Laternenhaie


Laternenhaie

Kleiner Schwarzer Dornhai (Etmopterus spinax), gefangen bei Sardinien.

Systematik
Teilklasse: Euselachii
Neoselachii
Haie (Selachii)
Überordnung: Squalomorphii
Ordnung: Dornhaiartige (Squaliformes)
Familie: Laternenhaie
Wissenschaftlicher Name
Etmopteridae
Fowler, 1934

Die Laternenhaie (Etmopteridae) sind eine Familie kleiner Haie aus der Ordnung der Dornhaiartigen (Squaliformes). Sie kommen in Teilen des Atlantiks, des Pazifiks und des Indischen Ozeans in Tiefen von 50 bis 4500 Metern vor und leben meist an Kontinentalabhängen, seltener auf dem Kontinentalschelf oder im offenen Ozean. Dabei bevorzugen sie tropische bis gemäßigte Regionen, lediglich im Nordatlantik kommen sie bis Island vor. Mit 43 bis 44 beschriebenen Arten sind die Laternenhaie die artenreichste Familie der Dornhaiartigen. Über ihre Lebensweise ist noch sehr wenig bekannt. Relativ gut erforscht ist nur der Kleine Schwarze Dornhai (Etmopterus spinax), der an den Atlantikküsten Europas und im Mittelmeer vorkommt und auch in den tiefen Bereichen der nördlichen Nordsee recht häufig ist.

Merkmale

Die meisten Arten erreichen noch nicht einmal eine Länge von 90 Zentimetern, die größte ist Centroscyllium fabricii, die maximal 1,07 Meter lang wird. Mit dem Zwerg-Laternenhai (Etmopterus perryi) und dem Zylindrischen Laternenhai (E. carteri), die nur 16 bis 20 Zentimeter Körperlänge und ein Gewicht von etwa 150 Gramm erreichen, gehören die kleinsten bekannten Haiarten zu den Laternenhaien.[1][2] Laternenhaie haben zwei Rückenflossen, denen je ein mit einer deutlichen Furche versehener Stachel vorangeht. Eine Afterflosse fehlt. Der Schwanzflossenstiel ist ohne seitliche Kiele und ohne dorsale und/oder ventrale Einbuchtungen. Die Schwanzflosse hat unten eine Kerbe. Die meisten Arten besitzen Leuchtorgane. [3] Neben den Laternenhaien sind Leuchtorgane bei Haien nur noch bei einigen Arten der Dalatiidae bekannt. Die Leuchtorgane der Laternenhaie befinden sich auf der meist dunkleren Bauchseite und erzeugen einen grünlichen Schimmer, der die Fische von unten gegen die helle Meeresoberfläche tarnt. Außerdem besitzen einige Arten deutlich sichtbare Leuchtorgane an den Seiten und am Schwanz. Sie dienen wahrscheinlich der Arterkennung und dem Zusammenhalt im Schwarm. Die Haut der Laternenhaie ist mehr oder weniger dicht mit höckrigen oder konisch geformten Placoidschuppen bedeckt. Wie die anderen Arten aus der Ordnung der Dornhaiartigen sind die Laternenhaie lebendgebärend (ovovivipar).[4]

Innere Systematik

Centroscyllium fabricii
Centroscyllium granulatum
Etmopterus gracilispinis
Centroscyllium granulatum
Etmopterus perryi
Etmopterus pusillus
Etmopterus schultzi
Etmopterus virens

Es gibt fünf Gattungen und 44 bis 45 Arten. Die Gattungen werden vor allem anhand ihrer Bezahnung unterschieden.

