Salanoia

Salanoia ist eine Gattung der Madagassischen Raubtiere (Eupleridae). Sie besteht aus zwei Arten kleiner Raubtiere, dem Schlichtmungo (Salanoia concolor) und dem 2010 beschriebenen Salanoia durrelli.

Merkmale

Die Arten der Gattung Salanoia haben wie alle Madagaskar-Mangusten einen langgestreckten, schlanken Körper mit kurzen Gliedmaßen. Der Schädel ist abgeflacht, die Schnauze langgestreckt, wobei dieser bei Salanoia durrelli etwas stumpfer als beim Schlichtmungo ausgebildet ist. Das Fell beider Arten ist an der Oberseite dunkelbraun (bei Salanoia durrelli etwas heller), der Bauch ist beim Schlichtmungo rötlichbraun und bei Salanoia durrelli gelblichbraun gefärbt. Im Gegensatz zu anderen Madagaskar-Mangusten sind keine Streifen vorhanden, auch der Schwanz ist einfarbig bis auf die Spitze bei Salanoia durrelli.

Der Schlichtmungo erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 35 bis 38 Zentimetern, Salanoia durrelli ist wahrscheinlich etwas kleiner (die beiden gemessenen Individuen hatten eine Kopf-Rumpf-Länge von 31 und 33 Zentimeter), der buschige Schwanz wird bei beiden Arten 16 bis 20 bzw. 21 Zentimeter lang und das Gewicht beträgt 550 bis 780 Gramm (bei Salanoia durrelli 600 und 675 Gramm).

Verbreitung und Lebensweise

Verbreitungsgebiet der beiden Salanoia-Arten: Verbreitungsgebiet des Schlichtmungos (grün) und Fundort von Salanoia durrelli (rot)

Beide Arten sind auf Madagaskar endemisch. Der Lebensraum des Schlichtmungos sind Regenwälder im Nordosten der Insel, etwa auf der Halbinsel Masoala. Sie kommen vorrangig zwischen 300 und 700 Metern über dem Meer vor, gelegentlich auch bis zu 1000 Meter. Salanoia durrelli ist ausschließlich im Sumpfgebiet des Lac Alaotra im nordöstlichen Madagaskar nachgewiesen.[1]

Über die Lebensweise beider Arten, vor allem jedoch des erst 2010 beschriebenen Salanoia durrelli ist nur wenig bekannt. Ihre Nahrung des Schlichtmungos besteht vorwiegend aus Insekten, etwa Käferlarven, während die kräftigere Bezahnung von Salanoia durrelli auf hartschaligere Beutetiere, etwa Krebse und Weichtiere hindeutet.[1]

Systematik

Die Gattung besteht aus zwei Arten, dem Schlichtmungo (Salanoia concolor) und dem 2010 beschriebenen Salanoia durrelli.

Phylogenetische Systematik der Madagassischen Raubtiere[2]
 Madagassische Raubtiere (Eupleridae) 
 N.N. 

 Fanaloka (Fossa)


     

 Fossa (Cryptoprocta)



     

 Falanuk (Eupleres, Position unsicher)


 Madagaskar-Mangusten (Galidiinae) 
 N.N. 

 Breitstreifenmungo (Galidictis)


     

 Salanoia (Position unsicher)


     

 Schmalstreifenmungo (Mungotictis)



     

 Ringelschwanzmungo (Galidia)




Während der genetische Befund eindeutig darauf hinweist, dass die Madagassischen Raubtiere eine monophyletische Gruppe sind, das heißt von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen, ist die innere Systematik umstrittener. Die Madagaskar-Mangusten bilden wahrscheinlich ebenfalls eine monophyletische Gruppe – wobei die Position des Schlichtmungos und damit der Gattung Salanoia nicht genau bekannt ist.Durbin et al. 2010 legen aufgrund ihrer Untersuchung ein Schwestergruppenverhältnis der Gattung Salanoia mit dem Schmalstreifenmungo nahe, wobei der Breitstreifenmungo als Schwersterart desselben auftaucht.[1]

Gefährdung

Aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraumes wird der Schlichtmungo von der IUCN als „gefährdet“ (vulnerable) gelistet. Es gibt keine Belege für die Bejagung oder die Nachstellung durch eingeschleppte Arten (Neozoen), aber auch diese Faktoren könnten eine Bedrohung darstellen.

Der Lebensraum von Salanoia durrelli ist durch die Umweltverschmutzung, Lebensraumzerstörung für die Nutzung durch Reisfelder, Überfischung sowie die Etablierung eingeschleppter Arten (Neozoen) wie der Hausratte (Rattus rattus) und der Kleinen Indischen Zibetkatze (Viverricula indica), einem kleinen Raubtier, stark gefährdet. Der Delacour-Zwergtaucher (Tachybaptus rufolavatus), eine Vogelart, deren Verbreitungsgebiet sich auf diese Region beschränkte, wurde 2010 für ausgestorben erklärt[3] und die Population der Bambuslemuren fiel innerhalb von fünf Jahren um etwa 30 % bis 2001. Als Art mit einem sehr eng begrenzten Lebensraum, der gefährdet ist, und in Konkurrenz zu mehreren eingeführten Arten, ist die Population dieser Art wahrscheinlich ebenfalls stark gefährdet, eine Erfassung hat jedoch noch nicht stattgefunden.

