Handveredelung

(Weitergeleitet von Freilandveredelung)
Austrieb nach einer Veredelung

Handveredelung, auch Tischveredelung oder Zimmerveredelung, ist das Veredeln von Pflanzen an ausgegrabenen Unterlagen.

Wortverwendung

Um Missverständnissen vorzubeugen, müsste das Handveredeln eigentlich „Veredeln in der Hand“[1] heißen, denn die meisten Veredelungsverfahren werden noch immer händisch durchgeführt. Es wäre nicht falsch, wenn man unter Handveredelung händisches Veredeln verstünde, also mit dem Begriff die Handarbeit bezeichnete. Dies wäre ein Gegensatz zum maschinellen Veredeln im Weinbau gebräuchlich. In der Fachsprache der Gärtner und Landwirte wird unter „Handveredelung“ jedoch ausschließlich das hier beschriebene Verfahren verstanden.

Vorteile der Handveredelung

Handveredelung ist ein Verfahren, mit dem Pflanzen im Innenraum bearbeitet werden, im Gegensatz zur Freilandveredelung. Dabei kann im tiefen Winter bei für die Gärtner angenehmen Arbeitsverhältnissen veredelt werden. Die veredelte Pflanze wird erst später ins Freiland gesetzt.

Angewendet wird es vor allem im professionellen Baumschulbetrieb und in der Landwirtschaft. Mit Winterhandveredelung kann in Pflanzenbetrieben die sonst „tote Saison“ des tiefsten Winters zum Veredeln, und die dafür sonst übliche Zeit (zeitiges Frühjahr, vor dem Austrieb) für andere Arbeiten genutzt werden. Auch kann das erfolgreiche Anwachsen abgewartet werden.

Technik

Im Spätherbst oder im Winter – bei offenem Wetter, wenn der Boden nicht gefroren ist – werden die Unterlagen gerodet (ausgegraben), die Wurzeln bis zur Hälfte zurückgeschnitten und in feuchter Erde eingeschlagen. So vor dem Austrocknen geschützt, werden die Unterlagen in einem kühlen, jedoch frostfreien Raum (meist Kühlhallen) gelagert.

Zur Veredelung werden die Unterlagen wieder von der Erde befreit und mit nackter Wurzel mit der jeweils gewählten Methode (im professionellen Betrieb derzeit fast ausschließlich Kopulation, oder Geißfußpfropfen) veredelt. Die veredelte Pflanze wird dann verkehrt gehalten, und mit dem oberen Teil bis hinter die Veredelungsstelle in Rebveredelungswachs getaucht. Danach werden die Pflanzen wieder in feuchte Erde eingeschlagen und bis zum Frühling im Kühlraum gelagert. Sind keine größeren Fröste mehr zu erwarten, kann mit der Auspflanzung im Freiland begonnen werden.

Freilandveredelung

Datei:Veredelung.jpg
Gärtnerin veredelt einen Obstbaum im Freiland einer Baumschule

Das Gegenstück zur Handveredelung ist die klassische Freilandveredelung: Bei dieser veredelt man im Freiland im Boden wurzelnde Unterlagspflanzen direkt vor Ort.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Handveredelung. In: Garten-Glossar. Tinas Garten, abgerufen am 2. April 2008.

Die News der letzten Tage

29.06.2022
Genetik | Evolution | Insektenkunde
Enzym bakteriellen Ursprungs förderte die Evolution der Bockkäfer
Genduplikationen erhöhte die Vielfalt und Spezifität der Enzyme, die es Larven von Bockkäfern ermöglichen, wichtige Holzbestandteile abzubauen.
28.06.2022
Mikrobiologie | Biochemie
Wie Darmbakterien im Menschen gedeihen
Ein Forschungsteam in Tübingen hat bedeutende Fortschritte erzielt in der Frage, wie Bakterien im menschlichen Darm gedeihen.
27.06.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen finden sich in virtuellen Umgebungen zurecht
Mit Hilfe von Touchscreens durchquerten sechs Schimpansen aus dem Zoo Leipzig eine virtuelle Landschaft um zu einem weit entfernten Baum zu gelangen, unter dem sie verschiedene Früchte fanden.
27.06.2022
Ökologie | Vogelkunde
Schneller Rückgang der Geier-Bestände in Afrika: Schutzgebiete zu klein
Geier erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen, da sie die Landschaft von Kadavern befreien und so beispielsweise die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten begrenzen.
27.06.2022
Genetik | Biochemie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Genome zeigen verstecktes Potential der Flechten
Flechten bilden unter anderem Stoffe mit biotischer Wirkung, die für die Pharmazie von großem Interesse sind - sogenannte sekundäre Flechtenstoffe.
22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Ozean als Quelle für Naturstoffe angezapft
Forschende entdecken im Meerwasser anhand von DNA-​Daten nicht nur neue Bakterienarten, sondern auch unbekannte Naturstoffe, die dereinst nützlich sein könnten.
22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Insektenkunde
Forschung mit Biss
Wie stark können Insekten zubeißen?
21.06.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Algenmatten im Mittelmeer als Zufluchtsort für viele Tiere
Marine Ökosysteme verändern sich durch den Klimawandel, auch im Mittelmeer.
21.06.2022
Taxonomie | Meeresbiologie
Korallengärten auf der „Mauretanischen Mauer“ entdeckt
Wissenschaftler*innen haben eine neue Korallenart entdeckt: Die Oktokoralle Swiftia phaeton wurde auf der weltweit größten Tiefwasserkorallenhügelkette gefunden.
20.06.2022
Genetik | Insektenkunde
Was ein Teebeutel über das Insektensterben erzählen kann
Man kennt die Szenerie aus TV-Krimis: Nach einem Verbrechen sucht die Spurensicherung der Kripo bis in den letzten Winkel eines Tatorts nach DNA des Täters.
20.06.2022
Mikrobiologie | Physiologie | Primatologie
Darmflora freilebender Assammakaken wird im Alter einzigartiger
Der Prozess ist vermutlich Teil des natürlichen Alterns und nicht auf eine veränderte Lebensweise zurückzuführen.
20.06.2022
Botanik | Evolution
Das Ergrünen des Landes
Ein Forschungsteam hat den aktuellen Forschungsstand zum Landgang der Pflanzen, der vor rund 500 Millionen Jahren stattfand, untersucht.
17.06.2022
Anatomie | Entwicklungsbiologie
Das Navi im Spermienschwanz
Nur etwa ein Dutzend der Millionen von Spermien schaffen den langen Weg durch den Eileiter bis zur Eizelle.
15.06.2022
Botanik | Klimawandel
Trotz Klimawandel: Keine Verschiebung der Baumgrenze
Die Lebensbedingungen für Wälder in Höhenlagen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten infolge des Klimawandels signifikant verändert.