Winzige Vielfalt: Neue Mikroschneckenarten entdeckt



Bio-News vom 14.02.2023

Internationale Forschende haben 42 neue Geschwisterarten der kleinsten Landschnecke der Welt Angustopila psammion aus verschiedenen Höhlen in Südostasien beschrieben. Bei ihrer umfangreichen Arbeit hat das Team fünfmal mehr Arten entdeckt als sie vermutet hätten. Dies zeigt, dass die Anzahl und die Vielfalt der Gastropoden in den Untersuchungsgebieten wahrscheinlich um ein Vielfaches höher sind als bislang angenommen.

Abenteuerlustige Reisende, Missionare und Soldaten sammelten Ende des 19. Jahrhunderts die meisten heute bekannten und beschriebenen Schneckenarten aus Südostasien. „Dabei konzentrierten sie sich auf große, auffällige Schneckenhäuser. Auch heute finden wir in wissenschaftlichen und privaten Sammlungen überwiegend diese Schalen. Übersehen wurden dabei die zahlreichen kleinen Tiere, die ebenfalls in den Gebieten lebten“, erzählt Dr. Adrienne Jochum vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und dem Naturhistorischen Museum in Bern.


Beispiel einer lebenden Mikroschnecke, hier Wainuia urnula.

Publikation:


Páll-Gergely B, Hunyadi A, Vermeulen JJ, Grego J, Sutcharit C, Reischütz A, Dumrongrojwattana P, Botta-Dukát Z, Örstan A, Fekete J, Jochum A
Five times over: 42 new Angustopila species highlight Southeast Asia’s rich biodiversity (Gastropoda, Stylommatophora, Hypselostomatidae)

ZooKeys 1147: 1-177 (2023)

DOI: 10.3897/zookeys.1147.93824



Jochum hat mit einem internationalen Team aus Ungarn, den Niederlanden, der Slowakei, Thailand, Österreich und den USA insgesamt 42 neue Arten aus der Schneckengattung Angustopila neu beschrieben – insgesamt erhöht sich die Artenzahl der Gattung nun auf 53. Die Schnecken dieser Gattung gelten als die kleinsten Landschnecken der Welt. Die neuen Arten stammen aus 112 Proben, die in 223 Höhlen in China, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam genommen wurden.


Allein in der vietnamesischen Qua Vang-Höhle wurden sieben verschiedene Mikroschneckenarten entdeckt.

„Die kleinsten der von uns neu beschriebenen 42 Arten sind Angustopila maasseni und Angustopila somasaki mit nur 0,62 bis 0,67 Millimetern, die ‚größte‘ Angustopila majuscula sp. nov. misst in ihrer Schalenhöhe 1,31 Millimeter. Durchschnittlich erreichen die 53 Arten eine Größe von 0,89 Millimetern“, so Jochum. Die Form der Schalenöffnungen reicht von birnen- über nieren- bis hin zu eiförmig mit insgesamt acht verschiedenen Formen.

Die in Bodenproben gesammelten Tiere wurden durch ein großes Metallsieb und einen Nylonstrumpf gesiebt. Anschließend sortierten die Forschenden die getrockneten Proben unter dem Stereomikroskop. In wenigen Fällen konnten lebende Schnecken in Höhlen durch Pflücken mit einer feinen Pinzette gesammelt werden.

Die Standorte, an denen mehrere Angustopila-Arten gefunden wurden und die somit die größte Vielfalt aufwiesen, lagen in Nordvietnam, Nordlaos, der chinesischen Provinz Guangxi und in Myanmar. Die höchste Anzahl von Arten pro Standort lag in Nordvietnam. Dies deutet laut der Studie darauf hin, dass das Zentrum der Mikroschneckenvielfalt in Nordvietnam liegt. Drei Arten, Angustopila elevata, Angustopila fabella und Angustopila szekeresi, sind über mehrere hundert Kilometer verbreitet, während drei weitere der neu entdeckten Arten von zwei Standorten bekannt sind, die einige hundert Kilometer voneinander entfernt liegen. Alle anderen Schneckenarten weisen ein kleines Verbreitungsgebiet auf oder leben endemisch an einem einzigen Standort.

„Bei unserer umfangreichen Arbeit wurden fünfmal mehr Arten entdeckt als wir vermutet hätten. Es zeigt sich, dass diese winzigen Landschnecken in mehreren Höhlen in Südostasien leben. Mit der modernen Erforschung und der heutigen Mikroskoptechnik ist es uns möglich eine ganz neue Welt mit einer erstaunlichen Vielfalt an Landschnecken zu entdecken!“, schließt Jochum.


Diese Newsmeldung wurde mit Material des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseen via Informationsdienst Wissenschaft erstellt.

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