Bengalischer Hanuman-Langur (Semnopithecus entellus)

Schlank- und Stummelaffen

Bengalischer Hanuman-Langur (Semnopithecus entellus)

Der Bengalische Hanuman-Langur oder Hulman (Semnopithecus entellus) ist ein tagaktiver Primat aus der Teilordnung der Altweltaffen (Catarrhini). Die Affen leben im Westen von Bangladesch und in Ost-Indien. Die Population in Bangladesch stammt höchstwahrscheinlich von einem einzigen Affenpaar ab, das Hindu Pilger am Ufer des Jalangi Flusses aussetzten [2][4][5].


Lebensraum

Bengalische Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) sind hauptsächlich terrestrisch und kommen in einer Vielzahl von Lebensräumen in Höhenlagen bis zu 400 m vor. Die Affen halten sich sehr gerne in der Nähe menschlicher Behausungen auf, ansonsten bewohnen sie tropische und subtropische Wälder, Wälder der gemäßigten Zonen und alpine Wälder mit steinigem oder felsigem Gelände [5].


Aussehen

Bengalische Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) sind recht große Primaten. Die Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 80 cm und werden bis zu 18 kg schwer, Weibchen sind mit 70 cm und 11 kg etwas kleiner und leichter. Die Schwänze der Bengalischen Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) sind etwa 1 m lang. Das Fell ist hellbeige oder silber- bis schieferfarben. Gesicht und Ohren sind schwarz. Der Kopf, die unteren Partien und die Schwanzspitze sind weiß oder gelblich weiß. Hände und Füße sind oft schwarz, gelegentlich auch die Unterarme [3][6]. Die Affen sind gute Springer, die eine Entfernung von 10 m mühelos überwinden, manchmal springen sie aus großer Höhe direkt auf den Boden. Der lange Schwanz dient dabei als Balance.


Nahrung

Bengalische Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) ernähren sich vorwiegend von Blättern, Knospen und Blüten, die sie - obwohl hauptsächlich auf dem Boden unterwegs - in Bäumen und Sträuchern finden. Gelegentlich werten sie ihren Speiseplan mit kleinen Wirbellosen und Wirbeltieren und mit Vogeleiern auf. Die Affen machen sich gelegentlich über Kulturpflanzen des Menschen her. Die Reviere umfassen bis zu 1.200 ha, innerhalb derer Grenzen sie bei der täglichen Nahrungssuche 60 - 1.300 m zurücklegen [6].


Bengalischer Hanuman-Langur (Semnopithecus entellus) - biologie-seite.de
Bengalische Hanuman-Languren in der Ruine des königlichen Palastes in Polonnaruwa, Sri Lanka.

Gruppenleben

Die sozialen Gruppen der Bengalischen Hanuman-Languren bestehen aus 11 - 64 Individuen bei 262 beobachteten Gruppen. Die Gruppen können entweder nur ein einziges oder auch mehrere Männchen enthalten. Ist ein Männchen alleiniger Haremsherrscher, steht es unter ständigem Druck anderer Männchen, die versuchen, die Gruppe zu übernehmen. Gelingt dies, kommt es nicht selten zum Infantizid (Kindstötung) und der neue Chef tötet alle Säuglinge. Er hat dadurch einen reproduktive Vorteil, da die Weibchen schon bald nach dem Verlust ihrer Kinder wieder in den Östrus kommen und empfangsbereit sind und sich mit ihm paaren [8][9].


Fortpflanzung

Der Sexualzyklus der Weibchen dauert etwa 24 Tage. Nach einer Tragzeit von rund 6 Monaten bringen sie in der Regel ein einzelnes Junges zur Welt. Bei ihrer ersten Geburt sind die Weibchen etwa 4½ Jahre alt, danach gebären sie im Durchschnitt alle 17 Monate. Geburten treten das ganze Jahr über auf, mit Ausnahme in Habitaten mit extremen jahreszeitlichen Schwankungen. Die Neugeborenen wiegen zwischen 0,8 und 1,2 kg und werden für ca. 10 - 12 Monate gesäugt, werden aber weitere 6 - 8 Monate von der Mutter betreut. In dieser Zeit kommt sie nicht in die Brunst. Oft geben die Mütter ihre Säuglinge zur Pflege an andere Weibchen ab, die derzeit keinen Nachwuchs haben (Allomothering). Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter zwischen 4 und 5 Jahren, Weibchen zwischen 3 und 4 Jahren. Die jungen Männchen verlassen danach ihre Geburtsgruppe und schließen sich Junggesellengruppen an [6].


Gefahren

Die Lebenserwartung der Bengalischen Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) beträgt in freier Wildbahn durchschnittlich 20 Jahre, in Gefangenschaft können sie 25 Jahre alt werden. Natürliche Feinde sind Leoparden (Panthera pardus), Tiger (Panthera tigris), Asiatische Wildhunde (Cuon alpinus), möglicherweise auch Wölfe (Canis lupus) und Goldschakale (Canis aureus) [1]. Einem Bericht zufolge haben sich Bengalische Hanuman-Languren auf Schlangen gestürzt und die gefährlichen Reptilien auf diese Weise vertrieben [7].

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Bengalischer Hanuman-Langur in Ranakpur, Indien in der dortigen Tempelanlage aus dem 15. Jahrhundert

Molur et al. (2003) listet folgende Bedrohungen für Bengalische Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) auf: intensive Landwirtschaft, Verlust von Lebensraum, Mensch-Tier-Konflikte und Brände. Die Jagd zum Zwecke der Nahrungsbeschaffung ist in Andhra Pradesh und Orissa weit verbreitet und geht hauptsächlich von Menschen aus, die sich dort neu angesiedelt haben [5].

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art wegen ihrer weiten Verbreitung, wegen ihrer Fähigkeit in verschiedensten Lebensräumen zu leben und wegen der großen Zahl der Individuen derzeit als nicht gefährdet (Least Concern) ein. Sollt sich der Jagdruck jedoch erhöhen, z.B. Andhra Pradesh und Orissa, müsse lt. IUCN die Art neu bewertet werden [4].


Systematik


Literatur

[1] Andheria et al., 2007; [2] Brandon-Jones, 2004; [3] Macdonald, 2001; [4] Mitra, S. & Molur, S. 2008. Semnopithecus entellus. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.2. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 07 August 2010; [5] Molur et al., 2003; [6] Rowe, 1996; [7] Srivastava, 1991; [8] Struhsaker und Leland, 1987; [9] Hrdy, 1974
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