Robert Hinde

Robert Aubrey Hinde (* 26. Oktober 1923 in Norwich, England) war bis zu seiner Emeritierung Professor im Fachgebiet Zoologie an der Universität Cambridge (England) und gilt als einer der bedeutendsten britischen Verhaltensforscher.

Gemeinsam mit Nikolaas Tinbergen, Patrick Bateson und William Thorpe trug er nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich dazu bei, das noch junge biologische Fachgebiet der Verhaltensbiologie in Großbritannien zu etablieren.

Werdegang

  • 1935 - 1940 Besuch des Internats Oundle School, wo schon damals Wert gelegt wurde auf eine fundiere naturgeschichtliche Bildung
  • 1940 - 1945 Pilot beim Coastal Command der Royal Air Force (RAF)
  • 1946 - 1948 Student am St John’s College, Cambridge; zunächst Abschluss als Bachelor of Arts (B.A.), danach als Bachelor of Science (B.Sc) an der University of London, jeweils mit Auszeichnung
  • 1948 - 1950 Wissenschaftlicher Assistent am Edward Grey Institute (Fachbereich Zoologie) und am Balliol College in Oxford; 1950 Promotion zum Dr. phil. der Universität Oxford, offiziell in der Arbeitsgruppe des bedeutenden Ökologen David Lack, tatsächlich aber betreut von Nikolaas Tinbergen
  • 1950 - 1954 zunächst Kurator der Ornithologischen Feldforschungsstation der Universität Cambridge, später stv. Direktor am Sub-Department of Animal Behaviour in Cambridge
  • 1951 – 1994 tätig am St John’s College (Cambridge), zuletzt als Master
  • 1963 – 1989 Royal Society Research Professor
  • 1974 Mitglied (Fellow) der Royal Society
  • 1988 Verleihung des Titels „Commander of the British Empire“; Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft
  • 1998 Ehrendoktorat der Universität Oxford
  • 2003 Vorsitzender der Britischen Pugwash-Gruppe

Forschungsthemen

In seinen frühen Arbeiten analysierte Robert Hinde u.a. die Balz und das Konfliktverhalten von Vögeln. Aufgrund seiner Auseinandersetzung mit dem Phänomen Prägung und beeinflusst durch den Psychoanalytiker und Pionier der Bindungsforschung John Bowlby wandte er sich aber bereits in den 1950er-Jahren der Individualentwicklung von Primaten zu; Ende der 1950er-Jahre etablierte er eine Kolonie von Rhesusaffen und untersuchte u.a., welche Folgen eine kurzzeitige Trennung der Affenmütter von ihrem Nachwuchs auf das Verhalten von beiden hat. Generell interessierte ihn die Analyse der angeborenen Grundlagen des Sozialverhaltens und wie sich die persönlichen Beziehungen zwischen einzelnen Tieren entwickeln und verändern. Daher war er auch Ratgeber für Dian Fosseys Forschung an freilebenden Gorillas in Ruanda.

Eine Folge seiner Untersuchungen war, dass sich Hinde zunehmend auch damit beschäftigte, wie sich innerhalb von Menschengruppen (Familie, Freundeskreis) die sozialen Kontakte ausformen; seine Studien handelten nun vor allem über drei- bis sechsjährige Kinder. Auf diese Weise trug er dazu bei, ethologische Forschungsansätze mit psychologischen zu verbinden.

Robert Hinde veröffentlichte 1966 ein vielgenutztes Lehrbuch der Verhaltensforschung und später zahlreiche Schriften zum Thema Kriegsgefahren und über Strategien für den Frieden, zuletzt 2003 gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis-Träger Joseph Rotblat das Buch War, no more.

Seine E-Mail-Adresse in Cambridge ist die offizielle Anlaufstelle für die britische Pugwash-Gruppe.

Werke

  • Cooperation and prosocial behaviour. - Cambridge : Univ. Pr., 1991. - ISBN 0-521-39110-5
  • The institution of war. - New York : St. Martin's Pr., 1992. - ISBN 0-312-06611-2
  • Relationships : a dialectical perspective. - Hove, East Sussex : Psychological Pr., 1997. - ISBN 0-86377-706-6
  • War, no more : eliminating conflict in the nuclear age. - London : Pluto Pr., 2003. - ISBN 0-7453-2192-5

Weblinks


Das könnte Dich auch interessieren