Arzneimittelwechselwirkung

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Arzneimittelwechselwirkungen (auch Interaktionen) können bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Arzneimittel auftreten. Die erwünschte Wirkung kann dadurch verstärkt, abgeschwächt oder aufgehoben werden. Zusätzlich können unerwünschte Arzneimittelwirkungen („Nebenwirkungen“) auftreten.

Arzneimittelwechselwirkungen müssen von chemischen Inkompatibilitäten getrennt werden, die auftreten können, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig in derselben Injektionsspritze oder Infusionslösung vorhanden sind. Dabei kann es zu chemischen Reaktionen mit Ausfällungen, Verfärbungen und Bildung neuer Substanzen kommen.[1]

Mechanismen

Es gibt verschiedene mögliche Mechanismen, die zu Wechselwirkungen führen:

  • Pharmakokinetische Interaktion: Ein Arzneimittel beeinflusst die Aufnahme, Verteilung oder Ausscheidung eines anderen.

Entsprechend sind unterschiedliche Auswirkungen möglich:

  • schnellerer oder langsamerer Wirkungseintritt (pharmakokinetisch)
  • verkürzte oder verlängerte Wirkung (pharmakokinetisch)
  • verstärkte oder abgeschwächte Wirkung (meistens pharmakodynamisch, kann aber auch kinetisch verursacht sein, wenn zum Beispiel ein Stoff dazu führt, dass ein zweiter in größerem Maß resorbiert wird). Bei Wirkungsverstärkungen kann noch zwischen additiver und überadditiver Verstärkung unterschieden werden
  • gänzlich unerwartete Wirkung (pharmakodynamisch)

Wechselwirkungen treten vor allem dann auf, wenn Arzneimittel neu verordnet werden. Sie spielen meistens bei Medikamenten, die schon längere Zeit eingenommen werden, keine große Rolle, was Abschwächungen oder Verstärkungen der Wirksamkeit angeht, weil nach Wirkung dosiert wird. Wird zum Beispiel ein blutdrucksenkendes Mittel in seiner Wirkung durch ein anderes Medikament verstärkt, so sinkt der Blutdruck stärker. Dies führt bei Dauereinnahme dazu, dass die Dosis eines oder beider Medikamente reduziert werden muss. Führt aber die Wechselwirkung zwischen mehreren Medikamenten zu einer Schädigung des Körpers, beispielsweise zu Nieren- oder Leberschäden, dann ist diese Wechselwirkung selbstverständlich auch bei Dauereinnahme relevant und sollte zu einer Änderung der Medikation führen.

Wechselwirkungen sind auch bei komplementären Therapieverfahren nicht selten. So können Laxantien und Leinsamen die Resorption von oralen Therapeutika verringern und grüner Tee mit Bortezomib chemisch interagieren. Klassische Interaktionen über das Cytochrom P450, insbesondere über CYP3A4 sind ebenfalls häufig. Nicht nur Johanniskraut,[2] auch Ingwer, Knoblauch oder Lakritze sind Induktoren dieses Enzyms, während Grapefruitsaft,[3] Baldrian, Gelbwurzel oder Ginseng das Enzym hemmen. Interaktionen beschränken sich nicht auf CYP 3A4. Bei den Zielstrukturen der modernen „Small Molecules" in den Signalkaskaden gibt es eine Vielzahl von möglichen Interaktionen, deren Relevanz noch gar nicht klar ist. Bekannt ist dagegen die Bedeutung der Inhibition des Enzyms CYP 2D6 bei der Tamoxifenbehandlung. Nicht nur Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können die Wirkung dieser adjuvanten Brustkrebstherapie stark beeinträchtigen.

Interaktionen zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln

Neben Medikamenten können auch Nahrungs- und Genussmittel mit Arzneimitteln interagieren. Das Standardbeispiel ist die gegenseitige Wirkungsverstärkung von Alkohol und Beruhigungsmitteln. Alkohol, Nikotin und Koffein sind als pharmakologisch wirksame Substanzen im Zusammenhang mit eingenommenen Medikamenten zu werten. Rauchen führt zum beschleunigten Abbau vieler Arzneistoffe und damit zu kürzerer Wirkung, schwarzer Tee verringert die Aufnahme vieler Wirkstoffe in den Körper.

Nahrungsaufnahme vermindert die Aufnahme vieler Arzneimittel, kann aber bei fettlöslichen Wirkstoffen die Aufnahme verbessern. Grapefruitsaft hemmt den Abbau vieler Arzneistoffe und führt damit zu verlängerter Wirkung.[2]

Interaktionsprüfung

Das Auffinden potentieller Wechselwirkungen wird durch die Packungsbeilage der Arzneimittel, der darin enthaltenen Merkmalszusammenfassung, mit Hilfe der dazugehörigen Fachinformationen, über Arzneimittelverzeichnisse wie die Rote Liste oder durch spezielle Datenbanken ermöglicht. Viele Apotheken bieten die Überprüfung von Wechselwirkungen an. In Deutschland misst man dem Problem unerwünschter Arzneimittel- oder Wechselwirkungen seit Ausrufen des Aktionsplanes für Arzneimitteltherapiesicherheit durch das Bundesministerium für Gesundheit große Bedeutung bei. Dieser Aktionsplan, der 2007 erstmals formuliert wurde, wird für die Jahre 2010-2012 fortgeschrieben.[4]

Gesellschaftliche Bedeutung

Zu den arzneimittelbezogenen Problemen in Deutschland, von denen unerwünschte Wechselwirkungen einen Teil darstellen, wurde folgende Modellrechnung aufgestellt: Anzahl der Rezepte pro Jahr: 470 Mio., davon 2 % mit Arzneimittel-Problemen: 9,4 Mio., davon 30 % potenziell gesundheitsgefährdend: 2,82 Mio., davon 30 % mit Krankenhausaufenthalt: 0,846 Mio., davon 30 % durch Arzneimitteldokumentation vermeidbar: 253.800, je Fall 7 Tage Krankenhausaufenthalt: 1,78 Mio. Tage, 291 Euro Kosten pro Tag: Mithin 518 Mio. Euro Kosten, die vermeidbar gewesen wären.[5]

Einzelnachweise

  1.  Heiner Berthold: Klinikleitfaden Arzneimitteltherapie. 2. Auflage. Urban und Fischer, München/Jena 2003, ISBN 3-437-41151-9, S. 106f. (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  2. 2,0 2,1  Thomas Effert: Molekulare Pharmakologie und Toxikologie: Biologische Grundlagen von Arzneimitteln und Giften, S. 24. Springer, Berlin 2006, ISBN 9783540212232.
  3. Pharmazeutische Zeitung online 35/2008: Grapefruit - Neuer Interaktionsmechanismus entdeckt. Abgerufen am 10. Januar 2011.
  4. Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Abgerufen am 10. Januar 2011.
  5. Elektronischer Arzneimittel-Sicherheits-Check spart Kosten, Der Hausarzt, 20/06, S. 34 nach Kommunikationsplattform im Gesundheitswesen, Mai 2001

Literatur

 Cascorbi, Ingolf: Arzneimittelinteraktionen: Prinzipien, Beispiele und klinische Folgen. In: Dtsch Arztebl Int. Nr. 109(33-34), 2012, S. 546-56 (Übersichtsarbeit).

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