Eomanis

Eomanis
Fossil von Eomanis waldi

Fossil von Eomanis waldi

Zeitraum
Mittleres Eozän bis Spätpleistozän
50 bis 45 Mio. Jahre
Fundorte

Deutschland (Grube Messel, Geiseltal)

Systematik
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Laurasiatheria
Pholidota
Schuppentiere (Manidae)
Eomanis
Wissenschaftlicher Name
Eomanis
Storch, 1978

Eomanis ist ein ausgestorbenes Säugetier und ist der älteste unzweifelhafte Vertreter der Schuppentiere (Manidae), von denen bis heute acht Arten in Afrika und Asien leben.

Eomanis erreichte eine Länge von rund 50 Zentimetern und glich stark den heutigen Schuppentieren. Sein Körper war mit Hornschuppen bedeckt, die Vorderfüße trugen Grabkrallen. Der Schädel war sehr einfach gebaut, der Kiefer langgestreckt, die Zähne fehlten. Sogar der Mageninhalt blieb erhalten, dieser bestand erstaunlicherweise vorwiegend aus Pflanzenmaterial. Dies ist deshalb erstaunlich, da die heutigen Schuppentiere sich ausschließlich von Insekten ernähren und die körperlichen Merkmale als Anpassungen an diese Ernährungsweise gedeutet wurden.

Die fossilen Überreste von Eomanis stammen aus der Grube Messel in Deutschland und werden in das mittlere Eozän auf ein Alter von 50 bis 45 Millionen Jahre datiert. Es sind zwei Arten bekannt, Eomanis waldi und E. krebsi, die beide von Gerhard Storch erstbeschrieben wurden.

Es besteht eine systematische Kontroverse, ob Eomanis mit dem ebenfalls in der Grube Messel entdeckten Eurotamandua verwandt ist. Eurotamandua wurde von seinem Erstbeschreiber, ebenfalls Gerhard Storch, als Vertreter der Ameisenbären identifiziert – es ist der einzige europäische Vertreter dieser sonst nur aus Südamerika bekannten Tiergruppe. Manche Untersuchungen sehen Eurotamandua als identisch mit Eomanis [1], dem wird vom Entdecker beider Fossilien, Gerhard Storch, und seinen Mitarbeitern widersprochen, sie weisen auf bedeutende Unterschiede der Knochen hin.[2]. Diese Kontroverse wird auch dadurch bedingt, dass Schuppentiere und Ameisenbären große Ähnlichkeiten im Körperbau aufweisen und lange für nahe miteinander verwandt gehalten wurden. Erst durch jüngere, molekulargenetische Untersuchungen wurde festgestellt, dass diese Ähnlichkeit lediglich auf Konvergenz beruht.

Literatur

  • T. S. Kemp: The Origin & Evolution of Mammals. Oxford University Press, Oxford 2005. ISBN 0-19-850761-5
  • Gerhard Storch: Pholidota, Schuppentiere, Tannenzapfentiere. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart u. a. 2003, ISBN 3-8274-0900-4, S. 510–514.
  1. F. S. Szalay, F. Schrenk: The middle Eocene Eurotamandua and a Darwinian phylogenetic analysis Kaupia 7, 1998; Seiten 97-186
  2. Inés Horovitz, Gerhard Storch, Thomas Martin: Ankle structure in Eocene pholidotan mammal Eomanis krebsi and its taxonomic implications. Acta Palaeontologica Polonica 50 (3), 2005; 545-548

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