Hintonia latiflora

Hintonia latiflora
Blüten von Hintonia latiflora

Blüten von Hintonia latiflora

Systematik
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)
Unterfamilie: Cinchonoideae
Tribus: Cinchoneae
Gattung: Hintonia
Art: Hintonia latiflora
Wissenschaftlicher Name
Hintonia latiflora
(Sessé et Moc. ex DC.) Bullock
Datei:Hintonia latiflora Blaetter.jpg
Blätter von Hintonia latiflora

Hintonia latiflora, volkstümlich als Copalchi oder Mexikanischer Fieberrindenbaum bezeichnet, ist eine Pflanzenart, die zu den Rötegewächsen (Rubiaceae) zählt und in weiten Teilen Zentral- und Südamerikas, vor allem in Mexiko und Guatemala, verbreitet ist.[1]. Die Verwendung in Teezubereitungen ist in ihrer Heimat bereits seit langem unter der indigenen Bevölkerung gebräuchlich und seit dem 19 Jahrhundert in Europa vor allem in Spanien und auch in Deutschland bekannt. In der Volksmedizin der Ursprungsländer besitzt Hintonia als Teegetränk eine lange Tradition.

Synonyme sind Portlandia pterosperma S.Watson und Coutarea pterosperma (S.Watson) Standl..

Beschreibung

Hintonia latiflora wächst in Form von Büschen oder kleiner Bäume von bis zu 5 m Höhe. Sie besitzt die für Rötegewächse charakteristischen Blätter und große weiße, duftende Blüten mit auffallender Trichterform. Die Blattstellung ist kreuzgegenständig, die Blätter sind oval bis elliptisch, 4 bis 12 cm lang und 2,5 bis 5 cm breit, an der Basis verschmälert und kurz gestielt. Der Blütenstand ist vielblütig, endständig, mit sechszähligen Blüten, der Kelchsaum sechsgeteilt mit lanzettlichen Zipfeln und einem zweifächerigen Fruchtknoten. Die Kapselfrucht ist rippig, kahl, mit zahlreichen Samen mit häutigen Flügeln in jedem Fach, die eine Länge von 2 bis 2,5 cm besitzen.[2][3]

Herkunft

Der natürliche Lebensraum von Hintonia latiflora sind tropische, saisonal trockene Laub- oder Dornwälder an Hängen der Sierra Madre Occidental. Getrocknete Rindenstücke zur Teezubereitung stammen aus kontrollierter Wildsammlung, Hauptlieferland ist Mexiko, darüber hinaus kommt die Pflanze in weiten Teilen Mittel- und Südamerikas vor.

Verfälschungen und Verwechslungen

Der etymologische Ursprung des Wortes „Copalchi“ stammt aus der Azteken-Sprache Nahuatl, wobei der Wortstamm „Copal“ allgemein für harzführende Rinden verschiedener Herkunft steht. So kennt die südamerikanische Volksheilkunde als „Copalchi“-liefernde Arten neben Hintonia latiflora auch Exostema caribaeum, Coutarea hexandra (beide aus der Familie der Rubiaceae) und Croton niveus. Letztere Art ist eine Euphorbiaceae, die ein deutlich unterschiedliches Muster an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen aufweist. Anderen Croton-Species wie z.B. Croton cajucata wird ein lebertoxisches Potenzial nachgesagt [4]. Verwechslungen von Hintonia mit Croton sind daher zu vermeiden. Da Hintoniarinde zumeist unter dem unspezifischen Namen Copalchi vermarktet wird, ist eine Herkunft des Pflanzenmaterials aus kontrollierter Sammlung vor dem Hintergrund der Verwechslungsmöglichkeit unerlässlich.

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe

Hintonia latiflora enthält in hoher Menge Polyphenole, hauptsächlich Neoflavone und deren Glykoside (z. B. Coutareagenin), Quercetin und Phenolcarbonsäuren [5][6][7][8][9][10].

Die Hintonia nachgesagte gesundheitsfördernde Wirkung wird mit den als starke Antioxidantien wirkenden Polyphenole (Bio-Flavonoide) in Verbindung gebracht. Flavonoide und andere Polyphenole schützen die Körperzellen vor freien Radikalen und verlangsamen die Zelloxidation. Mit der Nahrung zugeführte Polyphenole unterstützen bei regelmäßiger diätetischer Zufuhr wichtige Körperfunktionen wie zum Beispiel das Immunsystem [11][12]. Für die Neoflavone aus Hintonia, vor allem dem Coutareagenin, wurde experimentell ein positiver Effekt auf die physiologische Kontrolle des Blutzuckerhaushalts abgeleitet [13].

Verwendung

Die Verwendung von Hintonia als Nahrungsmittel in Form eines gesundheitsfördernden Getränks hat in den Herkunftsländern der Pflanze eine lange Tradition, wobei Hintonia-Tee eine Verbesserung von Gesundheit und Vitalität nachgesagt wird [10]. Zu diesem Zweck werden ca. 1 EL getrocknete Hintonia-Rinde mit einem Liter kochendem Wasser übergossen und nach ca. 5 Minuten über den Tag verteilt, vor allem nach den Mahlzeiten getrunken [7].

