Fließgewässer

Klassifikation der Gewässer
Der Mississippi River in Minneapolis, USA

Fließgewässer ist in der Hydrologie ein Sammelbegriff für alle oberirdisch fließenden Gewässer (Bach, Fluss, Strom) des Binnenlandes mit ständig oder zeitweilig fließendem Wasser. Es handelt sich daher auch um offene Gewässer.

Auch die Begriffe Rinnsal und Graben können Fließgewässer (bzw. deren Abschnitte) bezeichnen, müssen dies aber nicht, da ein Rinnsal nicht zwingend ein Gewässer bezeichnet und ein Wassergraben auch nicht-fließendes Wasser enthalten kann.

Fließgewässer fließen in der Regel gemäß der Schwerkraft von einer Quelle bis zu ihrer Mündung in einen See, ein übergeordnetes Fließgewässer oder ein Meer.

Unterirdische Fließgewässer werden im Artikel Grundwasser beschrieben und sind das Forschungsgebiet der Hydrogeologie.

Einteilung nach Größe und Abschnitt

Als Bach, Fluss oder Strom werden sowohl ganze Fließgewässer als auch deren Abschnitte bezeichnet. So wird die Weser insgesamt oder aber ihr diesen Namen tragender Mittel- und Unterlauf allgemein als Strom angesehen, ihre Quellflüsse Werra und Fulda als Flüsse und die Quellverläufe von beiden als Bäche.

Die Einteilung richtet sich vage nach den Größen: Breite, Länge, Einzugsgebiet und Abfluss. Sie sind jedoch nicht eindeutig festgelegt. Kriterien wie zum Beispiel die Schiffbarkeit (Tiefe) und historische Aspekte spielen bei diesen Begriffen ebenfalls eine Rolle.

Zur Definition von Strom wird außerdem oft alternativ das Mündungsgewässer herangezogen. Nach jener Definition wäre die in die Nordsee mündende Ems ein Strom, die deutlich mehr Wasser führenden Donau-Nebenflüsse Inn und Theiß jedoch nicht.

Aufteilung in Abschnitte

Ungeachtet ihrer konkreten Größe werden bei Fließgewässern meistens Quellbereich, Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf unterschieden, wobei der Quellbereich zumeist nur wenige Kilometer einnimmt, während die drei letztgenannten Abschnitte in der Regel vergleichbar lang sind. Dabei richtet sich die landläufige Einteilung meistens nach durchflossenen historischen Regionen sowie nach markanten Bifurkationen und Richtungsänderungen.

Ökologische Aufteilung

In der Limnologie werden Fließgewässer in das Krenal (Quellregion), das Rhithral (Bachregion) und das Potamal (Flussbereich) aufgeteilt.

Fließgewässerkennziffern

Fließgewässer werden durch Fließgewässerkennziffern, die jeweils alle Informationen über die Mündungsgewässer in sich tragen, hierarchisch geordnet. Die Ordnung folgt nicht ausschließlich hydrologischen, sondern auch z.T. historischen Einteilungen. Hiernach wird z. B. die Eder als Nebenfluss der Fulda geführt und der Inn als Nebenfluss der Donau, obwohl es sich je um einen gleichberechtigten Zusammenfluss handelt. Die Regnitz wird gar als Nebenfluss des Mains eingeordnet, obwohl sie bei ihrer Mündung deutlich mehr Wasser führt als der Main selber. Dieses ist der historischen Namensgebung geschuldet.

Fließgewässertypen

Hauptartikel: Fließgewässertyp

Bei den Fließgewässern werden in Deutschland insgesamt fünfundzwanzig Typen unterschieden; wichtige Parameter hierbei sind Ökoregion (z.B. Alpen, Mittelgebirge, Norddeutsches Tiefland), Höhenlage und Geologie (z. B. karbonatisch oder silikatisch, grob- oder feinmaterialreich). [1]

Temporäre Kenngrößen

Neben den mehr oder weniger fest stehenden Kenngrößen Einzugsgebiet und Länge sowie den Größen Breite, Tiefe, Abfluss und Fließgeschwindigkeit, für die meistens Mittelwerte angegeben werden, unterliegen einige Parameter von Fließgewässern Schwankungen, deren Beobachtung ebenfalls zu den Aufgaben von Hydrologie und Limnologie gehören.

Biologische Qualität

Die biologische Qualität von Fließgewässern wird anhand des Saprobiensystems in Gewässergüteklassen eingeteilt. Eine aktuell weitgehend akzeptierte ökologische Klassifikation bietet das River Continuum Concept.

Chemische Qualität

Die Gewässerverschmutzung kann man mit dem Chemischen Sauerstoffbedarf messen.

Hoch- und Niedrigwasser

In Abhängigkeit vom Wasserangebot (z. B. Niederschlag) kann es in einem Fließgewässer zu Hochwasserereignissen oder Niedrigwasserzeiten kommen. Aus Wasserstandsaufzeichnungen z. B. von Pegeln kann ein Mittelwasserstand bestimmt werden.

Geschiebetransport

Je nach Fließgeschwindigkeit haben Fließgewässer die Fähigkeit, Geschiebe mitzutransportieren:[2]

  • Fließgeschwindigkeit bis 0,3 m/s: Bewegung von Grobsand bis 1,7 mm Durchmesser
  • Fließgeschwindigkeit bis 0,7 m/s: Bewegung von Grobkies bis 9,2 mm Durchmesser
  • Fließgeschwindigkeit bis 1,7 m/s: Bewegung von Geröll bis 1,5 kg Gewicht
  • Fließgeschwindigkeit bis 2,0 m/s: Bewegung von Blöcken bis 20 cm Durchmesser
  • ab einer Fließgeschwindigkeit von 3,0 m/s (etwa 10 km/h): Bewegung auch größerer Objekte

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. LAWA (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser), Gewässerstrukturgütekartierung in der Bundesrepublik Deutschland – Verfahren für kleine und mittelgroße Fließgewässer, Schwerin, 2000
  2. Angaben nach Claus-Peter Hutter (Hrsg.): Quellen, Bäche, Flüsse und andere Fließgewässer, Stuttgart/Wien 1996, S. 40.

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