Elefantenspitzmäuse


Elefantenspitzmäuse

Trockenland-Elefantenspitzmaus (Elephantulus intufi), im Hintergrund eine Plattgürtelechse (Platysaurus intermedius)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Afrotheria
Ordnung: Rüsselspringer (Macroscelidea)
Familie: Rüsselspringer (Macroscelididae)
Gattung: Elefantenspitzmäuse
Wissenschaftlicher Name
Elephantulus
Thomas & Schwann, 1906

Die Elefantenspitzmäuse - auch unter dem Namen Rüsselmaus bekannt - (Elephantulus, engl: Elephant shrew oder sengi) sind eine Säugetiergattung aus der Familie der Rüsselspringer (Macroscelididae). Mit den Spitzmäusen aus der Ordnung der Insektenfresser sind sie nicht verwandt. Die zehn Arten dieser Gattung leben in Afrika.

Beschreibung

Elefantenspitzmäuse gehören zu den kleinsten Vertretern ihrer Familie, sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 9 bis 15 Zentimetern, ihr Schwanz wird 8 bis 17 Zentimeter lang und ihr Gewicht beträgt 25 bis 60 Gramm. Ihr Fell ist weich, seine Färbung variiert von gelbgrau bis rötlichbraun, wobei die Unterseite heller, meist weißlich oder hellgrau ist. Die Schnauze ist wie bei allen Rüsselspringern lang und beweglich, charakteristisch für diese Gattung sind die relativ langen Ohren.

Lebensraum und Verbreitung

Elefantenspitzmäuse leben in Afrika, neun der zehn Arten sind im Osten und Süden des Erdteils zu finden, die Nordafrikanische Elefantenspitzmaus lebt als einziger Vertreter ihrer Familie im Norden des Kontinents. Sie bewohnen eine Reihe von Habitaten, wie Steppen, Savannen und Halbwüsten, fehlen aber in dichten Wäldern. Meist findet man sie in felsigem Terrain.

Lebensweise

Als Unterschlupf dienen den Elefantenspitzmäusen Felsspalten oder kleine Höhlen, selten graben sie eigene Baue, eher verwenden sie die Baue anderer Tiere, meist von Nagetieren. Sie errichten Trampelpfade vom Bau zu den Futterplätzen, um schneller vorwärts zu kommen. Diese Tiere sind eher tagaktiv, wenn Fressfeinde übermäßig vorhanden sind, verlegen sie ihre Aktivitäten in die Dämmerung. Sie leben meist in Paaren, manchmal auch einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen. Es sind territoriale Tiere, die ihre Reviergrenzen mit dem Sekret einer Duftdrüse markieren. Bei Paaren vertreibt jedes Tier die Eindringlinge des eigenen Geschlechts.

Die Nahrung der Elefantenspitzmäuse besteht fast ausschließlich aus Insekten wie Ameisen und Termiten.

Fortpflanzung

In heißeren Regionen gibt es keine feste Paarungszeit und es kann mehrere Würfe pro Jahr geben. In kühleren Regionen findet die Geburt in den wärmeren Monaten statt. Die Tragzeit beträgt rund 57 bis 75 Tage, die Wurfgröße meist eins oder zwei. Die Jungtiere sind Nestflüchter und werden bereits mit 25 Tagen entwöhnt. Mit 50 Tagen sind sie geschlechtsreif und werden vom Territorium der Eltern vertrieben. Die Lebenserwartung beträgt in freier Natur oft nur ein bis zwei Jahre, das höchste bekannte Alter eines Tieres in menschlicher Obhut betrug knapp neun Jahre.

Elefantenspitzmäuse und Menschen

Manche Forscher identifizieren den Kopf des Gottes Seth mit der Nordafrikanischen Elefantenspitzmaus

Die Nordafrikanische Elefantenspitzmaus könnte Pate für den Kopf des altägyptischen Gottes Seth gestanden sein, was auf eine früher größere Verbreitung der Art hindeutet. Heutzutage sind die Elefantenspitzmäuse durch die Verringerung ihres Lebensraumes bedroht, eine Art, die Somali-Elefantenspitzmaus, wird von der IUCN als bedroht gelistet.

