CAST (Studie)

CAST (Cardiac Arrhythmia Suppression Trial) ist das Akronym einer von 1986 bis 1998 durchgeführten klinischen Studie über die Wirksamkeit von Arzneimitteln aus der Gruppe der Klasse-I-Antiarrhythmika zur Verhinderung des plötzlichen Herztodes nach einem Herzinfarkt.

Die 1991 (CAST) und 1992 (CAST II) im New England Journal of Medicine publizierten Ergebnisse der Studie[1][2] haben weltweit zu einem Paradigmenwechsel in der Behandlung von Infarktpatienten geführt[3] und CAST zu einer der am meisten beachteten medizinischen Studien gemacht.

Studienablauf

1987 wurde an 27 Zentren begonnen, Patienten nach einem Herzinfarkt randomisiert und doppelt-blind einer Behandlung mit Flecainid, Encainid und Moricizin oder Placebo zu unterziehen, wenn sie in einer ersten Test-Phase überhaupt auf die medikamentöse Behandlung mit einer Reduktion der Anzahl ventrikulärer Extrasystolen reagierten.

Die Studie wurde in zwei Studien-Armen durchgeführt. In dem einen Arm wurden insgesamt 1455 Patienten mit Encainid, Flecainid oder Placebo behandelt und in dem anderen Arm zunächst 272 Patienten mit Moricizin oder Placebo. Im April 1989 wurde der Encainid/Flecainid-Arm wegen erhöhter Mortalität unter der Behandlung mit dem Verum (lat. „das Wahre“, im Gegensatz zum Scheinmedikament, dem Placebo) beendet. Die Studie wurde dann mit 1300 Patienten im Moricizin-Arm fortgesetzt, bis auch dieser im August 1991 wegen eines vermehrten Auftretens von Todesfällen im Vergleich zur Placebobehandlung abgebrochen wurde. Die Datenerhebung wurde bis zum März 1998 fortgeführt.[4]

Ergebnisse

CAST I wurde nach 10 Monaten abgebrochen, weil die Sterblichkeit unter medikamentöser Behandlung mit 8,3 % signifikant höher als unter Placebo war (3,5 %; p = 0,001). Überwiegende Todesursache war der plötzliche Herztod.

In CAST II bewirkte Moricizin eine Zunahme der Gesamtsterblichkeit von 5,4 auf 7,2 Prozent[2], wobei der Unterschied in den ersten zwei Wochen sogar signifikant war.

Diese Ergebnisse wurden in einer 1993 veröffentlichten Meta-Analyse bestätigt. Bei der Auswertung von 51 randomisierten Studien zeigte sich bei insgesamt 11.712 Infarktpatienten nach Behandlung mit Klasse-I-Antiarrhythmika eine höhere Sterblichkeit (5,6 %) als bei 11.517 Patienten nach Plazebobehandlung (5,0 %; p = 0,03).[5]

Quellen

  1. Echt DS et al.: for the CAST-Investigators: Mortality and morbidity in patients receiving encainide, flecainide, or placebo. N Engl J Med (1991) 324:781-788. PMID 1900101.
  2. 2,0 2,1 The Cardiac Arrhythmia Suppression Trial II Investigators: Effect of the antiarrhythmic agent moricizine on survival after myocardial infarction. N Engl J Med (1992) 327: 227-233. PMID 1377359.
  3. Lüderitz B, Jung W: Antiarrhythmische Therapie bei Postinfarktpatienten. Deutsches Ärzteblatt (1997) 94: A-1345. online (abgerufen am 16. Februar 2007)
  4. ClinicalTrials.gov: Cardiac Arrhythmia Suppression Trial (CAST). online (abgerufen am 16. Februar 2007).
  5. Teo KK, Yusuf S, Furberg CD: Effects of prophylactic antiarrhythmic drug therapy in acute myocardial infarction. An overview of results from randomized controlled trials. JAMA (1993) 270:1589-1595. PMID 8371471.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

22.10.2021
Physiologie | Toxikologie | Insektenkunde
Summ-Summ-Summ, Pestizide schwirr´n herum
Was Rapsfelder und Obstplantagen schützt, bedeutet für manche Organismen den Tod: Insektizide und Fungizide werden in der Landwirtschaft gegen Schädlinge und Pilze eingesetzt.
21.10.2021
Mikrobiologie | Genetik | Virologie
Kampf gegen Viren mit austauschbaren Verteidigungsgenen
Bakterien verändern mobile Teile ihres Erbgutes sehr schnell, um Resistenzen gegen Viren zu entwickeln.
21.10.2021
Genetik | Säugetierkunde
Endlich geklärt: Die Herkunft der heutigen Hauspferde
Pferde wurden zuerst in der pontisch-kaspischen Steppe im Nordkaukasus domestiziert, bevor sie innerhalb weniger Jahrhunderte den Rest Eurasiens eroberten.
21.10.2021
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Entwicklungsbiologie | Säugetierkunde
Eizellenentnahme bei einem von zwei Nördlichen Breitmaulnashörnern eingestellt
Nach einer speziellen, umfassenden ethischen Risikobewertung hat das Team nun beschlossen, das ältere der beiden verbleibenden Weibchen – die 32-jährige Najin –, als Spenderin von Eizellen (Oozyten) in den Ruhestand zu schicken.
20.10.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Verheerende Auswirkungen von Insektenvernichtungsmittel
Neonicotinoide beeinflussen menschliche Neurone und schädigen potentiell somit nicht nur Insektenzellen, sie sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt werden.
20.10.2021
Ethologie | Neurobiologie | Säugetierkunde
Findet Rico - „den ganz besonderen Hund“
Zwei Forscherinnen sind auf der Suche nach „dem einen ganz besonderen Hund“.