Zwei neue geophagine Buntbarscharten entdeckt und beschrieben

Zwei neue geophagine Buntbarscharten entdeckt und beschrieben

Meldung vom 13.12.2015 22:31

Fernab des gut untersuchten Mitteleuropas können hin und wieder noch neue Wirbeltiere entdeckt werden. Die jüngste Neubeschreibung zweier Arten gelang nun anhand von geophaginen Zwergbuntbarschen aus entlegenen Gebieten des Amazonas-Systems in Peru.

151213-2232_medium.jpg
 
Oben: Apistogramma wolli sp. n. im Aquarium fotographiert (© Römer et al. 2015). Im Vordergrund ist das Weibchen zu sehen, welches eine Gruppe des Nachwuchses führt. Im Hintergrund der Bruthöhle steht das deutlich größere Männchen. Beide zeigen entsprechend Stimmung und Rang hier eine dominante Färbung. Unten: Apistogramma fenocat sp. n. im Aquarium fotographiert (© Römer et al. 2015). Es ist ein territoriales dominantes Männchen zu sehen. Kennzeichnend für diese Art sind unter anderem die violett gefärbte Rückenflosse und ein zweiter, etwas undeutlicherer, Fleck auf der Körperseite.

Original-Publikation:
Römer, U., D.P. Soares, C.R. García Dávila, F. Duponchelle, J.-F. Renno & I. Hahn (2015): Re-description of Apistogramma payaminonis Kullander, 1986, with descriptions of two new cichlid species of the genus Apistogramma (Teleostei, Perciformes, Geophaginae) from northern Peru. Vertebrate Zoology 65(3): 287-314

Quelle: idw-online

Für dieses Unterfangen waren Expeditionen mit Sammeltätigkeit notwendig sowie danach Vergleiche mit dem Typenmaterial anderer Fische in naturkundlichen Museen, das Hinterlegen von Belegexemplaren und die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse.

Eine internationale Forschergruppe um die deutschen Wissenschaftler Uwe Römer und Ingo Hahn veröffentlichte nun im Journal Vertebrate Zoology die beiden Neubeschreibungen mit Ergebnissen zur Taxonomie, geographischen Verbreitung und Geoökologie. Apistogramma fenocat sp. n. und Apistogramma wolli sp. n. wurden die beiden neuen Fischarten benannt. Der Zusatz sp. n. (species nova), der aus dem Lateinischen kommend „neue Art“ bedeutet und eine Erstbeschreibung kennzeichnet, ist in solchen Publikationen stets zu forderst anzugeben. „Beide Arten sind sehr farbenprächtig und unterscheiden sich deutlich durch mehrere Körpermerkmale und Lebensweisen von einer verwandten dritten Art (Apistogramma payaminonis)“, so Prof. Dr. Ingo Hahn von der Hochschule München.

Apistogramma wolli etwa zeigt große Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Neben der reinen Körpergröße betrifft dies auch Färbung einzelner Körperpartien und die Ausdehnung schwarzer Streifen bzw. Flecken. Gemeinsam haben sie unter anderem je einen dunklen Fleck auf der Körperseite und an der Schwanzwurzel. Der natürliche Lebensraum der Art sind einige Regenwaldbäche mit Schwarzwasser (schwarz durch Huminstoffe) im Grenzgebiet von Peru und Ekuador. Die Fische nutzen Laub und Treibholz als Deckung, um auf dem sandigen Bachbett nicht gesehen zu werden. Das Schwarzwasser hat dort eine Temperatur von ca. 20-25°C, einen leicht sauren pH-Wert von etwa 6 und eine geringe Leitfähigkeit von nur 40-60 yS/cm.