Die Arten

Es werden elf Arten unterschieden:

  • Die Kurznasen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus brachyrhynchus) ist von Kenia bis Nord-Namibia und dem nördlichen Südafrika verbreitet.
  • Die Kap-Elefantenspitzmaus (Elephantulus edwardii) bewohnt die Kapprovinz im westlichen Südafrika.
  • Die Schwarzfuß-Elefantenspitzmaus (Elephantulus fuscipes) lebt im Südsudan, im Norden der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda.
  • Die Dunkle Elefantenspitzmaus (Elephantulus fuscus) ist in Sambia, Malawi und Mosambik beheimatet.
  • Die Trockenland-Elefantenspitzmaus (Elephantulus intufi) bewohnt Angola, Namibia, Botswana und das nördliche Südafrika.
  • Die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus myurus) lebt in Mosambik, Simbabwe, Botswana und im östlichen Südafrika.
  • Elephantulus pilicaudus kommt in Südafrika vor.
  • Die Somali-Elefantenspitzmaus (Elephantulus revoili) ist in einem kleinen Gebiet im nördlichen Somalia endemisch. Die Art gilt als bedroht.
  • Die Nordafrikanische Elefantenspitzmaus (Elephantulus rozeti) lebt als einzige Art in Nordafrika, sie ist von Marokko bis Libyen verbreitet.
  • Die Rote Elefantenspitzmaus (Elephantulus rufescens) ist vom Südsudan und Somalia bis Tansania verbreitet.
  • Die Westliche Klippen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus rupestris) bewohnt Namibia und die südafrikanische Kapprovinz.

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9

Weblinks

Commons: Elephantulus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Die News der letzten Tage

27.01.2023
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Neobiota | Ökologie
Auswirkungen von fremden Baumarten auf die biologische Vielfalt
Nicht-einheimische Waldbaumarten können die heimische Artenvielfalt verringern, wenn sie in einheitlichen Beständen angepflanzt sind.
27.01.2023
Biochemie | Botanik | Physiologie
Wie stellen Pflanzen scharfe Substanzen her?
Wissenschaftler*innen haben das entscheidende Enzym gefunden, das den Früchten der Pfefferpflanze (lat Piper nigrum) zu ihrer charakteristischen Schärfe verhilft.
26.01.2023
Biochemie | Mikrobiologie | Physiologie
Ein Bakterium wird durchleuchtet
Den Stoffwechsel eines weit verbreiteten Umweltbakteriums hat ein Forschungsteam nun im Detail aufgeklärt.
26.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Botanik | Physiologie
Schutzstrategien von Pflanzen gegen Frost
Fallen die Temperaturen unter null Grad, bilden sich Eiskristalle auf den Blättern von winterharten Grünpflanzen - Trotzdem überstehen sie Frostphasen in der Regel unbeschadet.
26.01.2023
Entwicklungsbiologie | Genetik
Neues vom Kleinen Blasenmützenmoos
Mithilfe mikroskopischer und genetischer Methoden finden Forschende der Universität Freiburg heraus, dass die Fruchtbarkeit des Laubmooses Physcomitrella durch den Auxin-Transporter PINC beeinflusst wird.
26.01.2023
Klimawandel | Mikrobiologie | Mykologie
Die Art, wie Mikroorganismen sterben beeinflusst den Kohlenstoffgehalt im Boden
Wie Mikroorganismen im Boden sterben, hat Auswirkungen auf die Menge an Kohlenstoff, den sie hinterlassen, wie Forschende herausgefunden haben.
25.01.2023
Entwicklungsbiologie | Evolution
Wie die Evolution auf unterschiedliche Lebenszyklen setzt
Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, eines der Rätsel der Evolution zu lösen.
24.01.2023
Biochemie | Ökologie | Physiologie
Moose verzweigen sich anders... auch auf molekularer Ebene
Nicht-vaskuläre Moose leben in Kolonien, die den Boden bedecken und winzigen Wäldern ähneln.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Genetik
Verfahren der Genom-Editierung optimiert
Im Zuge der Optimierung von Schlüsselverfahren der Genom-Editierung ist es Forscherinnen und Forschern in Heidelberg gelungen, die Effizienz von molekulargenetischen Methoden wie CRISPR/Cas9 zu steigern und ihre Anwendungsgebiete zu erweitern.
24.01.2023
Ökologie | Zoologie
Kooperation der männlichen australischen Spinnenart Australomisidia ergandros
Forschende konnten in einer Studie zeigen, dass Männchen der australischen Spinne Australomisidia ergandros ihre erjagte Beute eher mit den anderen Mitgliedern der Verwandtschaftsgruppe teilen als die Weibchen.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Physiologie
Mutante der Venusfliegenfalle mit Zahlenschwäche
Die neu entdeckte Dyscalculia-Mutante der Venusfliegenfalle hat ihre Fähigkeit verloren, elektrische Impulse zu zählen.
23.01.2023
Biochemie | Physiologie
neue Einblicke in Mechanismen der Geschmackswahrnehmung
Die Komposition der Lebensmittel, aber auch die Speisenabfolge ist für das perfekte Geschmackserlebnis eines Menüs entscheidend.
19.01.2023
Biodiversität | Neobiota | Ökologie
Starke Zunahme von gebietsfremden Landschnecken
Invasive Landschneckenarten können heimische Arten verdrängen und der menschlichen Gesundheit schaden.