Steckbrief

IUCN Status
Endangered / stark gefährdet
Jaguarundi (Puma yaguaroundi)
Weiblicher Amur-Tiger
Physiologie*
Gewicht (kg): 270-310 240-265
Körperlänge (cm): 110-250 160-190
Fortpflanzung
Tragzeit (Tage): ca. 103
Junge pro Wurf: 2 - 3
*Daten nach Macdonald (2006)

Verbreitung

 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Der Tiger (Panthera tigris) ist wegen seines leuchtend orangenen Fells und den vertrauten Streifenmustern, sowie durch seine Größe eine leicht erkennbare Großkatze. Wie die Löwen (Panthera leo) in Afrika haben Tiger in Indien und Südostasien eine lange Geschichte. Im Leben der Menschen in diesen Regionen hat der Tiger eine starke Präsenz - sie werden in allerlei Kunstwerken dargestellt, als Gottheiten verehrt oder als "Menschenfresser" gefürchtet. Der männliche Sibirische Tiger ist die größte Katze der Welt, mit einem absoluten Rekordgewicht von 384 kg.

Aussehen

Die Grundfarbe des Fells ist rötlich-gelb und mit dunkelbraunen bis schwarzen Steifen besetzt. Die Unterseite und die Innenseiten der Gliedmaßen sind cremefarben, manchmal mit einem leichten Gelbstich. Der Kopf hat eine gewölbte Stirn und eine relativ lange Schnauze, das Gesicht ist von einer Krause aus längeren Haaren umrahmt, die Nasenspitze ist rosa und manchmal mit schwarzen Flecken übersät. Die Iris der Augen ist gelb, die Pupillen sind rund. Ihre kurzen, abgerundeten Ohren sind auf der Rückseite schwarz mit einem auffälligen weißen Fleck in der Mitte. Die Vorderbeine sind kräftiger gebaut als die Hinterbeine, die Füße sind groß. Der relativ lange Schwanz ist mit schwarzen Streifen und Ringen gemustert, die Spitze ist in der Regel schwarz.

Geschichte

In der Vergangenheit, als die Wälder und Grasländer noch mit gesunden Populationen der verschiedensten Beutetiere bevölkert waren, gab es viel mehr Tiger als heute. Fossilien von Tigern deuten darauf hin, dass sich die Großkatze in Sibirien entwickelte - einige Überreste wurden sehr weit im Norden, am Rand des arktischen Ozeans gefunden, weit entfernt von den heutigen Rückzugsgebieten des Tigers. Die Gewohnheit, der Hitze des Tages in der Nähe von Gewässern oder in kühlen Wäldern zu entgehen, deutet darauf hin, dass sie sich leicht überhitzen können und ihr Ursprung in Regionen mit kälterem Klima liegt.


Kopf des Leoparden
Tigerin mit Riss im Ranthambore National Park, Rajasthan

Beutespektrum

Tiger sind hauptsächlich nachtaktiv, aber vor allem im Winter in den nördlichen Regionen seines Verbreitungsgebiets können sie auch während des Tages aktiv sein. Sie scheinen sich in erster Linie auf ihre Augen und ihr Gehör zu verlassen, Gerüche spielen offensichtlich eine geringere Rolle. Wie viele andere Katzen schleichen sie sich an ihre Beute heran. Dabei nutzen sie jede verfügbare Deckung und verschmelzen förmlich mit der umgebenden Vegetation. Sie nähern sich der Beute von der Seite oder von hinten und versuchen, so nah wie möglich heranzukommen, bevor sie zum Sprung ansetzen und das Opfer mit einem Kehlbiss töten. Tiger jagen meist große Säugetiere, darunter verschiedene Hirscharten, Steinböcke, Antilopen, Büffel und Wildschweine. Auch kleinere Beute wie Affen, Vögel, Reptilien und Nutztiere gehören zum Speiseplan.

Einige Tiger, vor allem in den Sundarbans in Indien, erlangten große Berühmtheit, da sie zu "Menschenfressern" wurden - aber das ist keineswegs ein allgemeines Phänomen. In einigen seltenen Fällen können Tiger Menschen töten, dabei handelt es sich aber meist um alte oder verletzte Katzen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre eigentlichen Beutetiere zu jagen.

Tiger zerren ihre Beute oft in die Nähe von Wasser, so dass sie abwechselnd trinken und fressen können. Oft bleiben sie beim Riss, um dreiste Aasfresser abzuschrecken oder sie bedecken die Reste der Mahlzeit mit Pflanzen, um sie zu verstecken. Drei Voraussetzungen muß ein Lebensraum haben, damit sich Tiger wohlfühlen: ausreichende Deckung, ganzjähriger Zugang zu Wasser und eine sichere Versorgung mit großen Beutetieren.

Fortpflanzung

Tiger können sich übers Jahr jederzeit paaren, am häufigsten tun sie dies aber von November bis April. Weibchen werden im Abstand von drei bis neun Wochen rollig, die Empfängnisbereitschaft dauert drei bis sechs Tage. Als Versteck für die Geburt wählt die Tigerin in der Regel einen Platz unter umgestürzten Bäumen, im Schutz von Felsen oder in dichter Vegetation. Nach einer Tragzeit von 93 bis 111 Tagen kommen ein bis sieben, meist zwei oder drei Junge zur Welt. Die Kleinen wiegen bei der Geburt zwischen 760 - 1.600 Gramm, ihre Augen öffnen nach sechs bis 14 Tagen. Sie werden bis zu sechs Monate gestillt und begleiten die Mutter im Alter zwischen 10 und 12 Monaten bei der Jagd. Junge Tiger trennen sich von der Mutter nach 18 bis 24 Monaten. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter zwischen 36 und 48 Monaten, Männchen erst mit 48 bis 60 Monaten. In Gefangenschaft wurden Tiger bis zu 25 Jahre alt.