Weil Apistogramma fenocat von Zuflüssen des Rio Tigre stammt, wurde der Name in Anlehnung an die „Federation of the Native Communities of the Tigre“ (FECONAT) vergeben. Diese ist bestrebt, den dortigen Naturraum und die Stammesgebiete der lokalen Bevölkerung zu erhalten – und sie vor einigen negativen Einflüssen der modernen Gesellschaft zu schützen. FECONATs Prioritäten reflektieren das moderne Konzept der Nachhaltigkeit in der Landnutzung: die Ausbeutung natürlicher Ressourcen – sowohl nachwachsend als auch fossil – sollte nicht auf zerstörerisch-invasive Art erfolgen, sondern mit einem Schwerpunkt auf Erneuerbarkeit und Fairness im Handel, etwa um die wirtschaftlichen und ökologischen Interessen der Lokalbevölkerung zu wahren. Apistogramma fenocat zeigt ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern, wobei die Männchen eine violette Rückenflosse und einen zweiten Seitenfleck zeigen.

Geoökologische und biologische Details zu dieser Art sind allerdings bisher nur begrenzt vorhanden. Und weil die Art aus einer Region Perus stammt, die kürzlich als nationales Katastrophengebiet deklariert wurde, werden dringend weitere Freilanddaten benötigt, um beurteilen zu können, ob sie aufgrund der lokalen Umweltveränderungen in ihrem Fortbestand gefährdet ist. Speziell großflächige Goldschürfaktivitäten und Erdölbohrungen gefährden die beschriebenen Zwergbuntbarsche potentiell, denn es konnte bereits nachgewiesen werde, dass die Fischarten der Gattung Apistogramma extrem sensibel gegenüber wasserchemischen Veränderungen sind. Daher ergeben sich bereits mit der Erstbeschreibung zwei Konsequenzen: erstens das Listen als potentiell gefährdete Arten sowie zweitens die genauere Erforschung von Lebensraum und Verbreitung dieser Fischspezies.


Archiv:

Meldung vom 19.01.2017 14:46

Weltweite Bedrohung von Primaten betrifft uns alle

Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) fordern zusammen mit einem internationalen Expertenteam s ...

Meldung vom 07.11.2016 16:07

Koboldmaki-Erbgut liefert neue Einblicke in die Evolution der Primaten

Ein Forscherteam hat das Koboldmaki-Erbgut analysiert und dabei neue Erkenntnisse über die Evolution der Prim ...

Meldung vom 07.11.2016 16:02

Wie Pflanzen die Welt erobern

Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Bislang war unklar, welche R ...

Meldung vom 07.11.2016 15:57

Rostocker Forscher entdeckt neue Krabbe an der Ostseeküste

Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach

Meldung vom 13.10.2016 14:21

Auf dem Weg nach Norden - Immer mehr Mittelmeerspinnen in Deutschland heimisch

Wärmeliebende Spinnenarten aus dem Mittelmeerraum werden zunehmend auch in Deutschland nachgewiesen.

Meldung vom 08.09.2016 16:22

Erbgutanalyse enthüllt: Es gibt nicht nur eine, sondern vier Giraffenarten

Senckenberg-Wissenschaftler und die Giraffe Conservation Foundation haben die genetischen Verwandtschaftsbezie ...

Meldung vom 06.09.2016 17:06

Ältere Schreikraniche initiieren neue Zugrouten - Reaktion auf Klima- und Landnutzungswandel

Der weltweite Klima- und Landnutzungswandel führt dazu, dass einzelne Vögel nicht mehr so weit gen Süden zi ...

Meldung vom 01.09.2016 20:07

Elefanten im Sinkflug

Neuer Report bestätigt den rasanten Rückgang Afrikanischer Elefanten.

Meldung vom 29.06.2016 19:35

Bisher unbekannte weltweite ökologische Katastrophe aufgedeckt

In der Erdgeschichte kam es mehrmals zu einem Massenaussterben mit entsprechenden Konsequenzen für die Umwelt ...

Meldung vom 07.06.2016 16:50

Neu- und Wiederansiedlungen von Luchsen erfordern größere Bestände

Um Luchse erfolgreich wiederanzusiedeln, spielt die Anzahl an ausgewilderten Tieren eine entscheidende Rolle. ...

