Steckbrief

IUCN Status
Near Threatened / gering gefährdet
Pampaskatze Portrait
Physiologie*
Gewicht: 3,5- 6,5 kg
Kopf-Rumpf-Länge: 52 - 70 cm
Schwanzlänge: 27 - 33 cm
Fortpflanzung
Tragzeit (Tage): 80 - 85
Junge pro Wurf: 1 - 3
Geburtsgewicht: 60 - 100 g
Geschlechtsreife
nach Monaten: 24 18
*Daten nach Macdonald (2006)

Verbreitung

 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Die Kleinfleckkatze oder Salzkatze (Leopardus geoffroyi, Oncifelis geoffroyi) ist eine kleine, kaum bekannte Katze aus Südamerika, obwohl sie in ihrem Lebensraum offensichtlich recht häufig anzutreffen ist.

Aussehen

Die Fellfarbe der Kleinfleckkatze bewegt sich in den nördlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiets von ocker bis zu silbergrau im Süden. Das Fell besitzt zahlreiche kleine, runde, fast gleichgroße Flecken, die in fast identischen Abständen zu einander liegen und auf der Brust eine Art „Halskette” bilden. Auf dem Kopf befinden sich mehrere schwarze Streifen und zwei auf jeder Backe. Die Körperunterseite ist heller und ebenfalls mit schwarzen Punkten versehen. Die Beine sind recht kräftig, mit schwarzen Ringen im oberen Bereich versehen, die sich zu den Pfoten hin zu kleineren Punkten wandeln. Der Schwanz, der die Hälfte der Kopf-Rumpf-Llänge misst, ist mit mehreren schwarzen Ringen versehen und endet mit einer schwarzen Spitze. Die großen Ohren sind gerundet, auf der Rückseite schwarz mit weißen, zentralen Stellen. Die Iris der Augen reicht von goldfarben bis grünlich-grau.

Zusätzlich zur gefleckten Form gibt es eine schwarze Art (Melanismus) der Kleinfleckkatze, die man gewöhnlich in stark bewaldeten Gebieten findet. Die größten Vertreter ihrer Art findet man in den südlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiet, wo ihr Fell länger und heller ist. Weiter nördlich, z.B. in Paraguay, ist die Kleinfleckkatze kleiner und dunkler gefärbt. Katzen aus Nordargentinien wurden wegen ihrer undeutlichern Flecken früher als eine getrennte Spezies betrachtet und waren unter dem Namen „Salzkatzen” bekannt. In einigen Gebieten sehen Kleinfleckkatzen einer verwandten Spezies, der Chilenischen Waldkatze (Leopardus guigna), auch Kodkod genannt, sehr ähnlich.

Lebensraum

Die Kleinfleckkatze bewohnt eine Vielfalt an Lebensräumen, so etwa die Pampa, hügeliges oder gebirgiges Gelände, strauchbedecke Graslandschaften, trockene Waldgebiete oder die alpine Salzwüste in Argentinien. Nicht anzutreffen ist sie dagegen im tropischen Regenwald oder in den etwas südlicher gelegenen Laubwäldern. Kleinfleckkatzen meiden offene Landschaften und ziehen dichte, struppige Vegetation vor. Sie sind sind in Höhen von Meeresspiegelniveau bis zu 3.300 Metern in Bolivien, Argentinien, Paraguay und Brasilien beobachtet worden. Man findet sie an den Ausläufern der patagonischen Anden, jedoch nicht in Nadelwäldern, die bereits von der chilenischen Waldkatze besetzt sind. Die Kleinfleckkatzen teilen sich aber große Lebensräume mit der Pampaskatze (Leopardus colocolo).

Kleinfleckkatze (Leopardus geoffroyi)
Kleinfleckkatze im Dudley Zoo

Kleinfleckkatzen sind hauptsächlich, aber nicht ausschließlich bodenbewohnende Katzen, die aber gut klettern und auch schwimmen können. Einheimische nennen sie daher oft auch Fischkatze, da sie keine Scheu vor dem Wasser zeigt. In Chile wurde ein Weibchen bekannt, das einen schnellfließenen, 30 Meter breiten Fluss wenigstens 20 Mal überquert hat. Im Allgemeinen wird sie aber als „gato montes” bezeichnet, was soviel wie „Katze aus den Bergen” bedeutet. Als größtenteil nachtaktive Katze, verschlafen sie den Tag in Bäumen oder dichter Vegetation. Ihre Beute sind Vögel und kleine Säugetiere wie Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und Pakas, Frösche, Fische, Eidechsen und Insekten. Kleinfleckkatzen sind zweimal beobachtet worden, wie sie einen europäischen Feldhasen (vom Menschen in Südamerika eingeschleppt!) erbeutet und den Kadaver in die Bäume gezerrt haben, ähnlich wie das der afrikanische Leopard mit seiner Beute tut.

