Seuchenhafter Spätabort der Schweine

Der Seuchenhafte Spätabort der Schweine (SSS) – Englisch: Porcine reproductive and respiratory syndrome (PRRS), Mystery swine disease (MSD), Swine infertility and respiratory syndrome (SIRS) und Porcine epidemic abortion and respiratory syndrome (PEARS) – ist eine Seuche des Schweins, die durch das PRRS-Virus verursacht wird.

Ätiologie und Epidemiologie

Beschrieben wurde die Erkrankung erstmals 1987 in den USA und 1990 auch in Deutschland. In retrospektiven serologischen Studien in Kanada wurden Antikörper gegen das PRRS-Virus in Serumproben von 1979 nachgewiesen.[1] Sie verläuft seuchenartig und führt zu hohen Verlusten in Schweinebeständen. Die Entstehung der Krankheit ist noch weitgehend unbekannt.

Krankheitsbild

PRRS-infiziertes Schwein mit zyanotischen Ohren

Die Infektion der trächtigen Muttersauen verläuft meist unbemerkt. Symptome bei Sauen können auch nur eine wenige Tage anhaltende Störung des Allgemeinbefindens mit Fressunlust und mäßig erhöhter Körpertemperatur sein. Teils sieht man Blaufärbung (Zyanose) von Ohren, Zitzen, Hals oder Schulter, die sich später teilweise als Nekrosen in diesen Hautbezirken darstellen. Selten sind ein ausgeprägtes Ödem der Scham, Lähmungen der Hintergliedmaße und noch seltener Todesfälle von Sauen.

Gravierender sind die Auswirkungen auf den Geschlechtsapparat der Sauen, die sich in der Verkürzung der Tragzeit um durchschnittlich eine Woche, eine verringerte Wurfgröße, die Geburt toter, mumifizierter oder lebensschwacher Ferkel oder Fruchtbarkeitsstörungen wie anormaler oder verzögerter Rausche auswirkt. Die genitale Verlaufsform existiert nur bei Erstlingssauen, bei der zweiten Trächtigkeit gibt es keine Symptomatik mehr.

Ferkel von während der Trächtigkeit infizierten Sauen zeigen Symptome wie Lebensschwäche und Unreife, Ödeme im Unterhautgewebe, Wasseransammlungen in Brust- und Bauchhöhle sowie im Herzbeutel, geschwürige Magenentzündung, fibrinöse Bauchfell-, Gelenks-, oder Hirnhautentzündung und sehr selten interstitielle Lungenentzündung. Der Tod tritt meist innerhalb der ersten Lebenstage ein, die Verluste können bis zu 75 % betragen. Oft sterben gesund erscheinende Ferkel plötzlich mit Atemnot oder nervösen Störungen.

Erkrankte Ferkel, Absatzferkel und Läufer zeigen Atemwegserkrankungen, Hirnhautentzündung, Bindehautentzündung, Entwicklungsstörungen und Kümmern.

Diagnostik

  • Klinik
  • pathologisch-anatomischer Nachweis
  • histologische Untersuchung
  • Antigennachweis in Gefrierschnitten der Lunge durch IF oder auch mAk
  • Antigennachweis durch PCR aus Blut- und Gewebeproben. Dies erlaubt eine Differenzierung zwischen dem Europäischen und Amerikanischen Typ.
  • Antikörpernachweis durch indirekte Immunfloureszenz
  • direkte Virusanzüchtung in Schweinelungenmakrophagen oder permanenten Affennierenzellen (MA-Zellen)

Bekämpfung

Aus Empfehlungen für Maßnahmen zum Schutz gegen den Seuchenhaften Spätabort der Schweine des deutschen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:

  • Bestandssperren
  • diagnostische Untersuchungen erkrankter und verendeter Tiere
  • Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen
  • aktive Impfung

Literatur

  • Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre von Rolle/Mayr, Enke Verlag Stuttgart (2007)

Einzelnachweise

Weblinks

Die News der letzten Tage

15.11.2022
Anthropologie | Ethologie | Paläontologie
Guten Appetit! Homo hat bereits vor 780.000 Jahren Fisch gekocht
Fischzähne der archäologischen Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov in Israel liefern den frühesten Hinweis auf das Garen von Nahrungsmitteln durch unsere Vorfahren.
15.11.2022
Biodiversität | Bioinformatik | Botanik
Eine Weltkarte der Pflanzenvielfalt
Warum gibt es an manchen Orten mehr Pflanzenarten als an anderen?
15.11.2022
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Biodiversität von Wiesen- und Weideflächen: Ein Gewinn für Natur, Landwirtschaft und Tourismus
Ein internationales Team hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist.
15.11.2022
Biochemie | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Zytologie
Wie funktioniert der Mangantransport in Pflanzen?
Das Protein BICAT3 ist einer der wichtigsten Mangan-Verteiler in Pflanzen - ist es defekt, hat das einen verheerenden Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen.
14.11.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Kollisionsrisiko für Fledermäuse bei großen Windkraftanlagen
Um Fledermäuse vor der Kollision mit Windenergieanlagen zu schützen, werden in Genehmigungsverfahren akustische Erhebungen durchgeführt.
09.11.2022
Physiologie | Vogelkunde
Kohlmeisen: Hormonschwankungen als Überlebensvorteil?
Bei freilebenden Kohlmeisen gibt es zwischen Individuen große Unterschiede in der Menge an Stresshormonen im Blut.
14.11.2022
Amphibien- und Reptilienkunde | Paläontologie
Grube Messel: eine lebendgebärende Schlange vor 47 Millionen Jahren
Ein argentinisch-deutsches Forschungsteam hat den weltweit ersten fossilen Beleg für eine Lebendgeburt bei Schlangen erbracht.
11.11.2022
Biodiversität | Evolution
Warum ist auf unserem Planeten eine solch enorme Artenvielfalt entstanden?
Warum gibt (gab) es so viele Arten auf der Erde?
11.11.2022
Anthropologie | Physiologie
Studie über die biologische Aktivität von Fruchtsäften und Fruchtkonzentraten
Forschende haben in einer Studie die biologische Aktivität von 20 Fruchtsäften und Konzentraten getestet.
10.11.2022
Biodiversität
Ranking der Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt
Die Umwandlung von naturnahen Wäldern und Grünland in landwirtschaftliche Flächen ist hauptverantwortlich für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt.