Prosektor

Prosektor (lat. „Vorschneider“, „Zergliederer“) war seit dem Mittelalter die Berufsbezeichnung für den „Sezierer“ einer anatomischen Anstalt, dem die Entnahme der aus Leichen gewonnenen Präparate oblag. In größeren Krankenhäusern gab es Ärzte, die zur Feststellung der Todesursache die Leiche sezieren mussten und ebenfalls als Prosektoren bezeichnet wurden.

Geschichte

Die erste Erwähnung des Prosectors (auch Incisor, Dissector) findet man in Texten des 13. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit war der „anatomische Akt“, die Sektion, noch keine eigenständige Lehr- und Forschungsmethode und diente fast ausschließlich der Illustration des vorgelesenen Textes. Der Lector (Vorleser), ein Professor der entsprechenden Bildungseinrichtung, saß dabei auf einem erhöhten Lehrstuhl und rezitierte Texte von Galen. Unabhängig vom abgelesenen Text sezierte ein Prosector, der im Alltag den Beruf eines Handwerkers, Baders oder Chirurgus ausübte, die Leiche. Ein Famulus des Lectors, der Demonstrator, zeigte mit einem Stock auf die seiner Meinung nach gerade vorgelesene Struktur. Es gehörte ebenfalls zu den Aufgaben eines Prosektors, eine Leichenöffnung und Eingeweidebeschau durchzuführen, falls der Verdacht aufkam, dass eine höhergestellte Persönlichkeit vergiftet worden war. [1]

Später erweiterte sich sein Aufgabenfeld und er wurde zum Assistenten des Professors in anatomischen Lehranstalten. Er sollte die Leichen zur Demonstration vorbereiten, und die anatomischen Präparate zu Anschauungszwecken im Unterricht, oder zur Bereicherung des Museums der Anstalt, anfertigen.[2]

Je nach Einrichtung hat der heutige Prosektor verschiedene Funktionen übernommen:

  • Er ist der Leiter der Pathologisch-Anatomischen Abteilung eines Krankenhauses, s. Prosektur, und untersucht Leichen zur Überprüfung der Diagnose und der angewandten Heilmittel. Er übernimmt auch die Untersuchung falls die Todesursache möglicherweise durch Fremdeinwirken verschuldet ist.
  • Er ist der Oberassistent des Pathologisch-Anatomischen Instituts. Dort hat er die ärztliche Verantwortlichkeit für das Körperspendewesen. Das beinhaltet die Ausstellung von Körperspendevereinbarungen, Gespräche mit den Körperspendern und deren Angehörigen, die Verantwortung für die Pflege und Konservierung der Präparate, die Durchführung der Kurse der makroskopischen Anatomie und der Operationskurse für Studenten höherer Semester und Kliniker sowie die Durchführung der Beisetzungsfeiern.
  • Er ist der durchführende, oder zumindest dafür zuständige, Arzt einer Leichenöffnung.

Prosektor ist genauso wie der Präparator, deren Tätigkeiten sich oft überschneiden, keine geschützte Berufsbezeichnung. Vielmehr handelt es sich dabei um approbierte Ärzte, die die Funktion eines Prosektors übernehmen.

Berühmte Prosektoren

Berühmte Prosektoren waren[3]:

Literatur

August Karl Bock: Der Prosector oder Unterricht zur praktischen und technischen Zergliederungskunst für Solche, welche sich vorzüglich der praktischen Zergliederung widmen wollen, und zum Gebrauche beim Präpariren menschlicher Theile; 1829 (Online)

Siehe auch

  • Prosektur

Einzelnachweise

  1. [1]Zur Geschichte der anatomischen Sektion
  2. Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892
  3. [2]Englischsprachige Wiki

Weblinks

http://www.tk.de/rochelexikon/ro30000/r31480.000.html
http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=113251#Prosektor
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/berufsprofile/index,page=1218384.html
http://prosektur.de/ProGrafiken/Zur_Geschichte_der_anatomischen_Sektion.pdf
http://www.thieme.de/viamedici/studienort_homburg/vorklinik/praepkurs.html#anker1

Wikisource: Der Prosector in der Westentasche – eine Anleitung in Versen zur standardisierten Sektion nach Virchow

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