1000 neue Arten wissenschaftlich beschrieben

1000 neue Arten wissenschaftlich beschrieben

Meldung vom 22.02.2015 10:14

Sechs Wissenschaftler der Abteilung Arthropoda (Gliedertiere) am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn haben in den letzten zehn Jahren über tausend neue Arten beschrieben.

150222-1014_medium.jpg
 
Beispiele entdeckter Arten: (v links oben n. rechts unten): der Tausendfüßer Aphistogoniulus infernalis, Schwebfliege Palpada prietorum, Maikäfer Neoserica sapaensis, Erzwespe Dibrachys verovesparum
Bild: ©ZFMK, Bonn

Original-Publikation:
Dr. Dirk Ahrens, Dr. Bernhard Huber, Dr. Ximo Mengual-Sanchis, Dr. Ralph Peters, Dr. Dieter Stüning, Dr. Thomas Wesener Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere Adenauerallee 160, 53113 Bonn

Quelle: idw-online

Während sich das Interesse der Öffentlichkeit zunehmend auf mögliches Leben außerhalb unseres Planeten richtet, ist die Artenvielfalt auf unserem Planeten erst zu einem Bruchteil bekannt. Aktuellen Schätzungen zufolge existieren weltweit wohl über 8 Millionen Arten von Lebewesen. Davon sind bisher weniger als 2 Millionen wissenschaftlich bekannt und beschrieben.

Sechs Wissenschaftler der Abteilung Arthropoda (Gliedertiere) am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn leisten ihren Beitrag, diese Lücke zu füllen und haben in den letzten zehn Jahren über tausend neue Arten beschrieben. Die aus aller Welt stammenden Arten umfassen vor allem Maikäfer, Zitterspinnen, Tausendfüßer, Schwebfliegen und Spanner-Schmetterlinge. Während zahlreiche Arten von den Wissenschaftlern selbst auf Expeditionen gesammelt wurden, stammen andere aus den Sammlungen des Museums in Bonn oder anderer Museen.

In diesen „Schatztruhen“ warten die Arten nicht selten Jahrzehnte auf ihre Beschreibung. Der Prozess, eine Art als neu zu erkennen und wissenschaftlich zu beschreiben dauert oft lange und ist mit der akribischen Suche eines Kriminalisten zu vergleichen. Es muss sichergestellt werden, dass die Art sich tatsächlich von allen ähnlichen, bereits beschriebenen Arten unterscheidet. Im Zweifelsfall zeigt nur der Vergleich mit den Exemplaren, die ursprünglich für die Beschreibung der fraglichen Arten verwendet wurden, den sogenannten Typusexemplaren, ob es sich um eine bereits bekannte oder tatsächlich um eine neue Art handelt.

Gerade deswegen haben wissenschaftliche Einrichtungen wie das Museum Koenig eine wichtige Rolle als Archive der Biodiversität in Raum und Zeit.

Aufgrund der Umweltzerstörung verschwinden Arten in neuerer Zeit schneller als in den Millionen Jahren zuvor. Taxonomen oder Artenkenner befinden sich in einem Wettlauf mit der Zeit möglichst viele Arten zu beschreiben und zu dokumentieren bevor ein Teil dieser Vielfalt verschwindet.

Dabei sind nicht nur Arten, sondern auch Taxonomen im Aussterben begriffen. Für viele Tiergruppen mangelt es zunehmend an Artenkennern, und damit an Forschern, die das Fundament liefern für die Biologie und für verwandte Disziplinen. Natur- und Umweltschutz sind ebenso auf die Ergebnisse der Taxonomie angewiesen wie die Landwirtschaft, Teile der Medizin und die Evolutionsforschung. Die Vernachlässigung der taxonomischen Ausbildung an den Universitäten sowie fehlende Arbeitsstellen und unzureichende finanzielle Unterstützung sind nur drei von vielen Gründen für den Mangel an Taxonomen.

Gemeinsam mit Kollegen weltweit versuchen die Bonner Taxonomen hier gegenzusteuern. Traditionelle Ansätze der Erforschung unentdeckter Tierarten werden zunehmend mit moderner Technologie kombiniert. In einem integrativen Ansatz werden morphologische und molekulare Daten erhoben, die gemeinsam zur Charakterisierung von Arten verwendet werden. Zum Beispiel versuchen die Bonner Forscher durch die Nutzung der genetischen Fingerabdrücke jeder einzelnen Art die Bestimmung und Entdeckung zu beschleunigen. Die nächsten tausend Arten sollen nicht mehr zehn Jahre brauchen.


Archiv:

Meldung vom 19.01.2017 14:46

Weltweite Bedrohung von Primaten betrifft uns alle

Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) fordern zusammen mit einem internationalen Expertenteam s ...

Meldung vom 07.11.2016 16:07

Koboldmaki-Erbgut liefert neue Einblicke in die Evolution der Primaten

Ein Forscherteam hat das Koboldmaki-Erbgut analysiert und dabei neue Erkenntnisse über die Evolution der Prim ...

Meldung vom 07.11.2016 16:02

Wie Pflanzen die Welt erobern

Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Bislang war unklar, welche R ...

Meldung vom 07.11.2016 15:57

Rostocker Forscher entdeckt neue Krabbe an der Ostseeküste

Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach

Meldung vom 13.10.2016 14:21

Auf dem Weg nach Norden - Immer mehr Mittelmeerspinnen in Deutschland heimisch

Wärmeliebende Spinnenarten aus dem Mittelmeerraum werden zunehmend auch in Deutschland nachgewiesen.

