Cephalium

Endständiges Cephalium bei Melocactus matanzanus
Durchwachsene Cephalien bei Arrojadoa penicillata

Cephalien (altgr. κεφαλή kephalē „Kopf“) sind auffällige Blütenstandszonen, die von einigen Kakteengewächsen gebildet werden. Sie treten nur in relativ wenigen Gattungen auf und sind dann für diese Gattungen typisch. Kakteen, die Cephalien ausbilden, blühen ausschließlich in diesen abgetrennten Zonen. Die Vorteile der Zusammenfassung von Blüten in einem Cephalium gegenüber einzeln stehenden Blüten sind sowohl der bessere Schutz von Blüten und Früchten als auch der höhere optischer Reiz auf Bestäuber.

Entwicklungsgeschichtlich sind vier verschiedene Ausprägungen zu unterscheiden.

  • Pseudocephalien („falsche Cephalien“) sind Bereiche mit verstärkter Haarbildung auf Areolen ansonsten morphologisch normaler Sprossen. Sie treten beispielsweise bei einzelnen Arten der Gattungen Cereus und Cleistocactus auf.
  • Echte Cephalien sind Bereiche mit stark verstärkter Woll- und Borstenbildung nicht nur der Areolen, sondern auch der sie umgebenden Epidermis. Im Extremfall sind alle Epidermiszellen des Cephaliums zu Trichomen umgestaltet.
    • Spaltcephalien entstehen seitenständig und sind typischerweise spalt- oder rinnenförmig in die Sprossachsen eingesenkt. Sie treten meist einseitig auf, manchmal auch auf mehreren Seiten oder können selten auch mantelförmig die gesamten Sprossachsen umfassen. Der Längenwuchs der Sprosse wird hierdurch jedoch nicht eingeschränkt. Spaltcephalien sind typisch für die Gattungen Cephalocereus, Coleocephalocereus, Espostoa, Facheiroa, Micranthocereus, Pachycereus, Pilosocereus und Stephanocereus.
    • In der Gattung Arrojadoa werden die Cephalien am Ende jeder Vegetationsperiode endständig gebildet, dann aber in der neuen Vegetationsperiode durchwachsen. So bilden sie Ringe, die den jährlichen Wuchs der Sprosse dokumentieren.
    • In den Gattungen Melocactus und Discocactus werden die Cephalien endständig gebildet, jedoch nicht durchwachsen, und begrenzen so den Längenwuchs der Pflanzenkörper. Die Cephalien sind stark von den Pflanzenkörpern abgesetzt, meist deutlich dünner als diese, bei Discocactus eher klein und flach, bei Melocactus aber bis zu etwa 50 cm hoch.

Literatur

  • Franz Buxbaum: Morphologie des „Spaltcephaliums“ von Espostoa sericata: In: Österreichische Botanische Zeitschrift. Band 99, Nummer 1, 1952, S. 89–99, doi:10.1007/BF01288567.
  • Franz Buxbaum: Die behaartblütigen Cephalienträger Südamerikas. In: Österreichische Botanische Zeitschrift. Band 106, Nummer 1/2, 1959, S. 138–158, doi:10.1007/BF01279003.

Weblinks

Die News der letzten Tage

22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Insektenkunde
Forschung mit Biss
Wie stark können Insekten zubeißen?
21.06.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Algenmatten im Mittelmeer als Zufluchtsort für viele Tiere
Marine Ökosysteme verändern sich durch den Klimawandel, auch im Mittelmeer.
21.06.2022
Taxonomie | Meeresbiologie
Korallengärten auf der „Mauretanischen Mauer“ entdeckt
Wissenschaftler*innen haben eine neue Korallenart entdeckt: Die Oktokoralle Swiftia phaeton wurde auf der weltweit größten Tiefwasserkorallenhügelkette gefunden.
20.06.2022
Genetik | Insektenkunde
Was ein Teebeutel über das Insektensterben erzählen kann
Man kennt die Szenerie aus TV-Krimis: Nach einem Verbrechen sucht die Spurensicherung der Kripo bis in den letzten Winkel eines Tatorts nach DNA des Täters.
20.06.2022
Mikrobiologie | Physiologie | Primatologie
Darmflora freilebender Assammakaken wird im Alter einzigartiger
Der Prozess ist vermutlich Teil des natürlichen Alterns und nicht auf eine veränderte Lebensweise zurückzuführen.
20.06.2022
Botanik | Evolution
Das Ergrünen des Landes
Ein Forschungsteam hat den aktuellen Forschungsstand zum Landgang der Pflanzen, der vor rund 500 Millionen Jahren stattfand, untersucht.
17.06.2022
Anatomie | Entwicklungsbiologie
Das Navi im Spermienschwanz
Nur etwa ein Dutzend der Millionen von Spermien schaffen den langen Weg durch den Eileiter bis zur Eizelle.
15.06.2022
Botanik | Klimawandel
Trotz Klimawandel: Keine Verschiebung der Baumgrenze
Die Lebensbedingungen für Wälder in Höhenlagen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten infolge des Klimawandels signifikant verändert.