Des Vaters Erbe: Die männliche Seite der Pferdedomestikation

Neues aus der Forschung

Meldung vom 18.04.2018

Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 60 Millionen Pferde – 12 Millionen Hengste und 48 Millionen Stuten. Nahezu alle heute lebenden Hengste stammen von einem Hengst aus der Eisenzeit ab – wie eine internationale Studie unter Leitung des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und der Universität Potsdam jetzt erstmalig belegt. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht.


180421-0121_medium.jpg
 
Przewalskipferd
Wutke S, Sandoval-Castellanos E, Benecke N, Döhle HJ, Friederich S, Gonzalez J, Hofreiter M, Lõugas L, Magnell O, Malaspinas AS, Morales-Muniz A, Orlando L, Reissmann M, Trinks A, Ludwig A
Decline of genetic diversity in ancient domestic stallions in Europe
Science Advances
DOI: 10.1126/sciadv.aap9691


Ein internationales Wissenschaftsteam untersuchte die Domestikation des Pferdes aus Sicht der Hengste. Bereits bekannt war, dass es viele Stutenlinien, aber nur sehr wenige Hengstlinien in den modernen Pferden gibt, obgleich kürzlich gezeigt wurde, dass die Y-chromosomale Diversität bei Hauspferden bis zur Eisenzeit deutlich höher war. Bisher war unklar, wann und warum alle Hengstlinien bis auf eine verschwanden.

Die jetzt vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass das Verschwinden der meisten Hengstlinien auf künstliche Selektion zurückzuführen ist - zunächst in der Eisenzeit durch Nomaden der Eurasischen Steppe und später aufgrund der straff organisierten Tierzucht im Römischen Reich.

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Hengstlinien von Przewalski- und Hauspferd zumindest bis zum Beginn des Mittelalters (6.-7. Jahrhundert) parallel existierten, was in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen steht, die zeigen, dass zuerst das Przewalskipferd und später die Ahnen unserer modernen Hauspferde in den Haustierstand überführt wurden.

Schon bei Beginn der Domestikation setzten Pferdehalter auf gezielte Züchtung. Allerdings stand bis zur Eisenzeit (ca. 1.000 v. Chr.) die Zucht vor allem der Stuten im Vordergrund. In der Eisenzeit - während die heutige Hengstlinie ihre Dominanz in den europäischen Pferden erreichte - wurden Europa und angrenzende Gebiete in Asien und Nordafrika vom Römischen Reich regiert. Die Römer änderten die Zucht von Nutztieren grundlegend, indem sie die Zucht auf männliche Tiere (Hengste und Bullen) fokussierten. Zuchtziele lassen sich wesentlich leichter und schneller durch einen gezielten Einsatz individuell ausgesuchter Hengste erreichen. Schließlich sind Stuten durch die lange Tragezeit in der Zahl ihrer Nachkommen stark limitiert. Ein Hengst kann dagegen viele Nachkommen in relativ kurzer Zeit zeugen. Über die Zeit setzte sich eine Hengstlinie durch und dadurch verlor das Y-Chromosom der Hauspferde einen Großteil seiner genetischen Variabilität. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs wirkte die in dieser Zeit erfolgte Fixierung auf eine Hengstlinie bis in die heutige Zeit fort.


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 14 Meldungen

Meldung vom 17.05.2019

Echoortung von Fledermäusen - Exzellente Navigation mit wenig Information

LMU-Forscher widerlegen bisherige Annahmen über die Echoortung: Fledermäuse haben deutlich weniger räumlich ...

Meldung vom 17.05.2019

Neues Petersilien-Virus von Braunschweiger Forschern entdeckt space

Neues Petersilien-Virus kommt im Raum Braunschweig und anderen Teilen Deutschlands vor.

Meldung vom 16.05.2019

Bettgenosse gesucht: Wer war der erste Wirt der Bettwanzen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der kooperativen Leitung des TUD Biologen Prof. Klaus Rein ...

Meldung vom 15.05.2019

Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter

Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen.

Meldung vom 15.05.2019

Übersatte Bakterien machen den Menschen krank

SFB 1182-Forschungsteam schlägt in einer neuen Hypothese vor, dass Entzündungskrankheiten durch ein Nahrungs ...

Meldung vom 15.05.2019

Große Fragen zur Rolle mikroskopischen Lebens für unsere Zukunft

Wie Mikroorganismen die dynamische Entwicklung unserer Erde beeinflussen.

Meldung vom 15.05.2019

Wälder tragen weniger zum Klimaschutz bei als vermutet

Eine Studie mit Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL könnte ein Dämp ...

Meldung vom 15.05.2019

Ausgezirpt - Drastischer Biomasseverlust bei Zikaden in Deutschland

In der April- Ausgabe der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Landschaft ...

Meldung vom 14.05.2019

Relaisstation im Gehirn steuert unsere Bewegungen

Die Relaisstation des Gehirns, die Substantia nigra, beherbergt verschiedene Arten von Nervenzellen und ist f ...

Meldung vom 14.05.2019

Archaeopteryx bekommt Gesellschaft

Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der LMU München be ...

Meldung vom 14.05.2019

Geschlechtsreife Aale bauen ihre Knochen ab

Um zu ihren Fortpflanzungsgebieten zu gelangen, schwimmen Europäische Aale mehrere Tausend Kilometer auf die ...

Meldung vom 13.05.2019

Universität Stuttgart benennt neue Bärtierchen-Art: Milnesium inceptum entdeckt

Eine neue Bärtierchen-Art wurde von Dr. Ralph Schill vom Institut für Biomaterialien und biomolekulare Syste ...

Meldung vom 13.05.2019

Anglerinnen und Angler sorgen für Fischartenvielfalt im Baggersee

Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben zusammen mit Fischere ...

Meldung vom 09.05.2019

Wie Stammzellen ein Gehirn korrekter Größe und Zusammensetzung bauen

Im Laufe der Gehirnentwicklung erzeugen Stammzellen unterschiedliche Typen von Neuronen zu unterschiedlichen Z ...


03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
21.04.2018
Kenne Deinen Fisch!
21.04.2018
Leben ohne Altern
21.04.2018
Lebensraum Käse
21.04.2018
Domino im Urwald
21.04.2018
Trend-Hobby Imker
21.04.2018
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung