Sotalia

Sotalia
Ein springender Süßwasser-Sotalia im Orinoco

Ein springender Süßwasser-Sotalia im Orinoco

Systematik
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Gattung: Sotalia
Art: Sotalia
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Sotalia
Gray, 1866
Wissenschaftlicher Name der Art
Sotalia fluviatilis
Gervais & Deville, 1853

Der Sotalia (Sotalia fluviatilis) ist ein Delfin, der sowohl die Küsten als auch die Flüsse Südamerikas bewohnt. Obwohl er zum Teil ein Süßwasserbewohner ist, ist er ein echter Delfin und kein Flussdelfin.

Merkmale

Ein Süßwasser-Sotalia ist etwa 150 cm groß; die meeresbewohnenden Tiere werden bis 220 cm lang. Abgesehen von der Größe hat der Sotalia sehr starke Ähnlichkeit zu einem Großen Tümmler. Oberseits ist er dunkelgrau und unterseits weißlichrosa gefärbt.

Für den Guyana-Delfin ist die Fähigkeit zur Elektrorezeption belegt.[1]

Verbreitung

Verbreitungsgebiet des Sotalias

Man betrachtet die süßwasser- und meeresbewohnenden Sotalias als zwei verschiedene Unterarten:

  • Guyana-Delfin (S. f. guianensis) an den Atlantikküsten zwischen Nicaragua und Brasilien
  • Amazonas-Sotalia (S. f. fluviatilis) im Amazonas und seinen Nebenflüssen

Der Guyana-Delfin bewohnt flache Buchten und Flussdeltas und steigt selbst manchmal in Unterläufe der Flüsse auf, zum Beispiel in den Orinoco. Dagegen ist der Amazonas-Sotalia ein reiner Süßwasserdelfin, der bis in den oberen Amazonas am Rand der Anden zu finden ist. Dabei teilt er das Verbreitungsgebiet mit dem Amazonasdelfin. Während dieser aber die schlammigen Nebenarme bevorzugt, lebt der Sotalia in den klaren, breiten Strömen. Er ist aktiver, schneller und springfreudiger als der Amazonasdelfin, aber weniger neugierig.

Lebensweise

Ganz anders als der einzelgängerische Amazonasdelfin ist der Sotalia ein in Schulen lebendes Tier, das wahrscheinlich ein ähnlich komplexes Sozialgefüge wie andere Delfine hat. Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fischen.

Sonstiges

Wie der Amazonasdelfin spielt auch der Sotalia eine Rolle in der Mythologie vieler indigener Völker. So besteht der Glaube, dass ein ertrunkener Mensch zu einem Delfin wird. Der Delfin behält in diesem neuen Leben die Fähigkeit, sich bei gelegentlichen nächtlichen Landgängen zurück in einen Menschen zu verwandeln. Dabei tritt er stets ganz in weiß gekleidet auf und nimmt seinen Strohhut niemals ab, denn mit diesem versteckt er das Atemloch in seinem Hinterkopf, das ihn als Delfin verraten würde. Als verführerischer junger Mann und exzellenter Tänzer mischt er sich unter die Menschen und erobert die Frauen, um sie zu schwängern. Vor dem Morgengrauen springt er ins Wasser zurück und verwandelt sich in diesem Moment in den Delfin zurück.

Amazonas-Sotalia und Guyana-Delfin werden gelegentlich als unterschiedliche Arten angesehen.

Ein anderer Name für den Sotalia ist Tucuxi, ein aus der Tupí-Sprache stammender Name.

Der letzte Sotalia in Europa war Paco, der am 30. Dezember 2009 im Alter von rund 40 Jahren im Allwetterzoo Münster starb.[2]

Literatur

Matthias Sauerland: Auditive Leistungen des südamerikanischen Delphins Sotalia fluviatilis. Klaus Schüling, 1996 ISBN 3930962349

Weblinks

 Commons: Sotalia fluviatilis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

  • Sotalia fluviatilis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Cetacean Specialist Group, 1996. Abgerufen am 12. Mai 2006

Einzelnachweise

  1. Nicole U. Czech-Damal et al.: Electroreception in the Guiana dolphin (Sotalia guianensis). In: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, Juli 2011, doi:10.1098/rspb.2011.1127
  2. Ältester Delfin Paco ist tot

Die News der letzten Tage

26.09.2022
Ökologie | Klimawandel | Meeresbiologie
Schritthalten mit dem Klimawandel?
Die für die Nahrungsnetze der Ozeane wichtigen Copepoden können sich genetisch an wärmere und saurere Meere anpassen.
26.09.2022
Anthropologie | Mikrobiologie | Physiologie
Mehr als nur Bauchgefühl
Die Strömungsgeschwindigkeit in unserem Verdauungssystem bestimmt unmittelbar, wie gut die Nährstoffe vom Darm aufgenommen werden und wie viele Bakterien darin leben.
26.09.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Mehrjährige Blühstreifen in Kombination mit Hecken: das gefällt unseren Wildbienen
Landwirtinnen und Landwirte sollten ein Netzwerk aus mehrjährigen Blühstreifen in Kombination mit Hecken schaffen, um Wildbienen ein kontinuierliches Blütenangebot zu bieten.
21.09.2022
Physiologie | Ethologie
Der australische „Ant-Slayer“: Spinne mit akrobatischer Jagdstrategie
Die Australische Kugelspinne Euryopis umbilicata lebt auf den Stämmen von Eukalyptusbäumen und versteckt sich tagsüber unter der Rinde.
21.09.2022
Ethologie | Primatologie
Steinwerkzeugvielfalt bei Schimpansen
Forschende haben gezeigt, dass Schimpansen in Westafrika Steinwerkzeuge benutzen und über eine ausgeprägte und wiedererkennbare materielle Kultur verfügen.
20.09.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Neues von den Eichhörnchen in Berlin
Eichhörnchen gehören zu den in Großstädten wie Berlin am häufigsten gesichteten Wildtieren.
19.09.2022
Taxonomie | Insektenkunde
Wie viele Ameisen gibt es eigentlich?
Wie viele Sterne zählt unsere Galaxie?
19.09.2022
Zytologie | Genetik
Reparaturtrupp im Moos funktioniert auch im Menschen
Wenn in lebenden Zellen alles rund laufen soll, dann müssen die Erbinformationen stimmen, doch leider häufen sich im Laufe der Zeit durch Mutationen Fehler in der DNA an.