Orang-Utans (Pongo)

Große Menschenaffen

Orang-Utans (Pongo)

Orang-Utans (Pongo) waren früher in Südostasien und Indochina weit verbreitet – heute beschränkt sich ihr Verbreitungsgebiet auf Borneo und den Norden Sumatras. Orangs sind Baumbewohner und leben in der Regel einzelgängerisch. Ihre Lebensgrundlage bilden Tiefland- und Gebirgsregenwälder.

Männliche Orang-Utans (Pongo) erreichen eine Körperlänge von 97 cm (Standhöhe 1,37 m), Weibchen 78 cm (Standhöhe 1,15 m). Das Gewicht liegt bei Männchen zwischen 60 und 90 kg, bei Weibchen 40 und 50 kg.

Ihr spärliches, rotes Haar ist sehr lang und reicht farblich von Kastanienbraun bei Jungtieren bis Schokobraun bei einigen erwachsenen Tieren. Die Gesichter der Orangs (Pongo) sind schwarz und haarlos, bei Jungtieren finden sich um die Schnauze und die Augen herum rosa Aufhellungen. Mit zunehmendem Alter entwickeln Männchen imposante Backenwülste und Kehlsäcke. Die Zähne und Kiefer der Orang-Utans sind sehr kräftig und daher zum Knacken von harten Nüssen und zum Zermahlen von faserigen Pflanzenteilen hervorragend geeignet.

Borneo Orang-Utan im Zoo von Tampa
Borneo Orang-Utan im Zoo von Tampa, Florida
Weiblicher Orang-Utan im Zoo von Melbourne
Weiblicher Orang-Utan im Zoo von Melbourne

Man unterscheidet zwei Arten: den Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und den Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus). Orang-Utans auf Sumatra sind kleiner, heller gefärbt, langhaariger und und langgesichtiger als ihre Vettern auf Borneo. Besonders die Tiere auf Borneo leben strikt einzelgängerisch. Erwachsenen Tiere fressen für gewöhnlich allein und streifen auch allein umher. Junge Männchen brechen mit dem Erreichen der Pubertät den Kontakt zur Mutter ab, während manche Jung-Weibchen noch das eine oder andere Mal zurückkehren. Auch wenn sich mehrere Orangs an einem guten Futterbaum versammeln, bleiben soziale Kontakte aus. Sind die Früchte abgeerntet, geht jeder wieder seiner Wege.

Sumatra-Orangs sind sind da schon etwas geselliger. Sieht man einmal von Männchen mit niedrigem Rang ab - sie bleiben lieber allein - ziehen die Tiere auf Sumatra gemeinsam umher und haben als einzige den Werkzeuggebrauch erlernt. Befreundete Weibchen finden sich oft in Gruppen zusammen und bilden soziale Beziehungen aus. Jugendliche Männchen suchen stets die Nähe empfängnisbereiter Weibchen, die ihrerseits meist den Kontakt zum dominanten Männchen suchen. Diesem gelingt es in der Regel, die Jugendlichen von der Paarung abzuhalten - treffen letztere jedoch auf ein einzelnes Weibchen kommt es oft zur „Vergewaltigung“, wobei sie das sich wehrende Weibchen heftig beißen, um seinen Widerstand zu brechen.

Die Arme der Orangs (Pongo) sind bis zu 2 m lang und sind mit ihren kräftigen Händen und langen Fingern hervorragend für das Hangeln im Geäst geeignet. Orang- Utans ernähren sich hauptsächlich von Früchten sowie von jungen Schösslingen, Insekten, Baumrinde und holzigen Lianen. Gelegentlich verspeisen sie Vogeleier und fangen kleine Wirbeltiere. Orangs verbringen oft den ganzen Tag in einem fruchttragenden Baum, um sich die Bäuche vollzuschlagen. Etwas mehr als die Hälfte ihrer Nahrung besteht aus einigen hundert Fruchtarten, wobei sie keinen Unterschied machen, ob die Frucht reif oder unreif ist, beforzugen aber Obst mit hohem Zucker- oder Fettgehalt.

Sind Früchte rar, ernähren sich Orang-Utans (Pongo) neben Schösslingen und jungen Blättern auch von Samen oder Rindenstücken. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken sie durch die Aufnahme der Feuchtigkeit, die in den Früchten enthalten ist und aus Ast- und Baumlöchern, in denen sich das Regenwasser gesammelt hat. Dazu tauchen sie ihre Hände ganz einfach in das Wasser, heben sie dann über den Kopf und fangen das Wasser mit ihrem Mund auf, wenn es von den haarigen Handgelenken herabtropft.


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Orang-Utan Weibchen mit Kind
Wenn Orang-Kinder in die Pubertät kommen, verlassen sie die Mutter.

Die Zeit der Fruchtbarkeit der Weibchen beginnt etwa mit 10 Jahren und dauert bis ungefähr bis zum 30. Lebensjahr. Schwangerschaften treten im Schnitt alle 3 - 6 Jahre auf und nach einer Tragzeit von 235 - 270 Tagen kommt ein Jungtier zur Welt. Die Kinder der Orang-Utans (Pongo) werden bis zum Alter von ca. 3 Jahren gestillt und sind ab dem 7. - 10. Lebensjahr vollkommen selbstständig. Das erste Jahr werden sie ständig herumgetragen, aber auch darüber hinaus, wenn die Mutter auf Nahrungssuche durch die Wälder streift. Sie ist mit ihrem Nachwuchs sehr geduldig, die Kinder dürfen bis zur Entwöhnung in ihrem Nest schlafen. Aber auch danach bleiben sie ständig in der Nähe der Mutter.

