der Ferkel nachweisbar. IgG-Antikörper blieben über den gesamten Studienzeitraum nachweisbar, die anderen mütterlichen Antikörper verschwanden nach zwei bis drei Wochen. Zu diesem Zeitpunkt produzierten die Ferkel bereits eigene Antikörper gegen den Parasiten.

In der vorgestellten Studie zeigte sich überraschenderweise, dass die Antikörper der Mütter die Ferkel nicht effektiv vor Symptomen einer Infektion schützen können. „Es ist möglich, dass sich die Muttersauen schon längere Zeit vor der Geburt mit dem Parasiten infiziert hatten und daher die Konzentration an Antikörpern in der Muttermilch zu gering war, um die Ferkel vor der Erkrankung zu schützen“, erklärt Hanna Worliczek.

Immunglobulin A ist ein vielversprechender Kandidat um einen Schutz der Ferkel zu erreichen

Es entwickelten zwar alle infizierten Ferkel Krankheitssymptome, allerdings zeigten die Tiere mit höheren Konzentrationen der mütterlichen IgA-Antikörper im Blut mildere Krankheitsverläufe. Das ist ein erster Hinweis darauf, dass diese Antikörperklasse eine wichtige Rolle in der Bekämpfung der Infektion spielen könnte. Hanna Worliczek erklärt dazu: „Jetzt müssen wir Strategien entwickeln, um die Konzentration an spezifischen Antikörpern in der Muttermilch zu erhöhen und untersuchen, ob das zu einem Schutz der Jungtiere führt. Wir hoffen, dass diese Forschung zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Tiergesundheit in der Ferkelzucht leisten kann.“


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung