Fomepizol

Strukturformel
Struktur von Fomepizol
Allgemeines
Freiname Fomepizol
Andere Namen
  • IUPAC: 4-Methylpyrazol
  • Latein: Fomepizolum
Summenformel C4H6N2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 7554-65-6
PubChem 3406
DrugBank DB01213
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 865: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 865: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

V03AB34

Wirkstoffklasse

Antidot

Wirkmechanismus

kompetitive Hemmung der Alkoholdehydrogenase

Eigenschaften
Molare Masse 82,10 g·mol−1
Dichte

0,99 g·cm−3 (bei 20 °C)[1]

Schmelzpunkt

15,5–18,5 °C[2]

Siedepunkt

204–205 °C (97,3 kPa)[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​305+351+338 [3]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Fomepizol ist ein Gegengift (Antidot), das zur Behandlung von akuten Vergiftungen (Intoxikationen) mit Ethylenglycol verwendet wird.

Wirkungsweise

Fomepizol ist ein kompetitiver Hemmstoff der Alkoholdehydrogenase. Die Alkoholdehydrogenase (ADH) ist ein Enzym, das die Reaktion von Alkoholen zu den entsprechenden Aldehyden, als auch die Rückreaktion katalysiert. In alkoholischen Getränken enthaltener Alkohol (Ethanol) wird mit Hilfe von Alkoholdehydrogenase zu Acetaldehyd abgebaut. Andere Alkohole werden durch Alkoholdehydrogenase dagegen in giftige Abbauprodukte verwandelt: Methanol zu Formaldehyd, Ethylenglycol zu Glycolaldehyd, Propylenglycol zu Lactaldehyd und Isopropanol zu Aceton. Die Affinität von Fomepizol zur Alkoholdehydrogenase ist im Vergleich zu Ethanol etwa 500 bis 1000-mal höher. Daher kann die Alkoholdehydrogenase durch Fomepizol bei erheblich niedrigeren Konzentrationen komplett gehemmt werden. Obwohl Fomepizol auch bei oraler Einnahme wirksam ist, ist es zum Einsatz in der Medizin nur in Form einer parenteralen Infusionslösung zugelassen,[5] da die Dosierung so besser steuerbar ist. Außerdem kann Fomepizol auf diese Weise auch bewußtlosen Patienten gegeben werden.

Eigenschaften

Fomepizol hat ein Verteilungsvolumen von 0,6–1,0 l/kg. Die Proteinbindung ist gering. Fomepizol wird durch Abbau in der Leber (hepatische Metabolisierung) und Ausscheidung über die Nieren (renale Exkretion) entfernt.

Anwendung

Laut Fachinformation ist Fomepizol in Deutschland nur zur Behandlung der akuten Intoxikation durch Ethylenglycol zugelassen. In den USA besteht zusätzlich eine Zulassung zur Behandlung der Intoxikation mit Methanol. Außerhalb der Zulassung wurde Fomepizol auch zur Behandlung der Intoxikation mit Diethylenglycol eingesetzt (Off-Label-Use). Fomepizol wird durch Dialyse entfernt. Bei gleichzeitiger Dialysebehandlung ist daher eine Anpassung der Dosis erforderlich. In Tschechien wurde Fomepizol bei Methanolvergiftung erfolgreich eingesetzt.[6]

Bewertung

Vorteile von Fomepizol (im Vergleich zur Behandlung mit Ethanol als Antidot) sind:

  • die hohe Affinität zur Alkoholdehydrogenase,
  • die Wirksamkeit bereits bei geringen Serum-Konzentrationen,
  • nur minimale Nebenwirkungen,
  • kein Effekt auf die mentale Aktivität, was die Beurteilung des klinischen Verlaufs erleichtert,
  • eine Überwachung (Monitoring) der Blutspiegel ist nicht erforderlich,
  • eine Behandlung auf Intensivstation ist nicht zwingend erforderlich,
  • die Serum-Osmolalität wird nicht beeinflusst, so dass diese zur Überwachung der Konzentration toxischer Alkohol-Spiegel eingesetzt werden kann.

Nachteile von Fomepizol sind,

  • dass es nicht überall sofort zum Einsatz vorhanden ist,
  • der hohe Preis (945 € für 5 x 20 ml),
  • dass es nur in einer intravenösen Zubereitung erhältlich ist,
  • dass es in Deutschland formal nur zur Behandlung der Ethylenglycol-Intoxikation, nicht aber zur Behandlung von Intoxikationen mit anderen Alkoholen zugelassen ist.

Literatur

  • Kraut, Jeffrey A., Kurtz, Ira: Toxic Alcohol Ingestions: Clinical Features, Diagnosis, and Management. In: Clin J Am Soc Nephrol. Nr. 3, 2008, S. 208–225 (Abstract).

Einzelnachweise

  1. Datenblatt Fomepizol bei AlfaAesar (PDF) (JavaScript erforderlich).
  2. 2,0 2,1 The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; ISBN 978-0-911910-00-1.
  3. 3,0 3,1 3,2 Datenblatt Fomepizole bei Sigma-Aldrich (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Abruf nicht angegeben
  4. Eintrag zu Fomepizol in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  5. Battistella M: Fomepizole as an antidote for ethylene glycol poisoning. In: Ann Pharmacother. 36. Jahrgang, Nr. 6, Juni 2002, S. 1085–1089, PMID 12022913.
  6. Rob Cameron: Norwegian doctor brings hope - and antidote - to methanol poison victims. Radio Prague, 14. September 2012, abgerufen am 15. September 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 149: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Handelsnamen

Antizol (CDN, USA), Fomepizole OPi (D)

Die News der letzten Tage

06.12.2022
Biodiversität | Ökologie
Es geht ums Ganze beim Erhalt der biologischen Vielfalt
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität sowie Kolleginnen und Kollegen haben eine Liste konkreter Handlungen zum aktiven Schutz der biologischen Vielfalt vorgelegt.
05.12.2022
Botanik | Ökologie
Wie das Mikrobiom der Pflanzen mit dem Samen vererbt wird
Erst kürzlich konnten Forschende experimentell nachweisen, dass über den Samen Mikroorganismen von einer Pflanzengeneration zur nächsten vererbt werden.
05.12.2022
Biochemie | Bioinformatik | Mikrobiologie
Wie man zwei Milliarden Jahre zurückgeht und ein altes Enzym rekonstruiert
Forscher:innen der Universität Leipzig haben ein Rätsel in der Evolution von bakteriellen Enzymen gelöst.
02.12.2022
Ethologie | Säugetierkunde
Markierungsbäume von Geparden sind Hotspots der Kommunikation – auch für andere Tierarten
Markierungsbäume sind für Geparde wichtige Hotspots der Kommunikation: Dort tauschen sie über Duftmarken, Urin und Kot Informationen mit anderen und über andere Geparde aus.
02.12.2022
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
DBU: Weltbodentag am 5. Dezember
Mittlerweile leben acht Milliarden Menschen auf der Welt und Ernährungssicherung wird zu einer dringendsten Herausforderungen unserer Zeit.
01.12.2022
Physiologie
Altern Frauen anders als Männer?
Studien an Fruchtfliegen zeigen, wie das biologische Geschlecht die Wirkung des derzeit vielversprechendsten Anti-Aging-Medikaments Rapamycin beeinflusst.
29.11.2022
Ethologie | Zoologie
Geschlechterrollen im Tierreich hängen vom Verhältnis von Weibchen und Männchen ab
Wie wählerisch sollten Weibchen und Männchen sein, wenn sie einen Partner auswählen?
28.11.2022
Ökologie | Paläontologie | Säugetierkunde
Fossil aus dem Allgäu: Biber leben seit mehr als 11 Millionen Jahren im Familen-Clan
Die Hammerschmiede im Allgäu, Fundstelle des Menschenaffen Danuvius, ist eine einmalige Fundgrube für Paläontologen: Bereits über 140 fossile Wirbeltierarten konnten hier geborgen werden.
28.11.2022
Anthropologie | Neurobiologie
Arbeitsgedächtnis: Vorbereitung auf das Unbekannte
Beim Arbeitsgedächtnis, oder auch Kurzeitgedächtnis genannt, galt lange die Theorie, dass seine Kernaufgabe die aktive Speicherung von Informationen über einen kurzen Zeitraum ist.
28.11.2022
Meeresbiologie | Ökologie
Offshore-Windparks verändern marine Ökosysteme
Der Ausbau von Offshore-Windparks in der Nordsee geht voran, doch die Konsequenzen für die marine Umwelt, in der sie errichtet werden, sind noch nicht vollständig erforscht.
25.11.2022
Evolution | Genetik | Neurobiologie
Was haben Oktopus und Mensch gemeinsam?
Kopffüßler sind hochintelligente Tiere mit komplexem Nervensystem, dessen Evolution mit der Entwicklung von auffällig viel neuer microRNA verbunden ist.