Gürtelgrasfink

Gürtelgrasfink
Melanodera melanodera melanodera.jpg

Gürtelgrasfink (Poephila cincta)

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Prachtfinken
Gattung: Grasfinken
Art: Gürtelgrasfink
Wissenschaftlicher Name
Poephila cincta
(Gould, 1837)

Der Gürtelgrasfink (Poephila cincta), auch Gürtelamadine oder Bartfink genannt, ist eine Vogelart aus der Familie der Prachtfinken. Sie wird der Gattung der Grasfinken zugeordnet und zählt zur Fauna Australiens. Sie kommt dort im Norden und Nordosten des australischen Kontinents vor. Die Spitzschwanzamadine, die ihr sehr ähnelt, ist eng mit dieser Art verwandt und bildet gemeinsam mit ihr eine Superspezies.[1][2] Es werden mehrere Unterarten unterschieden.

Beschreibung

Gürtelgrasfinken erreichen eine Körperlänge bis zu 11 Zentimeter. Sie haben einen dunklen, spitzen Schnabel, eine auffällige schwarze Kehle, schwarze Augenzüge und einen hellgrau gefiederten Kopf. Die Körperunterseite ist rehbraun gefiedert. Im Vergleich zur Spitzschwanzamadine sind die mittleren Schwanzfedern sehr viel weniger stark verlängert und laufen nur in kurzen Spitzen aus. Die Augen sind braun und der Schnabel ist schwarz.

Die Jungvögel sind düsterer und matter gefärbt als adulte Vögel.

Verbreitung und Lebensweise

Poephila cincta -Baltimore Aquarium, Baltimore, Maryland, USA-8a.jpg

Der Gürtelgrasfink kam ursprünglich vom äußersten Nordosten Australiens, dem Kap York, bis zum äußersten Norden von New South Wales vor. Dieses ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist mittlerweile auf ein Drittel des ursprünglichen Areals geschrumpft. Die Nominatform gilt sogar als stark gefährdet. Als Ursache des Bestandsrückgangs gilt der Verlust von Nahrungsgrundlagen durch die intensive Schafhaltung und durch die Nahrungskonkurrenz durch die eingeführten Kaninchen.[3]

Der Gürtelgrasfink bewohnt bevorzugt offene Savannenlandschaften, in denen wenige, aber hohe Eukalyptusbäume vorkommen und die einen dichten Grasunterwuchs aufweisen. Ähnlich wie die Spitzschwanzamadine entfernt sich der Gürtelgrasfink niemals weit vom Wasser und nutzt in Küstenregionen auch ausgedehnte Bestände von Schraubenbäumen. Der Gürtelgrasfink meidet die unmittelbare Nähe von Menschen und hält sich von Siedlungen und dichter besiedelten Regionen fern. Die Nahrung sind überwiegend Grassamen und andere kleine Sämereien. Ungewöhnlich bei dem Gürtelgrasfink ist eine Bewegungsweise, die außer der Spitzschwanzamadine bei keiner anderen Prachtfinkenart zu beobachten ist. Nach jeder Landung bewegen sie ihren Kopf senkrecht auf und ab, wobei der Schnabel parallel zum Erdboden gehalten wird. Da beide Arten keine Schwanzbewegungen aufweisen, ist es möglich, dass sich dieses Kopfnicken aus einer Gleichgewichtsbewegung heraus entwickelte.[4]

Die Brutzeit fällt in die zweite Hälfte der Regenzeit und damit in die Monate Januar bis Mai. Gürtelgrasfinken sind Freibrüter. Für den Nistbau verwenden sie Gräser, Pflanzenwolle, Moos, Federn und Pflanzenfasern. Das Nest besteht aus bis zu 1.200 Halmen. Das Weibchen legt zwischen fünf und neun Eier. Der Brutbeginn ist vom 4. Ei an, beide Elternvögel brüten. Die Brutdauer beträgt etwa 20 Tage.

