Geruchsschwelle

Die Geruchsschwelle (Geruchsschwellenwert, kurz GSW) ist jene minimale Konzentration eines gasförmigen, sensorisch aktiven Stoffes, die ein Lebewesen durch den Geruchssinn gerade noch wahrnehmen kann.

Der Geruchsstoff kann auch als flüchtiger (d. h. in die Luft übertretender) Aromastoff in einer flüssigen Matrix (z. B. Trinkwasser, Wein) oder in einer festen Substanz enthalten sein.

Geruchsschwellenwert

Quantitativ kann der Geruchsschwellenwert entweder als absolute Größe (Einwaage / Volumen) angegeben werden, oder als jenes Verhältnis von Volumenanteilen einer geruchsfreien Vergleichsmatrix zur untersuchten Matrix, bei der der Geruch gerade noch wahrgenommen werden konnte. Bei letzterer Methode ist der GSW somit eine Art Verdünnungsfaktor.

Der Stoff mit der niedrigsten bekannten Geruchsschwelle (beim Menschen?) ist Thioterpineol. Bei vielen Tieren genügt bereits ein einzelnes Molekül zur Wahrnehmung (siehe unten).

Beispiele für Schwellenwerte

  • Geruchsfreies Wasser hat den GSW Null. Der Grenzwert gemäß deutscher Trinkwasser-Verordnung beträgt 3 bei 23 °C Wassertemperatur.
  • Der Geruchsschwellenwert von 2,4,6-Trichloranisol, dem Verursacher des Korktons, kann bei einem trainierten Sensoriker bei 2 ng/l Wein liegen, bei einer untrainierten Person dagegen bei 100 ng/l.

Geruchsschwelle beim Menschen

Bei Menschen liegt die Geruchsschwelle je nach Substanz bei 107 bis 1017 Molekülen pro cm³ Luft. Nahe am Schwellenwert ist eine Bestimmung des Duftes nicht möglich, sondern nur die Empfindung eines unbestimmten Geruches. Für die charakteristische Wahrnehmung eines bestimmten Substanz sind höhere Konzentrationen notwendig, siehe etwa Skatol.

Der Geruchsschwellenwert einer Substanz ist jedoch eine subjektive Größe, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann.

Geruchsschwelle bei Tieren

  • Hunde: Zur Auslösung einer Geruchsempfindung genügt ein Molekül pro mm³ Luft. Damit kann ein Hund beispielsweise die wenigen Fettsäure-Moleküle wahrnehmen, die durch eine Schuhsohle diffundieren.
  • ein Aal benötigt gerade zwei Moleküle Phenylethylalkohol, damit es bei ihm eine Wahrnehmung auslöst. Konkret genügt 1 ml dieser Substanz, verdünnt mit der 58fachen Wassermenge des Bodensees.
  • Der Seidenspinner registriert das Eintreffen eines einzelnen Moleküls des weiblichen Sexualpheromons. Das Sexualverhalten wird jedoch erst bei 200–300 Molekülen beeinflusst.

Anwendung im Obstbau

Die niedrige Geruchsschwelle solcher Duftstoffe wird unter anderem bei der Schädlingsbekämpfung angewandt, etwa um „wurmigen“ Früchten im Obstbau vorzubeugen. Beim Zwetschken- und Apfelwickler werden klebrige Fallen in den Baum gehängt, um die schwärmenden Männchen anzulocken und eine Begattung zu verhindern.

Siehe auch

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