Sequenzielle Nephronblockade

Die sequenzielle Nephronblockade ist ein seit ca. 1985 bekanntes pharmakologisches Konzept bei der Behandlung von akuten Ödemen mit Diuretika (harntreibenden Mitteln).

Die übliche Monotherapie mit einem einzelnen Schleifendiuretikum ist gelegentlich wirkungslos, trotz intravenöser Gabe und hoher Dosierung. Die Ursache dieser Diuretikaresistenz ist eine zu hohe Rückresorption von Natrium und Wasser im ersten Abschnitt des Nephrons, mit der der Organismus versucht, das Blutvolumen und den Blutdruck zu erhöhen. Die Schleifendiuretika greifen am Ende des Nephrons, in der sogenannten Henleschen Schleife an. Wenn dort zu wenig Wasser und Natrium ankommt, können sie nicht mehr wirken. Vorübergehend ist nach der aktuellen Empfehlung deshalb die Kombination des Schleifendiuretikums mit einem (im mittleren Teil des Nephrons wirksamen) Thiazid-Diuretikum günstig (Thiazide hemmen in hohen Konzentrationen die Carboanhydrase im proximalen Teil des distalen Tubulus), selbst bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz, bei denen Thiazide sonst kontraindiziert sind. Die aktuellen deutschen und internationalen Leitlinien geben eine dementsprechende Empfehlung.

Da ein Diuretikum nur an einem Teil des Tubulussystems angreift und somit in weiter distal gelegenen Abschnitten eine verstärkte Rückresorption auftreten kann, ist die sequenzielle Nephronblockade durch zwei (oder mehr) Diuretika mit unterschiedlichem Angriffsort ein pathophysiologisch einleuchtendes Konzept. Seine klinische Relevanz wird beispielsweise bei der Behandlung von Niereninsuffizienten mit der Kombination eines Schleifendiuretikums und einem Thiazid deutlich: Niedrige Dosen der Kombination sind wirksamer und zugleich nebenwirkungsärmer als die (teilweise noch immer durchgeführte) hochdosierte Monotherapie mit einem Schleifendiuretikum.

Literatur

Weblinks


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