Meldung vom 30.05.2016 18:53

Extremes Jagdverhalten macht Schweinswale anfällig für Störungen

Internationales Wissenschaftlerteam veröffentlicht Studie über Fressgewohnheiten

Meldung vom 30.05.2016 17:13

Gezielter Schutz für Borneos Raubtiere

Umwandlungen und Fragmentierung des natürlichen Lebensraums, Abholzung, illegales Jagen, Feuer: die Regenwäl ...

Meldung vom 25.05.2016 13:53

Menschenaffen kommunizieren kooperativ

Menschliche Sprache ist ein kooperatives Zusammenspiel und beinhaltet schnelle Rollenwechsel. Diese Art der ko ...

Meldung vom 23.05.2016 19:14

„Alien“ im Bernstein

Biologen der Universität Jena entdecken Bindeglied zwischen Gottesanbeterinnen und Schaben

Meldung vom 01.05.2016 17:23

Drei neue Affenarten auf Madagaskar entdeckt

Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ), der University of Kentucky, des amerikanischen Duke Lemu ...

Meldung vom 18.03.2016 20:30

Bei Tüpfelhyänen sind Nesthocker keine Verlierer

Männchen, die zu Hause bleiben, müssen keine Zweite-Klasse-Männchen sein, sondern können genauso viele Nac ...

Meldung vom 07.03.2016 16:42

Mehr Sumatra Orang-Utans als bisher angenommen

Der Sumatra Orang-Utan, eine der zwei existierenden Orang-Utan-Arten, lebt ausschließlich im Norden der indon ...

Meldung vom 07.03.2016 16:36

Wie kann man Fledermausarten am besten unterscheiden

Ein internationales Forscherteam hat erstmals verschiedene Methoden zur Artenbestimmung von Fledermäusen in P ...

Meldung vom 07.03.2016 16:31

Arbeitsteilung bei sozialen Insekten: Allrounder gegenüber Spezialisten bei Störungen im Vorteil

Fitnesskosten: Ameisenkolonien mit starker Spezialisierung haben bei plötzlichen Veränderungen geringere Üb ...

Meldung vom 07.03.2016 16:24

Neues zum Sexleben der Graumulle: Bewusst enthaltsam

Sie könnten zwar Nachkommen zeugen, leben aber meistens enthaltsam: Das ist das Schicksal zahlreicher Männch ...

Meldung vom 05.03.2016 07:20

Einige Vögel sind genauso schlau wie Affen: Forscher ergründen Gemeinsamkeiten in Hirnarchitektur

Einige Vogelgruppen sind mental ebenso schlau wie Menschenaffen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Prof. Dr. O ...

Meldung vom 02.03.2016 03:15

Invasion von Zellen durch pathogene Bakterien: Schlüssel zum Verständnis zur Herkunft der Eukaryote

Die Entstehung komplexer Zellen - sogenannter Eukaryoten - vor 2 Milliarden Jahren markierte einen entscheiden ...

Meldung vom 01.03.2016 11:10

Invasive Wasserfrösche zu dominant für einheimische Arten

Wasserfrösche haben sich in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren stark ausgebreitet. Mithilfe eines neu ...

Meldung vom 27.02.2016 02:40

Mutter-Kind-Kommunikation bei Schimpansen

Sprache wird bei uns Menschen mit Hilfe der Hände erlernt. Aber auch in der Kommunikation von Menschenaffen s ...

Meldung vom 11.02.2016 20:41

Warmes Bad in der Nordsee - Eingewanderte Krabbe breitet sich aus

Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben durch die Auswertung einer Langzeitstudie gezei ...

Meldung vom 11.01.2016 16:17

Mikroplastikpartikel in Speisefischen und Pflanzenfressern

Müll im Meer: Neue AWI-Studien zeigen, dass die Plastikreste in Nord- und Ostsee auch von Speisefischen und M ...

Meldung vom 08.01.2016 13:30

Wie die Taiga das Weltklima verändert

Botanikerin der Universität Jena analysiert die Folgen von Waldbränden in Sibirien

Ältere Nachrichten:

Anything in here will be replaced on browsers that support the canvas element