Misumenops nepenthicola

Misumenops nepenthicola
Systematik
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Thomisoidea
Familie: Krabbenspinnen (Thomisidae)
Gattung: Misumenops
Art: Misumenops nepenthicola
Wissenschaftlicher Name
Misumenops nepenthicola
(Pocock, 1898)

Misumenops nepenthicola ist eine Krabbenspinne (Thomisidae) aus Südostasien. Der Vorderkörper (Prosoma) ist hellrot, der Hinterkörper (Opisthosoma) ist dunkler rot. Beide Geschlechter erreichen eine Länge von etwa 6 mm. Die Art kommt auf Borneo und in Singapur vor.

Lebensweise

Distribution.misumenops.nepenthicola.1.png

Die Art lebt ausschließlich in Kannenpflanzen (Nepenthes sp.). Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass sich die Spinne ausschließlich in den Kannen direkt unterhalb des Randes aufhält und dort Insekten fängt, die von den von der Pflanze abgegebenen zuckerhaltigen Sekreten angelockt werden.[1]

Bei Untersuchungen mit spezieller Optik wurde jedoch festgestellt, dass M. nepenthicola auch in der Fangflüssigkeit jagt. Zur Atmung an die Wasseroberfläche kommende Mückenlarven werden dort mit den ersten Beinpaaren ergriffen, mit den ins Wasser hängenden Beinen herausgefangen oder tauchend erbeutet. Die Spinne versteckt sich bei Bedrohung in den Beuteresten am Boden der Kanne, jagt dort aber auch Mückenlarven, die sich dort zwischen den Beuteresten aufhalten. Die Beutereste werden von der Spinne mit den Beinen aufgewirbelt und die aufgescheuchten Mückenlarven dann gefangen. Schließlich nutzt die Spinne die Pflanze auch, um gefahrlos zu große und gefährliche Beutetiere wie große Weberameisen fressen zu können. Die Spinne registriert offenbar anhand der Vibrationen in die Fangflüssigkeit gefangene Weberameisen und deren Todeskampf bis zum Ertrinken. Nachdem die Ameise ertrunken und auf den Boden gesunken ist, wartet die Spinne etwa 10 Minuten. Dann taucht die Spinne in die Fangflüssigkeit und kehrt wenig später mit der Ameise in den Fangbeinen wieder an die Wasseroberfläche zurück. Dieses Verhalten ist auch insofern bemerkenswert, als dass die Spinne offensichtlich das nicht mehr sichtbare Beutetier im Gedächtnis behält.[2]

Um nicht wie die Beuteinsekten an den glatten Innenwänden der Kanne abzurutschen und in die Fangflüssigkeit zu fallen, errichtet die Spinne an den Innenwänden der Kanne ein Netz aus Sicherheitsfäden.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Joseph K. H. Koh: A Guide to Common Singapore Spiders. Singapur, 2000. online
  2. Stacey Doornenbal: Fishing spiders. Canterbury, Band 3 Heft 2, 2006: S. 13 Volltext als pdf

Literatur

  • Clarke, C.: Nepenthes of Borneo. Natural History Publications (Borneo), Kota Kinabalu, 1997: p. 39.
  • Heimer, S.: Wunderbare Welt der Spinnen. Urania-Verlag Leipzig. 1988. ISBN 3-332-00210-4