Hintonia latiflora findet in Mittel- und Südamerika sowohl als beliebtes Lebensmittel als auch als Heilmittel (Hausmittel) zur Fiebersenkung, als Stärkungsmittel und zur diätetischen Verbesserung des Blutzuckerhaushaltes Einsatz [10][14]. In Mexiko werden „Copalchi-Rinden“ zur Fiebersenkung bei Malaria, als Roborans sowie bei dyspeptischen Beschwerden verwendet [10][15]. Auch die Verwendung in Kräutertees in der Rekonvaleszenz oder allgemein als gesundheitsfördernde Maßnahme aufgrund der enthaltenen pflanzlichen Polyphenole ist weit verbreitet.

In Europa werden seit Anfang des 19. Jahrhundert Zubereitungen aus Hintonia latiflora als Tee zur Erhaltung der Gesundheit und unterstützend zur Stabilisierung physiologischer Blutzuckerwerte eingesetzt. Über die Hintonia-Pflanze und deren Zubereitungen liegt ein jahrhundertealtes Erfahrungswissen vor. In Deutschland ist die Verwendung schon vor mehr als 50 Jahren dokumentiert. Als Tagesgetränk für einen gesunden Zuckerstoffwechsel wird in Monographien das Trinken von mehreren Tassen Hintonia-Tee über den Tag verteilt empfohlen [16]. Der Effekt einer Hintoniazubereitung über die Grundeinstellung von Typ-II-Diabetikern hinaus wurde in einer unkontrollierten, offenen, monozentrischen klinischen Studie untersucht. Nach 18monatigem Einsatz waren alle Parameter der Blutzuckerkontrolle verbessert. Hintonia könnte damit in der Tat als diätetische Maßnahme zu einer Stabilisierung der diabetischen Grundeinstellung beitragen [17].

Einzelnachweise

  1. S. Noster, L. Kraus: Hintonia. In: W. Blaschek, S. Ebel, E. Hackenthal, U. Holzgrabe, K. Keller und J. Reichling: Hagers Handbuch der Drogenund Arzneipflanzen. HagerROM 2006; Springer Electronic Media
  2. A.A. Bullock. In: Hooker's Icones Plantarum. London, 3295 (1935)
  3. H. Kaiser, H. Geyer: Zur Pharmakognosie der Copalchi-Rinden. Arch. Pharm. 288/60(11-12): 253-271 (1955)
  4. M.C. Soares: Would Sacaca, Croton cajucara Benth (Euphorbiaceae) be an hepatotoxic plant like Germander, Teucrium chamaedrys L. (Labiatae)? Rev. Soc. Bras. Med. Trop. 37(Suppl 2): 96-97 (2004)
  5. R. Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen. Birkhäuser-Verlag Basel, Stuttgart (1990)
  6. H. Geyer: Beiträge zur Pharmakognosie, Chemie und Pharmakologie der Rinde von Coutarea latiflora D.C: und zur Kenntnis der Copalchi-Rinden. Dissertation, Universität Stuttgart (1955)
  7. 7,0 7,1 G. Rehrer: Untersuchung der Rinde von Coutarea latiflora DC (Rubiaceae) und anderer "Copalchi"-Rinden. Isolierung und Charakterisierung neuer Inhaltsstoffe. Dissertation, Universität Hamburg (1982)
  8. R. Mata, M.R. Camacho, E. Cervera, R. Byes, E. Linares: Secondary metabolites from Hintonia latiflora. Phytochemistry 29(6): 2037-2040 (1990
  9. W. Gerecke: Über einige Inhaltsstoffe von Coutarea latiflora und die Synthese des Luteolins. Dissertation, Universität Tübingen (1961)
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 S. Noster: Untersuchung der Copalchi-Rinden unter besonderer Berücksichtigung von Coutarea hexandra (Jacq.) Schum., Exostema carribaeum (Jacq.) Roem. & Schult., Exostema mexicanum Gray und Hintonia latiflora (Sessé & Moc. ex DC.) Bullock. Dissertation, Institut für angewandte Botanik und Pharmalognosie der Universität Hamburg (1992)
  11. A. Hässig, W.X. Liang, H. Schwabl, K. Stampfli: Flavonoids and tannins: plant-based antioxidants with vitamin character. Med. Hypotheses 52(5): 479-481 (1999)
  12. J.H. Yoon, S.J. Baek: Molecular Targets of Dietary Polyphenols with Anti-inflammatory Properties. Yonsei Med. J. 46(5): 585-596 (2005)
  13. R. Korec, K.H. Sensch, T. Zoukas: Effects of the neoflavonoid coutareagenin, one of the antidiabetic active substances of Hintonia latiflora, on streptozotocin-induced diabetes mellitus in rats. Arzneimittelforschung 50(2): 122-128 (2000)
  14. R. Paris, M. Bastien: A propos de l'action hypoglycémicante de deux drogues dénommées "Copalchi": Coutarea latoflora (Rubiacées) et Croton niveus (Euphorbiacées). Ann. Pharm. Fr. 18: 205-219 (1960)
  15. J. Martinez del Campo: Corteza de Jojutla (Coutarea latiflora). Anales des Instituto Medico Nacional de Mexico 6: 53-55 (1904)
  16. Hintonia. Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis (1993, 2001)
  17. Korecova, M., Hladicová, M., and Korec, R. (2006). Hintonia latoflora bei Typ-2-Diabetes. Klinische Langzeitstudie. Z. Phytother. 27 (6): 272-278 doi:10.1055/s-2007-967719

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