Retrobulbär

Der Begriff retrobulbär (lat. retro „rückwärts“ und Bulbus (oculi) „Augapfel“) bedeutet in der medizinischen Fachsprache „hinter dem Augapfel“. wird vor allem im Zusammenhang mit retrobulbärer Blutabnahme (das Gewinnen von Blut aus dem Venengeflecht hinter dem Auge bei kleinen Säugetieren wie Mäusen), retrobulbärer Anästhesie (das Betäubungsmittel wird bei bestimmten Operationen hinter den Augapfel gespritzt) und retrobulbärer Injektion (im Gentransfer zur erhöhten Transfektionsrate der oberen Organe, wie der Lunge) verwendet.

Fälschlicherweise wird als Synonym manchmal retroorbital („hinter der Augenhöhle“) verwendet.

Blutentnahme aus dem retrobulbären Venengeflecht

Die retrobulbäre Blutentnahme wurde bereits im Jahr 1913 von Auguste Pettit[1] beschrieben, der diese Methode außer bei Nagern auch bei verschiedenen anderen Tieren bis hin zum Hund anwendete. Heute wird der retrobulbäre Venenplexus vor allem bei der Maus und der Ratte zur Blutentnahme in tierexperimentellen Studien verwendet. Hierbei wird meist eine dünne Glaskapillare unter drehenden Bewegungen in den inneren Augenwinkel geschoben; bei Erreichen des Venengeflechts tritt Blut in die Kapillare, das dann in einem Röhrchen aufgefangen werden kann.[2]

Trotz der technischen Einfachheit wird diese Methode seit langen schon wegen Ihrer potentiellen Folgeschäden kritisiert.[3] [4] [5] So sind direkte Schäden der umliegenden Gewebe durch den Einstich beschrieben bzw. indirekte Druckschäden durch ins umliegende Gewebe austretende Blut.[6]. Selbst Beschädigungen des Sehnervs mit daraus resultierender Beeinträchtigung des Sehvermögens wurden in Studien belegt. Diese Gewebeschäden treten auch auf, wenn gut ausgebildete und geübte Laboranten die Punktion durchführen.[7]

Aufgrund der damit verbundenen potentiellen Leiden des Tieres, wurden verschiedene Alternativtechniken zur Blutentnahme entwickelt. Hierzu zählen z. B. die Blutentnahme aus der Vena saphena lateralis[8] oder die sublinguale Blutentnahme[9] [10], die sich als geeignete Alternativen etabliert haben.

Einzelnachweise

  1. Pettit; Procédé simple pour préléver du sang chez les petits rongeurs; Comptes Rendus Biologies (1913 ), 74, 11 – 12
  2. Diehl et al.: A good practice guide to the administration of substances and removal of blood, including routes and volumes; Journal of Applied Toxicology ( 2001 ); 21, 15 – 23
  3. Heimann et al.;Blood collection from the sublingual vein in mice and hamsters: a suitable alternative to retrobulbar technique that provides large volumes and minimizes tissue damage. Laboratory Animals 2009; 43: 255–260
  4. Messow, Naumann, Korn; Morphologie der Folgezustände nach retrobulbärer Blutentnahme; AMI-Berichte, 1980, 2, 135- 137
  5. Krinke, Kobel, Krinke; Does the repeated orbital sinus puncture alter the occurrence of changes with age in the retina, the lens, or the Harderian gland of laboratory rats?; Zeitschrift für Versuchstierkunde ( 1988 ), 31, 111 - 119
  6. Herck et al.: Histological changes in the orbital region of rats after orbital puncture; Laboratory Animals( 1992 ) 26, 53 – 58
  7. Herck et al. Orbital sinus blood sampling in rats as performed by different animal technicians : the influence of technique and expertise; Laboratory Animals (1998), 32, 377 – 386
  8. Hem, Smith, Solberg: Saphenous vein puncture for blood sampling of the mouse, rat, hamster, gerbil, guinea pig, ferret and mink; Laboratory Animals ( 1998 ) 32, 364 – 368)
  9. Heimann et al.: Blood collection from the sublingual vein in mice and hamsters: a suitable alternative to retrobulbar technique that provides large volumes and minimizes tissue damage. Laboratory Animals 2009; 43: 255–260
  10. Mahl et al.: Comparison of clinical pathology parameters with two different blood sampling techniques in rats : retro bulbar plexus versus sublingual vein; Laboratory Animals ( 2000) 34, 351 – 361)

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