Meclozin

Strukturformel
Strukturformel von (RS)-Meclozin
(S)-Form (oben) und (R)-Form (unten), 1:1-Stereoisomerengemisch
Allgemeines
Freiname Meclozin
Andere Namen
  • Meclizin
  • (RS)-1-[(4-Chlorphenyl)-phenylmethyl]-4-[(3-methylphenyl)methyl]piperazin (IUPAC)
Summenformel
  • C25H27ClN2 [(RS)-Meclozin]
  • C25H27ClN2·2HCl [(RS)-Meclozin·Dihydrochlorid]
  • C25H27ClN2·2HCl·2H2O [(RS)-Meclozin·Dihydrochlorid·Monohydrat]
CAS-Nummer
  • 569-65-3 [(RS)-Meclozin]
  • 1104-22-9 [(RS)-Meclozin·Dihydrochlorid]
  • 31884-77-2 [(RS)-Meclozin·Dihydrochlorid·Monohydrat]
PubChem 4034
ATC-Code

R06AE05

DrugBank DB00737
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antihistaminika

Verschreibungspflichtig: ja
Eigenschaften
Molare Masse
  • 390,95 g·mol−1 [(RS)-Meclozin]
  • 463,88 g·mol−1 [(RS)-Meclozin·Dihydrochlorid]
  • 481,90 g·mol−1 [(RS)-Meclozin·Dihydrochlorid·Monohydrat]
Schmelzpunkt

206–216 °C unter Zersetzung (Racemat-Dihydrochlorid)[1]

Siedepunkt

230 °C[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Einstufung verfügbar

H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22
S: 36/37
LD50
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden


Meclozin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der systemischen Antihistaminika. Es wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen und ist erfahrungsgemäß auch während einer Schwangerschaft sicher anwendbar. Seit 2007 ist es in Deutschland jedoch nicht mehr im Handel (ehemaliger Handelsname: Postadoxin N®).

Synthese

Die Synthese von Meclozin geht vom (4-Chlorphenyl)-phenylmethanol aus, welches zunächst nach Halogenierung mittels Thionylchlorid und Reaktion mit Acetylpiperazin zu einer 4-Chlorphenylphenylpiperazinylmethan-Zwischenverbindung umgesetzt wird. Nach sauer Abspaltung der Acetylgruppe erfolgt eine N-Alkylierung am Piperazinring mit 3-Methylbenzylchlorid zum Zielmolekül.[6]

Meclozine synthesis 01.svg

Alternativ kann der letzte Syntheseschritt als reduktive N-Alkylierung am Piperazinring mit 3-Methylbenzaldehyd durchgeführt werden.[7][5]

Meclozine synthesis 02.svg

Bei der Synthese entsteht das Racemat. Für pharmazeutische Anwendungen wird die Verbindung in das Dihydrochlorid überführt.

Klinische Angaben

Meclozin wird verwendet gegen Übelkeit und Erbrechen, insbesondere bei Reisekrankheit und bei Schwangerschaftserbrechen.

Die Sicherheit für die Anwendung während einer Schwangerschaft ist gut belegt,[8] es gilt sogar bei Schwangerschaftserbrechen als Mittel der Wahl.[9][10] Als Alternative kommt unter anderem Doxylamin in Frage.

Pharmakologische Eigenschaften

Meclozin wirkt durch kompetitive Hemmung an Histamin-H1-Rezeptoren. Da es als Antihistaminikum der ersten Generation die Blut-Hirn-Schranke überwindet, wirkt es nicht nur antiemetisch, sondern macht auch müde.

Stereoisomerie

Meclozin enthält ein stereogenes Zentrum und ist chiral. Der Arzneistoff wird als Racemat [1:1-Gemisch aus (R)-1-[(4-Chlorphenyl)-phenylmethyl]-4-[(3-methylphenyl)methyl]piperazin und (S)-1-[(4-Chlorphenyl)-phenylmethyl]-4-[(3-methylphenyl)methyl]piperazin] eingesetzt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. M. Brandstätter-Kuhnert, R. Hoffmann, M. Senn: Thermo-Microscopic and Spectrophotometric Determination of Antihistamines and Related Compounds, in: Microchem. J., 1963, 7, S. 357–374.
  2. 2,0 2,1 2,2 Meclozin bei ChemIDplus.
  3. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  4. Datenblatt MECLOZINE HYDROCHLORIDE CRS beim EDQM, abgerufen am 17. September 2010.
  5. 5,0 5,1 5,2 A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances – Synthesis, Patents, Applications, 4. Auflage, Thieme 2001, ISBN 3-13-115134-X.
  6. J.-H. Fuhrkop, G. Li: Organic Synthesis - Concepts and Methods, Wiley-VCH 2003, S. 237, ISBN 978-3-527-30272-7.
  7. US 2 709 169 (UCB, 1955).
  8. Källén B, Mottet I: Delivery outcome after the use of meclozine in early pregnancy. In: European Journal of Epidemiology. 18, Nr. 7, 2003, S. 665–669. PMID 12952140. Abgerufen am 17. September 2010..
  9. http://www.arznei-telegramm.de/html/2009_10/0910087_01.html
  10. http://www.embryotox.de/meclozin.html.
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