  • Aculeola (de Buen, 1959)
    • Aculeola nigra (de Buen, 1959)
  • Centroscyllium (Müller & Henle, 1841)
    • Centroscyllium excelsum (Shirai & Nakaya, 1990)
    • Centroscyllium fabricii (Reinhardt, 1825)
    • Centroscyllium granulatum (Günther, 1887)
    • Centroscyllium kamoharai (Abe, 1966)
    • Centroscyllium nigrum (Garman, 1899)
    • Centroscyllium ornatum (Alcock, 1889)
    • Centroscyllium ritteri (Jordan & Fowler, 1903)
  • Etmopterus (Rafinesque, 1810)
    • Etmopterus baxteri (Garrick, 1957)
    • Etmopterus bigelowi (Shirai & Tachikawa, 1993)
    • Etmopterus brachyurus (Smith & Radcliffe in Smith, 1912)
    • Etmopterus bullisi (Bigelow & Schroeder, 1957)
    • Etmopterus burgessi (Schaaf-Da Silva & Ebert, 2006)
    • Zylindrischer Laternenhai (Etmopterus carteri) (Springer & Burgess, 1985)
    • Etmopterus caudistigmus (Last, Burgess & Séret, 2002)
    • Etmopterus compagnoi (Fricke & Koch, 1990)
    • Etmopterus decacuspidatus (Chan, 1966)
    • Etmopterus dianthus (Last, Burgess & Séret, 2002)
    • Etmopterus dislineatus (Last, Burgess & Séret, 2002)
    • Etmopterus evansi (Last, Burgess & Séret, 2002)
    • Etmopterus fusus (Last, Burgess & Séret, 2002)
    • Etmopterus gracilispinis (Krefft, 1968)
    • Etmopterus granulosus (Günther, 1880)
    • Etmopterus hillianus (Poey, 1861)
    • Etmopterus joungi Knuckey, Ebert & Burgess, 2011
    • Etmopterus litvinovi (Parin & Kotlyar in Kotlyar, 1990)
    • Etmopterus lucifer (Jordan & Snyder, 1902)
    • Etmopterus molleri (Whitley, 1939)
    • Zwerg-Laternenhai (Etmopterus perryi) (Springer & Burgess, 1985)
    • Etmopterus polli (Bigelow, Schroeder & Springer, 1953)
    • Großer Schwarzer Dornhai (Etmopterus princeps) (Collett, 1904)
    • Etmopterus pseudosqualiolus (Last, Burgess & Séret, 2002)
    • Etmopterus pusillus (Lowe, 1839)
    • Etmopterus pycnolepis (Kotlyar, 1990)
    • Etmopterus robinsi (Schofield & Burgess, 1997)
    • Etmopterus schmidti (Dolganov, 1986), Status unsicher
    • Etmopterus sculptus Ebert, Compagno & Marlee J. De Vries, 2011
    • Etmopterus schultzi (Bigelow, Schroeder & Springer, 1953)
    • Etmopterus sentosus (Bass, D'Aubrey & Kistnasamy, 1976)
    • Kleiner Schwarzer Dornhai (Etmopterus spinax) (Linnaeus, 1758)
    • Etmopterus splendidus (Yano, 1988)
    • Etmopterus tasmaniensis (Myagkov & Pavlov in Gubanov, Kondyurin & Myagkov, 1986)
    • Etmopterus unicolor (Engelhardt, 1912)
    • Etmopterus viator Straube, 2011
    • Etmopterus villosus (Gilbert, 1905)
    • Etmopterus virens (Bigelow, Schroeder & Springer, 1953)
  • Miroscyllium (Shirai & Nakaya, 1990)
    • Miroscyllium sheikoi (Bonnaterre, 1788)
  • Trigonognathus (Mochizuki & Ohe, 1990)

Das folgende Kladogramm stellt die Verwandtschaft der Gattungen und der Etmopterus-Arten zueinander dar und zeigt, das Etmopterus paraphyletisch in Bezug auf Miroscyllium ist.[4]

  Etmopteridae 


 Centroscyllium


   

 Aculeola



   

 Trigonognathus


   
  Etmopterus  

 Klade II (E. baxteri, E. granulosus, E. dianthus, E. princeps, E. spinax, E. unicolor)


   

 Klade III (E. gracilispinis, E. polli, E. schultzi, E. virens)



   




 Miroscyllium


   

 Klade V (E. brachyurus, E. molleri)



   

 Klade VI (E. dislineatus, E. lucifer)




   

 Klade VII (E. bigelowi, E. fuscus, E. pseudosqualiolus, E. pusillus, E. sentosus)






Vorlage:Klade/Wartung/Breite

Stammesgeschichte

Die fossile Überlieferung der Laternenhaie ist spärlich. Es sind nur fossile Zähne bekannt und vollständige Fossilien fehlen gänzlich. Die ältesten, zweifelsfrei den Laternenhaien zuzuordnenden Zähne stammen aus dem Lutetium, einer Stufe des Eozän vor 48,6 bis 40,4 Millionen Jahren. Sie ähneln sehr stark den Zähnen rezenter Arten. Weitere Haizähne, die den Laternenhaien zugeordnet wurden, sind aus der Kreide bekannt. Sie wurden als Eoetmopterus, Proeoetmopterus und Microetmopterus beschrieben, weisen aber nur eine geringe Ähnlichkeit mit den Zähnen heutiger Arten auf und verschwinden zur Kreide-Tertiär-Grenze.[4]

Literatur

  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7

Einzelnachweise

  1. Alfred Goldschmid: Chondrichthyes, in: W. Westheide und R. Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 2. Wirbel- oder Schädeltiere. Spektrum, München 2004; S. 199. ISBN 3-8274-0307-3
  2. Leonard Compagno, Marc Dando, Sarah Fowler: Sharks of the World. Princeton Field Guides, Princeton University Press, Princeton und Oxford 2005, ISBN 978-0-691-12072-0. Seite 103.
  3. Nelson (2006)
  4. 4,0 4,1 4,2 Straube, Iglésias, Sellos, Kriwet, & Schliewen: Molecular phylogeny and node time estimation of bioluminescent Lantern Sharks (Elasmobranchii: Etmopteridae). Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 56, Issue 3, September 2010, Seite 905–917 doi:10.1016/j.ympev.2010.04.042

Weblinks

Commons: Etmopteridae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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