Werner Nachtigall

Werner Nachtigall (* 7. Juni 1934 in Saaz, Tschechoslowakei) ist ein deutscher Zoologe und Biologe. Er gilt als einer der Begründer der Bionik in Deutschland.

Leben

Nach dem Abitur in Augsburg studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Naturwissenschaften in den Fachrichtungen Biologie, Physik, Chemie und Geographie mit Diplom in Technischer Biologie und Bionik. 1959 wurde er bei Werner Jacobs mit einer zoologischen Arbeit über ein bewegungsphysiologisch-biophysikalisches Thema mit bionischer Bedeutung zum Dr. rer. nat. promoviert. Zunächst war er von 1959 bis 1961 wissenschaftlicher Assistent am Strahlenbiologischen Institut in Neuherberg, später am Zoologischen Institut der Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte in dieser Zeit umfassen bereits Fragestellungen aus dem Bereich der Bionik. 1966 habilitierte er über Flugbiophysik. Es folgte 1967 eine Gastprofessur an der University of California, Berkeley.

1969 erhielt er einen Ruf als Professor und Direktor des Zoologischen Instituts der Universität des Saarlandes. Auf seine Initiative hin wurde 1990 das Studienprogramm "Technische Biologie und Bionik" an der Universität des Saarlandes eingeführt. 1990 war er Mitbegründer der Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik, bis 2003 erster Vorsitzender.

Nach seiner Emeritierung 2002 wurde er Leiter des vom BMBF geförderten Bionik-Kompetenznetzes BIOKON an der Universität des Saarlandes.

Wirken

Durch seine Forschungen, unter anderem über Bewegungsmechanismen im Tierreich und Biostatik, bei denen er konsequent verschiedene naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Disziplinen zusammenführte, wurde er zu einem Pionier der Bionik in Deutschland. Neben wissenschaftlichen Publikationen veröffentlichte er mehrere populärwissenschaftliche Bücher und Artikel, mit denen er ein breites öffentliches Interesse an diesem jungen Forschungszweig wecken konnte.

Werner Nachtigall ist in zahlreichen Gremien tätig. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Er hat über 300 wissenschaftliche Publikationen und über 30 Bücher veröffentlicht, zumeist im Themengebiet der Technischen Biologie, Flugbiomechanik und Bionik.

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1982 - Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille, Wissenschaftspreis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG)
  • 1996 - Baupreis der Fritz-Bender-Stiftung (München), für die Entwicklung eines Lüftungssystems nach dem Termitenbauprinzip (zusammen mit Georg Rummel)
  • 2002 - Internationaler Rheinland-Preis für Umweltschutz des TÜV Berlin-Brandenburg-Rheinland
  • 2004 - Treviranus-Medaille des Verbandes Deutscher Biologen (VdBiol)

Werke

  • Werner Nachtigall: Natur macht erfinderisch, Ravensburger Buchverlag 2001 (2. Auflage), ISBN 3473358908
  • Werner Nachtigall, Kurt Blüchel: Das große Buch der Bionik, DVA 2003, ISBN 3421058016
  • Werner Nachtigall: Ökophysik, Springer Verlag 2006, ISBN 3-540-28878-3
  • Werner Nachtigall: Bionik, Grundlagen und Beispiele für Ingenieure und Naturwissenschaftler, Springer Verlag 2006 (2. Auflage), ISBN 978-3-540-43660-7
  • Werner Nachtigall: Bionik - Was ist das? Was kann das? Was soll das? Audio-CD. supposé, Köln 2006, ISBN 978-3-932513-72-5
  • Werner Nachtigall: Bionik - Lernen von der Natur, C.H. Beck Wissen, München 2008, ISBN 978-3-406-53636-6
  • Werner Nachtigall, Rolf Nagel: Im Reich der Tausendstel-Sekunde - Faszination des Insektenflugs, Gerstenberg 1988, ISBN 3-8067-2043-6
  • Werner Nachtigall: Insektenflug, Springer 2003, ISBN 3-540-00047-x
  • Werner Nachtigall: Gläserne Schwingen, Moos Verlag 1968

Weblinks

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