Radiotelemetrische Untersuchungen haben gezeigt, dass die durchschnittliche Größe der Territorien von fünf erwachsenen Männchen bei 9,21 km² lag. Ein Weibchen hatte ein Territorium von 5,16 km², andere Weibchen dagegen nur 2,33 km². Die Reviere der Weibchen überlappten sich, während jene der Männchen dies nicht taten. Die Populationsdichte in Lebensräumen mit gutem Nahrungsangebot wurde auf 1,2 Kleinfleckkatzen pro 10 km² geschätzt.

Fortpflanzung

Die Tragzeit der Kleinfleckkatze dauert 80 - 85 Tage. Der Wurf besteht aus ein bis vier Jungtieren, die jährlich gut geschützt zwischen Felsen, in einer gut geschützten Höhle oder unter dichtem Buschwerk geboren werden. Die Jungtiere wiegen bei der Geburt 60 - 100 g. Nach acht bis zehn Wochen sind sie entwöhnt und die Geschlechtsreife wird von weiblichen Kleinfleckkatzen nach etwa 18 Monaten erreicht, von Männchen etwa nach zwei Jahren. Im Vergleich zur Hauskatze entwickelt sich die Kleinfleckkatze recht langsam und kann ein Alter von 18 Jahren erreichen.

Gefährdung, Schutz

Ihr aktueller Bestand in Gefangenschaft ist wie bei allen kleinen Katzen recht niedrig. Weniger als 20 Katzen haben zum aktuellen Genpool in den Zoos beigetragen, was Inzucht zu einem kritischen Faktor macht. Die in Zoos gehaltenen Kleinfleckkatzen sind allesamt Mischlinge der verschiedenen Unterarten oder ihre Abstammung ist unbekannt.

Vor kurzem ist eine neue Bedrohung für das überleben der Kleinfleckkatze aufgetaucht. Züchter von Hauskatzen haben bei ihrem Drang, immer neue und außergewöhnlichen Kunstrassen zu produzieren, angefangen, Kleinfleckkatzen mit einer Vielzahl von Rassen der Hauskatze zu kreuzen und haben somit einen Hybriden, bekannt als Safari-Katze, geschaffen. Diese skrupellosen Machenschaften dünnen den Genpool der Kleinfleckkatze weiter aus und gefährden somit wissenschaftliche Erhaltungsprogramme.

Kleinfleckkatzen können sich, anders als andere kleine Katzen Südamerikas, recht schnell an neue Lebensräume anpassen und sich an die Nähe des Menschen gewöhnen. Sie wandern selten aus vom Menschen gestörten Habitaten ab, wie das andere Kleinkatzen tun, und nutzen den entstandenen Rückgang an Nahrungskonkurrenten geschickt aus. Kleinfleckkatzen können leicht gefangen und gezähmt werden und viele Menschen halten sie als Haustiere, damit sie Jagd auf Ratten, Mäuse und andere Nagetiere machen. In einigen Gebieten werden sie als Bedrohung für das Geflügel des Menschen angesehen und sofort erschossen, sobald sie in Sichtweite kommen. In anderen Gebieten gelten sie als Delikatesse.

Es gibt Befürchtungen, dass die vergangenen Jahrzehnte, in denen die Kleinfleckkatze gejagt werden durfte, den Bestand drastisch reduziert haben. Obwohl heutzutage illegal, werden Felle der Kleinfleckkatze fortgesetzt auf Märkten in Paraguay und Uruguay angeboten. Man weiß so wenig über die ökologischen Anforderungen dieser Katzen, dass es unmöglich ist, die Auswirkungen von Wilderei oder Lebensraumverlust zu beurteilen. Kleinfleckkatzen sind in allen Staaten ihres Verbreitungsgebiets strengstens geschützt und das Washinghtoner Artenschutzabkommen listet sie seit 1992 in Anhang I.

Bezüglich des wissenschaftlichen Namens gibt es Unstimmigkeiten zwischen Leopardus geoffroyi oder Oncifelis geoffroyi. Zunächst wurde sie als Leopardus geoffroyi zur Verwandtschaft des Ozelots gerechnet, danach aber eher in die Gattung Oncifelis eingruppiert, zu der noch die Pampaskatze und die Chilenische Waldkatze gerechnet wurden. Wilson & Reeder (2005) führten schließlich die Gattungen Leopardus und Oncifelis zur Gattung der Pardelkatzen (Leopardus) zusammen.


David W. Macdonald (Hrsg). The Encyclopedia of Mammals. Oxford University Press; Auflage: New edition (12. Oktober 2006)

Lucherini, M., de Oliveira, T. & Acosta, G. 2008. Leopardus geoffroyi. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 19 August 2012 .

Johnson, W., J. Slattery, E. Eizirik, J. Kim, M. Raymond. 1999. Disparate phylogeographic patterns of molecular genetic variation in four closely related South American small cat species. Molecular Ecology, 8 (12): S79-S94.

Novaro, A., M. Funes, R. Walker.1999. Ecological extinction of native prey of a carnivore assemblage in Argentine Patagonia. Biological Conservation, 92 (2000): 25-33.

Nowak, R. 1999. Walker's Mammals of the World, Sixth Edition. Baltimore and London: The Johns Hopkins University Press.