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.
27.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Neue Möglichkeiten: Topologie in der biologischen Forschung
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
27.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Viel mehr als Gehen
Jahrzehntelang dachte man, dass ein Schlüsselbereich des Gehirns lediglich das Gehen reguliert.
26.07.2021
Ökologie | Paläontologie
Uralte Haizähne geben Hinweis auf eine globale Klimakrise
Die stete Drift der Kontinente formt nicht nur Gebirgszüge, sondern hat auch großen Einfluss auf die Tierwelt im Meer.
26.07.2021
Anatomie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Bioinformatik
Wie tierische Sprinter enorme Spitzengeschwindigkeiten erreichen
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat ein physikalisches Modell entwickelt, um zu erforschen, von welchen Eigenschaften die maximale Laufgeschwindigkeit bei Tieren abhängig ist.
26.07.2021
Anthropologie | Zoologie | Ethologie
Hunde als „Gedankenleser“
Dass Hunde vielfach als der „beste Freund des Menschen“ bezeichnet werden, ist bekannt.
26.07.2021
Mikrobiologie | Genetik | Biochemie
RNA kontrolliert die Schutzhülle von Bakterien
Der Magenkeim Helicobacter pylori weiß, wie er sich gegen Angriffe des Immunsystems oder durch Antibiotika schützen kann.
22.07.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Alles ausgebucht am Meeresgrund
Ob Sommer oder Winter, ob Mitternachtssonne oder Polarnacht – auf dem Sand des Meeresbodens wohnen stets die gleichen Bakterien.
22.07.2021
Mykologie | Genetik | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Das Genom der Flechten ist verräterisch
Flechten können in unterschiedlichen Klimazonen verschiedene Naturstoffe produzieren die gebildeten Stoffe sind vor allem als Mittel gegen Krebs und andere Krankheiten bekannt.
21.07.2021
Ökologie
Mikroplastik in der Arktis
Rund um die Inselgruppe Svalbard (norwegisch für Spitzbergen) im arktischen Ozean stellen sogenannte Rhodolithe, aufgebaut aus kalkabscheidenden Rotalgen, ökologische Nischen für eine Vielzahl von Organismen zur Verfügung.
21.07.2021
Ethologie | Primatologie
Tödlicher Angriff von Schimpansen auf Gorillas beobachtet
Schimpansen sind in Ost- und Zentralafrika verbreitet und leben in einigen Gebieten, wie dem Loango-Nationalpark in Gabun, mit Gorillas gemeinsam im gleichen Habitat.
21.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Insektenkunde
Wüstenameise wird Vorbild für Laufroboter
Barbara Schlögl hat im Westfälischen Institut für Bionik der Hochschulabteilung Bocholt eine Doktorarbeit geschrieben, in der sie der Wüstenameise Cataglyphis deren Fähigkeit abgekuckt hat, sich im Raum zu orientieren.
21.07.2021
Biodiversität | Neobiota | Amphibien- und Reptilienkunde
Italienische Höhlensalamander in Deutschland?
Nicht-einheimische Arten zählen zu den Hauptproblemen für den Verlust der Artenvielfalt.
21.07.2021
Zoologie | Genetik | Ökologie
Wolf-Hund-Mischlinge sicher erkennen
Forschende haben eine neue Methode vorgestellt, die es erlaubt, Wolf-Hund-Hybriden anhand von Umweltproben, wie Kot, Haaren oder Speichelresten sicher zu erkennen.
21.07.2021
Anthropologie | Primatologie
Gebrauch von Steinwerkzeugen: Schimpansen leben vor der Steinzeit
Anders als frühe Menschenarten scheinen Schimpansen nicht in der Lage zu sein, spontan scharfe Steinwerkzeuge herzustellen und zu nutzen.
21.07.2021
Ökologie | Klimawandel | Video
Vermehrte Regenfälle im Sommer verändern den Kohlenstoffkreislauf in der Arktis
Arktische Flüsse transportieren durch dem Klimawandel mehr Nährstoffe und Kohlenstoff. das hat potenzielle Auswirkungen auf Wasserqualität, Nahrungsketten und freiwerdende Klimagase.
21.07.2021
Anthropologie | Genetik | Paläontologie
25.000 Jahre altes menschliches Umweltgenom wiederhergestellt
Uralte Sedimente aus Höhlen können DNA über Jahrtausende konservieren, aber deren Analyse wird dadurch erschwert, dass meist nur wenige Sequenzen aus den Sedimenten gewonnen werden können.