Tiger Handaufzucht
Tiger Handaufzucht.

Bedrohung und Schutz

Die American Association of Zoological Parks and Aquariums (AZA) wählte für ihren ersten Species Survival Plan (SPP) den sibirischen Tiger. Heute gibt es mehr Sibirische Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn. Dieses Programm ist auch für den Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) erfolgreich angewendet worden, wie auch für andere große Raubkatzen. Neue Reproduktionstechniken, wie in-vitro-Fertilisation oder Embryotransfer haben dazu geführt, dass es heute in Gefangenschaft wieder viele Tiger gibt.

Wegen ihres prächtigen Fells und ihrer Größe wurden Tiger lange von Trophäenjägern verfolgt. Weitere Bedrohungen sind die Verfolgung als "Menschenfresser" und Viehräuber, Wilderei wegen verschiedener Körperteile, der Verlust von Lebensraum und der Tierhandel. Berichten zufolge gibt es mindestens 3.000 Löwen, Tiger und Leoparden, die allein in Italien als Haustiere gehalten werden. Die schlimmste Sünde dieser privaten Tierhalter ist es, dass sie kaum Anstrengungen unternehmen, die Großkatzen zu züchten um so einigen Druck von den verbleibenden Wildpopulationen zu nehmen.

Das Überleben der Tiger wird mehr und mehr unwahrscheinlicher, weil ihnen rücksichtslose und gut organisierte Wilderer wegen ihrer Knochen und anderer Körperteile für die traditionelle chinesische Medizin zuleibe rücken. In wenigen Jahren könnte es nur noch einige verstreute, in den Wäldern Asiens überlebende Tiger geben, in ein paar Jahrzehnten könnten sie vollständig ausgerottet sein. Der Tiger gehört zu den weltweit am stärksten bedrohten Tiere.

Es gibt acht anerkannte Unterarten: Der kaspische Tiger (P. t. virgata), der Java-Tiger (P. t. sondaica) und der Bali-Tiger (P. t. balica) sind inzwischen ausgestorben. Der südchinesische Tiger (P. t. amoyensis, 30 Katzen), der Sumatra-Tiger (P. t. sumatrae, 200 Individuen) und der Sibirische oder Amur-Tiger (P. t. altaica, ca. 450 Individuen in freier Wildbahn) sind auf dem besten Weg dazu. Die indo-chinesische Population (P. t. corbetti) wird auf rund 1.100 Tiere geschätzt, es gibt aber nur wenige Studien, die diese Zahlen stützen. Die überlebenden Bengal-Tiger (P. t. tigris) werden heute auf 2.000 Individuen geschätzt, ein drastischer Rückgang von 3.000 - 4.500 Individuen seit der letzten Zählung im Jahr 1998. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES hat alle Unterarten auf Anhang I platziert.

Kulturgeschichte

Das Wort „Tiger“ wurde aus lat. tigris entlehnt, stammt aber letztlich aus einer orientalischen, vermutlich einer iranischen Sprache. Manche Forscher vermuten eine Verwandtschaft mit avestisch tigri- „Pfeil“ und altpersisch tigra „spitz“.

Im antiken Griechenland wurden Tiger erst durch die Feldzüge Alexanders des Großen in Asien bekannt.

Der erste Tiger in Rom war ein Geschenk an Augustus aus Indien im Jahre 19 v. Chr. Der zweite Tiger wurde zur Eröffnung des Marcellus-Theaters im Jahre 11 v. Chr. der Bevölkerung gezeigt. Während der Hochzeit Elagabals wurden 51 Tiger vorgeführt und getötet.

Die berühmtesten Tiger der Literaturgeschichte sind wohl Shir Khan aus Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ und Tigger aus A. A. Milnes „Pu der Bär“. Schota Rustawelis „Der Recke im Tigerfell“ gilt als das Nationalepos Georgiens. William Blakes Gedicht „Der Tiger“ ist eines der bekanntesten Gedichte der englischen Romantik. 2002 gewann Yann Martel mit dem Roman „Schiffbruch mit Tiger“ den Booker Prize.

In China galt der Tiger als Symbol für den Westen, den Herbst sowie für Tapferkeit. Auch kam ihm eine gewisse Rolle in Exorzismus und Heilkunde zu. Schließlich gehört er als 3. Tier des chinesischen Tierkreis an. In der Qing-Dynastie war er Abzeichen der Offiziere des 4. Rangs bzw. - als "junger Tiger" - des 6. Rangs.


David W. Macdonald (Hrsg). The Encyclopedia of Mammals. Oxford University Press; Auflage: New edition (12. Oktober 2006)

Chundawat, R.S., Habib, B., Karanth, U., Kawanishi, K., Ahmad Khan, J., Lynam, T., Miquelle, D., Nyhus, P., Sunarto, S., Tilson, R. & Sonam Wang 2011. Panthera tigris. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 19 August 2012 .

Sunquist, M., F. Sunquist. 2002. Wild Cats of the World. Chicago: University of Chicago Press.

Thapar, V. 2005. Wild Tigers of Ranthambhore. New Delhi, NY: Oxford University Press.

Ullasa, K. 2001. The Way of the Tiger. Stillwater, MN: Voyageur Press.