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Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

Neues aus der Forschung

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

Meldung vom 09.01.2019

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum für Naturkunde Berlin, und ihre Kollegen den ersten Nachweis fossilen Mageninhalts des Urwals Basilosaurus isis aus Wadi Al Hitan („Tal der Wale“) in Ägypten. Demnach bestand die Nahrung dieses Wals vor allem aus Jungtieren der zeitgleich vorkommenden kleineren Walart Dorudon atrox und charakterisiert Basilosaurus als einen Spitzenräuber in marinen Ökosystemen des Obereozäns vor etwa 35 Millionen Jahren.


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Manja Voss, Mohammed Sameh M. Antar, Iyad S. Zalmout, Philip D. Gingerich
Stomach contents of the archaeocete Basilosaurus isis: apex predator in oceans of the late Eocene
PLOS ONE
DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0209021

 
Lebendrekonstruktion eines Basilosaurus

Die UNESCO Welterbestätte Wadi Al Hitan war einst von einem Flachmeer bedeckt und ist einzigartig aufgrund ihres Reichtums an Fossilien, vor allem an ausgestorbenen Walen. Die beiden häufigsten Walarten in Wadi Al Hitan sind der 15 – 18 Meter lange Basilosaurus isis und der 5 Meter lange Dorudon atrox. Zwischen beiden Spezies wird schon lange eine Räuber-Beute-Beziehung vermutet aufgrund indirekter Belege wie Bissspuren an Schädeln von D. atrox Jungtieren. Mit Hilfe des neuen Fundes können die Autoren nun die größeren paläoökologischen Zusammenhänge im späten Eozän Ägyptens nachzeichnen und B. isis als einen Meeresräuber identifizieren, der an der Spitze der Nahrungspyramide stand.

In einer von der National Science Foundation geförderten Grabungskampagne hat im Dezember 2010 ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Leitung von Prof. Philip D. Gingerich (University of Michigan) das etwa 16 Meter lange Skelett eines B. isis geborgen. Vom Skelett waren der Schädel, die Zähne, Wirbel, Rippen und die Langknochen der Extremitäten erhalten. Neben Bruchstücken eines großen Knochenfisches fanden die Paläontologinnen und Paläontologen auch Reste von Jungtieren von D. atrox in der Körperhöhle des B. isis Skeletts. Eines der D. atrox Individuen zeigte sogar Bissspuren, die mit den Zähnen von B. isis in Verbindung gebracht werden konnten.

In ihrer Publikation schlussfolgern die Autoren, dass die enorme Körpergröße, die lange und kräftige Schnauze, zugespitzte Schneidezähne und scharfe Backenzähne B. isis nicht als Aasfresser sondern fleischfressenden Spitzenräuber kennzeichnen. Vor dem Hintergrund, dass Wadi Al Hitan als Kinderstube und Aufzuchtgebiet für Dorudon Wale interpretiert wird, repräsentiert dieser Fundort die perfekte Jagdregion für B. isis, welcher vorzugsweise junge und kleine Dorudons fraß.

Funde wie dieser helfen uns die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Organismen in einem marinen Ökosystem zu verstehen und erweitern unser Wissen über die Ökologie von Urwalen und die trophischen Ebenen in der Nahrungspyramide ehemaliger Ozeane. Letztendlich helfen uns diese Erkenntnisse auch das heutige Ökosystem Meer besser zu verstehen und zu schützen.

Diese Forschungsarbeit ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Erstautorin Dr. Manja Voss (Museum für Naturkunde Berlin), Dr. Mohammed Sameh M. Antar (Department of Geology and Paleontology, Nature Conservation Sector, Egyptian Environmental Affairs Agency, Cairo), Dr. Iyad S. Zalmout und Prof. Philip D. Gingerich (beide Museum of Paleontology, University of Michigan, Ann Arbor, USA).


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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