Meldung vom 08.09.2016 16:22

Erbgutanalyse enthüllt: Es gibt nicht nur eine, sondern vier Giraffenarten

Senckenberg-Wissenschaftler und die Giraffe Conservation Foundation haben die genetischen Verwandtschaftsbezie ...

Meldung vom 06.09.2016 17:06

Ältere Schreikraniche initiieren neue Zugrouten - Reaktion auf Klima- und Landnutzungswandel

Der weltweite Klima- und Landnutzungswandel führt dazu, dass einzelne Vögel nicht mehr so weit gen Süden zi ...

Meldung vom 01.09.2016 20:07

Elefanten im Sinkflug

Neuer Report bestätigt den rasanten Rückgang Afrikanischer Elefanten.

Meldung vom 29.06.2016 19:35

Bisher unbekannte weltweite ökologische Katastrophe aufgedeckt

In der Erdgeschichte kam es mehrmals zu einem Massenaussterben mit entsprechenden Konsequenzen für die Umwelt ...

Meldung vom 07.06.2016 16:50

Neu- und Wiederansiedlungen von Luchsen erfordern größere Bestände

Um Luchse erfolgreich wiederanzusiedeln, spielt die Anzahl an ausgewilderten Tieren eine entscheidende Rolle. ...

Meldung vom 30.05.2016 18:53

Extremes Jagdverhalten macht Schweinswale anfällig für Störungen

Internationales Wissenschaftlerteam veröffentlicht Studie über Fressgewohnheiten

Meldung vom 30.05.2016 17:13

Gezielter Schutz für Borneos Raubtiere

Umwandlungen und Fragmentierung des natürlichen Lebensraums, Abholzung, illegales Jagen, Feuer: die Regenwäl ...

Meldung vom 25.05.2016 13:53

Menschenaffen kommunizieren kooperativ

Menschliche Sprache ist ein kooperatives Zusammenspiel und beinhaltet schnelle Rollenwechsel. Diese Art der ko ...

Meldung vom 23.05.2016 19:14

„Alien“ im Bernstein

Biologen der Universität Jena entdecken Bindeglied zwischen Gottesanbeterinnen und Schaben

Meldung vom 01.05.2016 17:23

Drei neue Affenarten auf Madagaskar entdeckt

Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ), der University of Kentucky, des amerikanischen Duke Lemu ...

Meldung vom 18.03.2016 20:30

Bei Tüpfelhyänen sind Nesthocker keine Verlierer

Männchen, die zu Hause bleiben, müssen keine Zweite-Klasse-Männchen sein, sondern können genauso viele Nac ...

Meldung vom 07.03.2016 16:42

Mehr Sumatra Orang-Utans als bisher angenommen

Der Sumatra Orang-Utan, eine der zwei existierenden Orang-Utan-Arten, lebt ausschließlich im Norden der indon ...

Meldung vom 07.03.2016 16:36

Wie kann man Fledermausarten am besten unterscheiden

Ein internationales Forscherteam hat erstmals verschiedene Methoden zur Artenbestimmung von Fledermäusen in P ...

Meldung vom 07.03.2016 16:31

Arbeitsteilung bei sozialen Insekten: Allrounder gegenüber Spezialisten bei Störungen im Vorteil

Fitnesskosten: Ameisenkolonien mit starker Spezialisierung haben bei plötzlichen Veränderungen geringere Üb ...

Meldung vom 07.03.2016 16:24

Neues zum Sexleben der Graumulle: Bewusst enthaltsam

Sie könnten zwar Nachkommen zeugen, leben aber meistens enthaltsam: Das ist das Schicksal zahlreicher Männch ...

Meldung vom 05.03.2016 07:20

Einige Vögel sind genauso schlau wie Affen: Forscher ergründen Gemeinsamkeiten in Hirnarchitektur

Einige Vogelgruppen sind mental ebenso schlau wie Menschenaffen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Prof. Dr. O ...

Meldung vom 02.03.2016 03:15

Invasion von Zellen durch pathogene Bakterien: Schlüssel zum Verständnis zur Herkunft der Eukaryote

Die Entstehung komplexer Zellen - sogenannter Eukaryoten - vor 2 Milliarden Jahren markierte einen entscheiden ...

Meldung vom 01.03.2016 11:10

Invasive Wasserfrösche zu dominant für einheimische Arten

Wasserfrösche haben sich in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren stark ausgebreitet. Mithilfe eines neu ...

Meldung vom 27.02.2016 02:40

Mutter-Kind-Kommunikation bei Schimpansen

Sprache wird bei uns Menschen mit Hilfe der Hände erlernt. Aber auch in der Kommunikation von Menschenaffen s ...

Meldung vom 11.02.2016 20:41

Warmes Bad in der Nordsee - Eingewanderte Krabbe breitet sich aus

Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben durch die Auswertung einer Langzeitstudie gezei ...

Meldung vom 11.01.2016 16:17

Mikroplastikpartikel in Speisefischen und Pflanzenfressern

Müll im Meer: Neue AWI-Studien zeigen, dass die Plastikreste in Nord- und Ostsee auch von Speisefischen und M ...

Meldung vom 08.01.2016 13:30

Wie die Taiga das Weltklima verändert

Botanikerin der Universität Jena analysiert die Folgen von Waldbränden in Sibirien

Ältere Nachrichten:

Anything in here will be replaced on browsers that support the canvas element