Belfast-Chronologie

Die Belfast-Chronologie (auch Belfast Oak Chronology) entstand Mitte der 1980er Jahre in Irland. Die Insel ist ein idealer Platz, um eine Baumring-Chronologie aufzubauen. Eichenhölzer sind aus nahezu allen Perioden vorhanden. Sumpfeichen bildeten die Hauptressource, mit denen die Chronologie bis ins Jahr 5474 v. Chr. aufgebaut werden konnte. Die einzige Schwierigkeit war das 14. Jahrhundert.

Die ersten neun Jahrhunderte n. Chr. konnten durch die Verwendung des Holzes von Crannógs und Horizontalrad-Wassermühlen rekonstruiert werden. Die Chronologie des 14. Jahrhunderts wurde über Dubliner Bauhölzer mit der Chronologie von England verbunden, da es unmöglich war, irische Eichen zu finden, die den Zeitraum von 750 bis 1030 n. Chr. überbrückten. Während die Probleme der Chronologien durch diese Verbindung gelöst wurden, wurde ein Programm begonnen, das auf der Nutzung der Sumpfeiche beruht. Diese Eichenart wuchs ursprünglich auf der Oberfläche der Hochmoore. Sie wurde vom Torf begraben und konserviert. 1984 war die irische Chronologie die zweitlängste ununterbrochene Baumring-Chronologie der Welt. Die Intention, Reihenfolgen in einer ununterbrochenen Chronologie zu verbinden, war gelungen.

Der Primärzweck der irischen Eichenchronologie war eine neue Kalibrierung der Radiokarbondaten. Mit der kompletten irischen Baumring-Chronologie war es möglich, Blöcke von 10 oder 20 Wachstumsringen mit bekanntem Datum zu bilden. Diese Proben wurden dann Radiokarbontests unterzogen. Die daraus resultierende Belfast-Kalibrierung ersetzte die ursprüngliche Bristlecone-Pines-Chronologie und bildet die Basis für eine internationale Eichkurve. Die Radiokarbondaten der letzten sieben Jahrtausende können unter Verwendung der Kurve in Kalenderdaten umgewandelt werden.

Die Methode half, archäologische Probleme besonders wirkungsvoll zu lösen. Zwischen 1159 und 1141 v. Chr. war das Sommerwachstum vieler Sumpfeichen in Irland zwei Dekaden lang stark gestört. Ähnliche Merkmale konnten bereits mit Ausbrüchen von Vulkanen (z. B. der Hekla) erklärt werden. Der Zeitpunkt des Ausbruchs war umstritten. Wie sich nun zeigte, war die ägyptische Angabe, die sich auf zeitgleiche Hungersnöte bezieht korrekt. Zuvor waren z. B. auch Horizontalmühlen schwierig zu datieren. Die Mühlen produzierten selten archäologische Datierungsbelege. Die Dendrochronologie erlaubte die Datierung der Bauhölzer und zeigte, dass die überwiegende Mehrheit zwischen 630 und 930 entstanden war. Zwei Drittel aller Mühlen wurden zwischen 750 und 850 konstruiert. Zuvor wurde angenommen, dass sich diese Mühlen erst durch die Normannen nach Irland verbreiteten. Die Bauhölzer, die im Corlea Trackway und im County Longford benutzt wurden, sind zwischen Herbst 148 und Frühling 147 v. Chr. gefällt worden. Das ist das bisher einzige bekannte Datum des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Irland.

Siehe auch

Literatur

  • Michael Ryan (Hrsg): Irish Archaeology illustrated. Country House, Dublin 1994, ISBN 0-946172-33-1.

Weblinks

Die News der letzten Tage

02.02.2023
Anthropologie | Physiologie
Beeinflussen Bildschirme unseren Biorhythmus?
Der Vorteil technischer Geräte liegt auf der Hand: Zeitersparnis und Komfort, doch manche dieser Geräte und damit verbundene Verhaltensweisen wirken noch ganz anders auf uns, denn sie können unsere inneren Uhren beeinflussen.
02.02.2023
Anthropologie | Ökologie | Paläontologie
Erster Beweis für Elefantenjagd durch den frühen Neandertaler
Untersuchung von Funden in Neumark-Nord bei Halle erbringen den ersten eindeutigen Beweis für die Jagd von Elefanten in der menschlichen Evolution und neue Erkenntnisse über die Lebensweise der Neandertaler.
02.02.2023
Biochemie | Neurobiologie
Untersuchung von Prozessen im Kleinhirn
An verschiedenen Erkrankungen, die das motorische Lernen betreffen, sind Prozesse im Kleinhirn beteiligt.
01.02.2023
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Wovon die Widerstandskraft von Savannen abhängt
Extreme klimatische Ereignisse gefährden zunehmend Savannen weltweit.
01.02.2023
Biochemie | Mikrobiologie
Proteinvielfalt in Bakterien
Als Proteinfabrik der Zelle hat das Ribosom die Aufgabe, bestimmte Teile der mRNA in ein Eiweiß zu übersetzen: Um zu erkennen, wo es damit anfangen und wieder aufhören muss, braucht es so genannte Start- und Stopcodons.
30.01.2023
Ökologie | Physiologie
Ernährungsumstellung: Die Kreativität der fleischfressenden Pflanzen
In tropischen Gebirgen nimmt die Zahl der Insekten mit zunehmender Höhe ab.
27.01.2023
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Neobiota | Ökologie
Auswirkungen von fremden Baumarten auf die biologische Vielfalt
Nicht-einheimische Waldbaumarten können die heimische Artenvielfalt verringern, wenn sie in einheitlichen Beständen angepflanzt sind.
27.01.2023
Biochemie | Botanik | Physiologie
Wie stellen Pflanzen scharfe Substanzen her?
Wissenschaftler*innen haben das entscheidende Enzym gefunden, das den Früchten der Pfefferpflanze (lat Piper nigrum) zu ihrer charakteristischen Schärfe verhilft.