Orang-Utans in einem Zoo und neigen etwas zur Fettleibigkeit
Diese beiden Gesellen leben in einem Zoo und neigen etwas zur Fettleibigkeit. Die Kehlsäcke und die Backenwülste sind sehr gut zu erkennen.

Männliche Orang-Utans (Pongo) werden mit ca. 12 Jahren geschlechtsreif und entwickeln mit zunehmendem Alter alle imposanten Merkmale eines gestandenen Orangmannes, wie etwa die breiten Backenwülste und den großen Kehlsack. Dieser verstärkt bei ihren Rufen die Vibrationen, so dass man sie noch in 2 km Entfernung hören kann. Wenn sie voll ausgewachsen sind, erreichen männliche Orangs die doppelte Größe der Weibchen. Ihre Anwesenheit tun sie mit langgezogenen, lauten Rufen kund, die offenbar untergeordnete Männchen fernhalten sollen. Treffen erwachsene Orang-Utan Männchen aufeinander, kommt es häufig zu aggressivem Imponiergehabe, Verfolgungsjagden und Kämpfen am Boden. Jedoch dulden ausgewachsene Männchen in ihrer Nähe gelegentlich jugendliche Männchen, solange sie respektvollen Abstand halten.

In der Wildnis werden Orang-Utans (Pongo) ca 35 Jahre alt, in Zoos bis zu 60 Jahre. Der Name Orang-Utan stammt aus der Malaiischen Sprache und bedeutet Waldmensch.

Wegen ihres relativ hohen Gewichts sind Orang-Utans (Pongo) nicht in der Lage von Ast zu Ast zu springen, dafür haben sie aber eine elegante Technik entwickelt, um größere Lücken in den Baumkronen zu überwinden: Sie schaukeln einfach mit dem Ast, auf dem sie sitzen, hin und her bis der nächste Ast in greifbare Nähe kommt. Erwachsene Orangmänner der Borneo-Art trifft man, im Gegensatz zu Weibchen und Jungtieren, gelegentlich auf dem Boden an. Wissenschaftler erklären dieses Verhalten damit, dass der Hauptfeind der Orangs, der Tiger, auf Borneo ausgestorben ist. Auf dem Boden bewegen sie sich dann mit zur Faust geformten Händen und Füßen fort, da sie keinen Knöchelgang wie ihre afrikanischen Verwandten kennen.


Baby orangutan
Orang-Utan-Vater

Orang-Utans (Pongo) haben sich, evolutionär betrachtet, vor etwa 14 Millionen Jahren von der Linie getrennt, die schließlich zu den afrikanischen Menschenaffen einschließlich des Menschen führte. Als Vorfahren der Orang-Utans (Pongo) gelten die südasiatischen Sivapithecinen aus dem späten Miozän von 12 - 9 Millionen Jahren, deren Überreste große Ähnlichkeit mit der Anatomie der Orangs haben. Aus dem Pleistozän vor einer Million Jahren sind riesige Orangs bekannt und der rätselhafte Gigantopithecus aus China scheint ein naher Verwandter zu sein. Gegen eine engere, evolutionäre Beziehung zwischen Orang-Utan (Pongo) und Mensch (Homo), wie sie immer wieder einmal behauptet wird, sprechen nicht nur anatomische sondern auch molekulare Unterschiede.

In freier Wildbahn stehen Orang-Utans heute kurz vor der Ausrottung. Malaysia und Indonesien haben zwar große Reservate eingerichtet, aber abseits der Schutzgebiete ist der Mensch gerade dabei, die meisten Wälder in Farmland oder Palmölplantagen umzuwandeln. Orang-Utans (Pongo) reagieren bereits bei begrenzten Holzeinschlägen sehr empfindlich und verschwinden völlig, wenn intensiv abgeholzt wird. Ihre Zahl ist seit den 1990er Jahren um zwei Drittel auf heute nur noch rund 55.000 Tiere gesunken. Im Vergleich zum Jahr 1900 ist sie sogar um 92% geschrumpft. Schuld daran ist auch der von einer skrupellosen Holzmafia organisierte Kahlschlag, der die Wälder Borneos und seine Artenvielfalt bedroht. Zudem machen Wilderer Jagd auf die Menschenaffen.
Besonders perfide:
Junge Orang-Utans werden auf dem Schwarzmarkt verkauft und als Haustiere gehalten, nachdem man vorher ihre Mütter umgebracht hat.

Um das Aussterben dieser imposanten Menschenaffen in freier Wildbahn doch noch zu verhindern, sind intensive Schutzbemühungen wie etwa des WWF, konsequente Strafverfolgung der Wilderer und aktives Management der verbliebenen Regenwälder nötig.


Systematik


Literatur

[1] Rowe, N. 1996; Robbins, M. & Williamson, L. 2008. Gorilla beringei. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 20 October 2011.

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