Belege

  1. 1,0 1,1 1,2 Joanna Durbin, Stephan M. Funk, Frank Hawkins, Daphne M. Hills, Paulina D. Jenkins, Clive B. Moncrieff, Fidimalala Bruno Ralainasolo: Investigations into the status of a new taxon of Salanoia (Mammalia: Carnivora: Eupleridae) from the marshes of Lac Alaotra, Madagascar. Systematics and Biodiversity 8(3), 2010: S. 341–355. (Abstract)
  2. Anne D. Yoder, Melissa M. Burns, Sarah Zehr, Thomas Delefosse, Geraldine Veron, Steven M. Goodman und John J. Flynn: Single origin of Malagasy Carnivora from an African ancestor. In: Nature 421 (2003), S. 734-737. PDF
  3. BirdLife International: Species factsheet: Tachybaptus rufolavatus. BirdLife International website. Downloaded on August 3, 2010.

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker’s Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Don E. Wilson , Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009, ISBN 978-84-96553-49-1.
  • Nick Garbutt: Mammals of Madagascar. A Complete Guide. Yale University Press, New Haven & London 2007, ISBN 978-0-300-12550-4
  • Joanna Durbin, Stephan M. Funk, Frank Hawkins, Daphne M. Hills, Paulina D. Jenkins, Clive B. Moncrieff, Fidimalala Bruno Ralainasolo: Investigations into the status of a new taxon of Salanoia (Mammalia: Carnivora: Eupleridae) from the marshes of Lac Alaotra, Madagascar. Systematics and Biodiversity 8(3), 2010: S. 341–355. (Abstract)

Weblinks

 Commons: Salanoia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Die News der letzten Tage

30.06.2022
Mikrobiologie | Ökologie
Leben im Erdinneren
Mikroorganismen in Grundwasserleitern tief unter der Erdoberfläche produzieren ähnlich viel Biomasse wie solche in manchen Meeresbereichen.
30.06.2022
Ethologie | Vogelkunde
Zebrafinken im Schwarm: Blinker setzen und Schulterblick
Viele Vogelarten fliegen gemeinsam mit Artgenossen in Schwärmen, um Flugstrecken sicher zu überwinden.
30.06.2022
Taxonomie | Amphibien- und Reptilienkunde
99 Kaulquappenarten in einem neuen Feldführer
Wichtig, aber oft vernachlässigt: Kaulquappen spielen eine entscheidende Rolle in der Ökologie aquatischer Lebensräume.
29.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Wasserabstoßung erster Schritt zum Leben an Land vor einer Milliarde Jahren
Wissenschaftler konnten erforschen, wie sich die Fähigkeit, extrem Wasser abzuweisen, von bestimmten Bakterien bereits vor einer Milliarde Jahren über Grünalgen, Schleimpilze, Moose und Farne bis zu den Lotusblättern entwickelt hat.
29.06.2022
Ökologie
Massenentwicklungen von Wasserpflanzen – natürliches Phänomen oder ernstes Problem?
Im Sommer zieht es viele Menschen an unsere Gewässer, doch dabei stoßen sie auf ein immer häufiger auftretendes Phänomen: die Massenentwicklung von Wasserpflanzen.
29.06.2022
Genetik | Evolution | Insektenkunde
Enzym bakteriellen Ursprungs förderte die Evolution der Bockkäfer
Genduplikationen erhöhte die Vielfalt und Spezifität der Enzyme, die es Larven von Bockkäfern ermöglichen, wichtige Holzbestandteile abzubauen.
28.06.2022
Mikrobiologie | Biochemie
Wie Darmbakterien im Menschen gedeihen
Ein Forschungsteam in Tübingen hat bedeutende Fortschritte erzielt in der Frage, wie Bakterien im menschlichen Darm gedeihen.
27.06.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen finden sich in virtuellen Umgebungen zurecht
Mit Hilfe von Touchscreens durchquerten sechs Schimpansen aus dem Zoo Leipzig eine virtuelle Landschaft um zu einem weit entfernten Baum zu gelangen, unter dem sie verschiedene Früchte fanden.
27.06.2022
Ökologie | Vogelkunde
Schneller Rückgang der Geier-Bestände in Afrika: Schutzgebiete zu klein
Geier erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen, da sie die Landschaft von Kadavern befreien und so beispielsweise die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten begrenzen.
27.06.2022
Genetik | Biochemie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Genome zeigen verstecktes Potential der Flechten
Flechten bilden unter anderem Stoffe mit biotischer Wirkung, die für die Pharmazie von großem Interesse sind - sogenannte sekundäre Flechtenstoffe.
22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Ozean als Quelle für Naturstoffe angezapft
Forschende entdecken im Meerwasser anhand von DNA-​Daten nicht nur neue Bakterienarten, sondern auch unbekannte Naturstoffe, die dereinst nützlich sein könnten.