QRS-Komplex

Der QRS-Komplex in Ableitung V1 bei inkomplettem Rechtsschenkelblock

Als QRS-Komplex, QRS-Gruppe, Kammerkomplex oder einfach QRS wird in der Medizin eine Gruppe von Ausschlägen im Elektrokardiogramm (EKG) bezeichnet, die durch die Depolarisation der beiden Herzkammern verursacht wird.

Beschreibung

Der QRS-Komplex kann aus einer negativen Q-Zacke, ein oder zwei positiven R-Zacken und einer oder zwei negativen S-Zacken bestehen, wobei kleine Zacken mit kleinen Buchstaben (q,r und s) und große Zacken mit großen Buchstaben (Q, R und S) bezeichnet werden. Die Größe (Amplitude) der Zacken variiert von Ableitung zu Ableitung und hängt von der Lage der elektrischen Herzachse ab. Die Dauer bzw. Breite des QRS-Komplexes variiert in geringem Maße alters- und geschlechtsabhängig. Der am häufigsten genannte obere Grenzwert liegt bei 0,12  Sekunden (120 ms), die normale QRS-Dauer wird meist mit höchstens 110−120 ms angegeben.[1]

Q-Zacke

Die Q-Zacke bezeichnet den Beginn der Kammererregung. Beginnt der QRS-Komplex mit einem negativen Ausschlag, so erhält dieser die Bezeichnung Q-Zacke. Sie sollte nicht breiter als 0,04 Sekunden (40 ms) sein und eine Amplitude von weniger als einem Viertel der R-Zacke haben. Breitere und tiefere („pathologische“) Q-Zacken können auf einen alten Herzinfarkt oder bei Neugeborenen auf eine Septumhypertrophie hindeuten. Ausschließlich negative Kammerkomplexe werden als QS-Komplex bezeichnet.

R-Zacke

Der erste positive Ausschlag des QRS-Komplexes wird R-Zacke genannt. Sie ist meist schlank und groß und variiert je nach elektrischer Herzachse. Verbreiterte und gekerbte R-Zacken weisen auf eine Störung der Erregungsleitung im Herzen hin und werden beim Rechtsschenkelblock und Linksschenkelblock beobachtet. Eine reduzierte R-Amplitude kann Hinweis für einen alten Herzinfarkt sein. Tritt nach der S-Zacke ein weiterer positiver Ausschlag auf, so wird dieser je nach Größe als r' oder R' bezeichnet.

S-Zacke

Ein auf die R-Zacke folgender und meist kleiner negativer Ausschlag im EKG wird S-Zacke genannt. Folgt ein negativer Ausschlag auf eine R'- oder r'-Zacke, so erhält er je nach Größe die Bezeichnung S' oder s'.

Oberer Umschlagspunkt

Als oberer Umschlagspunkt (OUP) oder Beginn der größten Negativitätsbewegung (GNB) oder intrinsic deflection bezeichnet man den Beginn der stärksten Abwärtsbewegung innerhalb des QRS-Komplexes. Er sollte in Ableitung V1 maximal 30 ms und in Ableitung V6 maximal 55 ms nach Beginn des QRS-Komplexes auftreten.

J-Punkt

Der Punkt, an dem der QRS-Komplex in die ST-Strecke übergeht, wird J-Punkt genannt. Er ist wichtig als Bezugspunkt für die Messung der QRS-Breite oder auch einer ST-Hebung oder -Senkung. Nicht immer ist eine klare Grenze zwischen QRS-Komplex und ST-Strecke erkennbar, insbesondere bei verbreitetertem QRS-Komplex oder geneigtem Verlauf der ST-Strecke. Es gibt keinen eindeutigen Konsens darüber, wie dann der J-Punkt definiert werden soll.[2] Mögliche Definitionen sind:

  • Der erste "Wendepunkt" an dem sich die Steigung der S-Zacke ändert. [2]
  • Der Punkt, an dem der EKG-Verlauf eher horizontal als vertikal wird.[3]

Quellen

Hauptquelle

  • Csapo G: Konventionelle und intrakardiale Elektrokardiographie. Hrsg.: Ciba-Geigy GmbH. 1980.

Einzelnachweise

  1. Mirvis DM, Goldberger AL in Zipes DP et al. (Hrsg.): Braunwald's Heart Disease: A Textbook of Cardiovascular Medicine. 7. Auflage. W. B. Saunders Company, Philadelphia 2004, ISBN 1-4160-0014-3. S. 114-128.
  2. 2,0 2,1 J Brownfield, Herbert, M: EKG Criteria for Fibrinolysis: What's Up with the J Point?. In: The western journal of emergency medicine. 9, Nr. 1, 2008 Jan, S. 40–2. PMID 19561701. Volltext bei PMC: 2672223. Abgerufen am 8. Oktober 2011.
  3. http://www.monroecc.edu/depts/PSTC/backup/parasec1.htm#JPT
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