Haltung als Ziervogel

Gürtelgrasfinken wurden 1861 das erste Mal nach London und 1869 durch Carl Hagenbeck nach Deutschland importiert. Seitdem sind sie, von der Unterbrechung durch die beiden Weltkriege und die Nachkriegsjahre abgesehen, immer im Handel gewesen. Sie wurden jedoch immer seltener gehandelt als die Spitzschwanzamadine.[5]

Gürtelgrasfinken werden in Europa häufig als Ziervögel gehalten. Sie benötigen einen großen Käfig beziehungsweise eine Voliere mit Außenanteil. Während der Brutzeit müssen sie einzeln gehalten werden, da sie gegenüber anderen Prachtfinken zu Aggressionen neigen.

Belege

Literatur

  • Horst Bielfeld: 300 Ziervögel kennen und pflegen. Ulmer Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8001-5737-2.
  • Jürgen Nicolai (Hrsg), Joachim Steinbacher (Hrsg), Renate van den Elzen, Gerhard Hofmann: Prachtfinken - Australien, Ozeanien, Südostasien. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3249-4.
  • Peter Clement, Alan Harris, John Davis: Finches and Sparrows – An Identification Guide. Christopher Helm, London 1993, ISBN 0-7136-8017-2.

Weblinks

 Commons: Poephila cincta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelbelege

  1. Nicolai et al., S. 110
  2. Nicolai et al., S. 102
  3. Nicolai et al., S. 110
  4. Nicolai et al., S. 103
  5. Nicolai et al., S. 112 und S. 111

Die News der letzten Tage

29.09.2022
Physiologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Algen als mikroskopische Bioraffinerien
Fossile Rohstoffe sind begrenzt und nicht überall auf der Welt vorhanden oder dem Abbau zugänglich.
29.09.2022
Mikrobiologie | Physiologie
Neue Bakterienart im Darm entdeckt
Ob Pflanze, Tier oder Mensch, lebende Organismen sind von einer Vielzahl an Bakterien besiedelt.
28.09.2022
Genetik | Paläontologie | Evolution | Säugetierkunde
Genom-Zusammensetzung des frühesten gemeinsamen Vorfahren aller Säugetiere rekonstruiert
Das rekonstruierte Vorfahren-Genom kann zum Verständnis der Evolution der Säugetiere und zum Erhalt der heutigen Wildtiere beitragen.
27.09.2022
Genetik | Immunologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Thema Ernährungssicherheit: Struktur von Weizen-Immunprotein entschlüsselt
Ein internationales Forschungsteam hat entschlüsselt, wie Weizen sich vor einem tödlichen Krankheitserreger schützt.
26.09.2022
Ethologie
Neues von den gruppenlebenden Tieren: Hilfsbereitschaft und Familienbande
Die Bereitschaft, Artgenossen zu helfen, unterscheidet sich von Tierart zu Tierart – und auch zwischen Männchen und Weibchen.
26.09.2022
Anthropologie | Paläontologie | Klimawandel
Evolution des Menschen: Klimaschwankungen in Ostafrika ein Motor
Interdisziplinäre Forschung in Südäthiopien zeigt, wie Schlüsselphasen des Klimawandels die menschliche Evolution beinflusste.
26.09.2022
Ökologie | Klimawandel | Meeresbiologie
Schritthalten mit dem Klimawandel?
Die für die Nahrungsnetze der Ozeane wichtigen Copepoden können sich genetisch an wärmere und saurere Meere anpassen.
26.09.2022
Anthropologie | Mikrobiologie | Physiologie
Mehr als nur Bauchgefühl
Die Strömungsgeschwindigkeit in unserem Verdauungssystem bestimmt unmittelbar, wie gut die Nährstoffe vom Darm aufgenommen werden und wie viele Bakterien darin leben.
26.09.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Mehrjährige Blühstreifen in Kombination mit Hecken: das gefällt unseren Wildbienen
Landwirtinnen und Landwirte sollten ein Netzwerk aus mehrjährigen Blühstreifen in Kombination mit Hecken schaffen, um Wildbienen ein kontinuierliches Blütenangebot zu bieten.