Pleurahöhle

Die Pleurahöhle (lat. Cavitas pleuralis oder Cavum pleurae) ist der enge (kapilläre) Spaltraum in der Brusthöhle zwischen dem Wandblatt und dem Lungenüberzug der Pleura („Brustfell“). Da dieser Raum sehr klein ist, wird auch der Begriff Pleuraspalt verwendet.

In der Pleurahöhle herrscht physiologisch ein relativer Unterdruck. Die Pleuraspalte ist mit einer serösen Flüssigkeit gefüllt (zirka 5–10 ml), durch die das parietale und das viszerale Blatt der Pleura aneinander „kleben“. Die Rückstellkraft der Lunge sowie die Ausdehnungstendenz des Thorax wirken hier einander entgegen. Der dadurch entstehende Unterdruck im Spalt und die Adhäsionskraft der Flüssigkeit verhindern ein Zusammenfallen der Lunge.

Die Druckdifferenz gegenüber der Außenluft beträgt bei Einatmung etwa −800 Pa, bei Ausatmung −500 Pa. Der kleinere Druck während der Einatmung erklärt sich durch die beim „Aufblasen“ der Lunge ansteigenden Rückstellkräfte des Organs, bedingt durch seine Elastizität. Bei stark forcierter Ausatmung (mit Unterstützung durch die Atemhilfsmuskulatur wie zum Beispiel die Brustmuskeln) kann der sogenannte intrapleurale Druck während der Ausatmung auch positive Werte annehmen. Diese können bei einem Glottisverschluss sogar bis zu +1,1 Pa (150 mmHg) erreichen (siehe auch Valsalva-Manöver).

Klinischer Bezug

  • Eine krankhafte Ansammlung von Flüssigkeiten in der Pleurahöhle nennt man entsprechend der Flüssigkeit Hämatothorax (Blut) bzw. Chylothorax (Lymphe).
  • Eine Punktion der Pleurahöhlen nennt man Pleurapunktion (auch Thorakozentese).
  • Durch das Einstechen einer Nadel oder bei Verletzungen der Thoraxwand kommt es zwangsläufig zu einem Druckausgleich und damit zu einem Pneumothorax.

Literatur

  • Jens Huppelsberg, Kerstin Walter: Kurzlehrbuch Physiologie, 2., korrigierte Auflage, 2005, ISBN 3-13-136432-7

Die News der letzten Tage

19.05.2022
Virologie | Parasitologie | Insektenkunde
Neue Virusvariante bedroht Bienengesundheit weltweit
Eine gefährliche Variante des Krüppelflügelvirus ist weltweit auf dem Vormarsch: Das Virus befällt Honigbienen, wird von der Varroamilbe übertragen und sorgt dafür, dass ihre Flügel verkümmern und die Tiere sterben.
17.05.2022
Evolution | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Leben am Vulkan – in zwei Schritten zur Anpassung
Ein internationales Team hat eine Wildpopulation der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) untersucht, die sich am Fuß eines Stratovulkans angesiedelt hat.
18.05.2022
Klimawandel | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektensterben: Was stört die Kolonie-Entwicklung der Steinhummel?
Bestäubende Insekten sind für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion unersetzlich - doch seit Jahren geht der Bestand an Bienen, Hummeln und weiteren Insekten stark zurück.
18.05.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektenvielfalt: Öko-Landbau oder Blühstreifen besser?
Wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, hängt von verschiedenen Faktoren und dem jeweiligen Blickwinkel ab.
18.05.2022
Ethologie | Primatologie
Wie flexibel Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf individuelle Unterschiede und Flexibilität in den Kommunikationsstrategien von Orang-Utan-Müttern gelegt.
17.05.2022
Ökologie | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ökologie: Fließgewässer stehen weltweit schlecht da
Landwirtschaft, Habitatverlust oder Abwässer – menschgemachte Stressoren wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt in Bächen und Flüssen aus.
17.05.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
17.05.2022
Anatomie | Taxonomie | Paläontologie
Unbekannte Delfinarten aus dem Schweizer Mittelland identifiziert
Vor 20 Millionen Jahren schwammen Delfine dort, wo heute das Schweizer Mittelland liegt.
12.05.2022
Physiologie | Neurobiologie
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Ökologie | Insektenkunde
Was Heuschrecken fressen
Über die Nahrungsnetze pflanzenfressender Insekten ist nicht viel bekannt: Ein Team vom Biozentrum forscht nach – in Unterfranken ebenso wie in den Berchtesgadener Alpen.
12.05.2022
Mykologie | Biodiversität
Artenschutz für Pilze
Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser.
11.05.2022
Evolution | Biochemie
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Genetik
Für Weinliebhaber: Roter Riesling entstand aus Weißem Riesling
Die Erbinformation für die Riesling-Rotfärbung ist auf dem Chromosomensatz des weißbeerigen Elter "Weißer Heunisch" verortet.