Husarenaffe (Erythrocebus patas)

Meerkatzen, Makaken und Paviane

Husarenaffe (Erythrocebus patas)

Husarenaffen (Erythrocebus patas) sind bodenlebende, tagaktive Primaten aus der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae). Ihre Lebensräume erstrecken sich südlich der Sahara und nördlich der äquatorialen Wälder vom Senegal bis in den Westen Äthiopiens. Im Süden reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Kenia und ins nördliche Tansania, wo sie die Akazienwälder östlich des Lake Manyara im Serengeti Nationalpark bewohnen [1]. Einige isolierte Subpopulationen findet man im Aïr- Hochgebirge im Niger und auf dem Ennedi Plateau im Tschad, wo sie in Höhenlagen bis 2.000 m leben [3].


Lebensraum

Als Bodenbewohner halten sich Husarenaffen (Erythrocebus patas) hauptsächlich in offenem Gelände auf. Sie leben in Grassavannen, trockenen und dichten Wäldern mit hohem Gras und Gebüschen. Sie vertragen recht trockene Umweltbedingungen, so leben einige Populationen am Südrand der Sahara. Einige Individuen sind aber auch in feuchten Wäldern in der Überschwemmungszone im Delta des Senegal-Flusses gesehen worden. In den trockeneren Gebieten, in denen Husarenaffen (Erythrocebus patas) normalerweise leben, kann die Verfügbarkeit von Wasser ein limitierender Faktor sein [2].


Aussehen

Husarenaffen (Erythrocebus patas) haben ein struppiges, rötlich gefärbtes Fell. Die Bauchseite ist weiß, ebenso das Gesäß, die Beine, Arme, Hände und Füße. Der Kopf mit seinem schwarzen Gesicht und dem weißen Schnurrbart ist oben hellrot mit einem schwarzen Streifen, der vom Gesicht zu den Ohren verläuft. Männchen haben einen leuchtend blauen Hodensack, der Penis ist rot [5].

Husarenaffen (Erythrocebus patas) haben einen schlanken Körper, lange Beine für die schnelle, vierbeinige Fortbewegung auf dem Boden, und einen vorstehenden Brustkorb. Husarenaffen (Erythrocebus patas) sind mit gemessenen 55 km/h die schnellsten Primaten der Welt. Sie bewegen sich auf ihren Fingern fort (Zehengänger, digitigrad) und nicht wie andere Meerkatzenverwandten auf den Handflächen (Sohlengänger, palmigrad). Als Altweltaffen (Catarhini) haben sie dicht beieinander liegende und nach unten gerichtete Nasenlöcher. Als Primaten haben sie nach vorn gerichtete Augen, die ihnen räumliches Sehen ermöglichen. Sie erreichen eine Körperlänge von 58 - 75 cm und eine Schwanzlänge von 62 - 74 cm. Weibchen erreichen ein Gewicht von 5,7 kg, Männchen 10,6 kg [5].


Ernährung

Husarenaffen (Erythrocebus patas) sind Allesfresser. Sie ernähren sich von Akazienfrüchten, Galläpfeln, Blättern und anderen Früchten. Geschmack finden sie auch an Baumharzen und so manchen Nutzpflanzen des Menschen. Ihren Speiseplan ergänzen sie mit tierischem Eiweiß in Form von Insekten.

Husarenaffen im Houston Zoo
Husarenaffen im Zoo Houston, Texas

Fortpflanzung

Die Fortpflanzungszeit scheint mit der geographischen Ausbreitung der Husarenaffen (Erythrocebus patas) etwas zu variieren. In einigen Populationen finden die Paarungen von Juni bis September statt, der Nachwuchs wird zwischen November und Januar geboren. Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 4 bis 4½ Jahren, Weibchen bereits im Alter von 3 Jahren - danach bekommen sie etwa einmal pro Jahr Nachwuchs. Nach der Tragzeit, die auf etwa 170 Tage geschätzt wird, kommt ein einzelnes Junges zur Welt, das im Alter von 12 Monaten entwöhnt wird [5][4][3].

Die jungen Männchen verlassen mit Erreichen der Geschlechtsreife ihre Geburtsgruppe, während die Weibchen ein Leben lang bleiben und eine enge Beziehung zu ihren Müttern pflegen. Die Gruppen der Husarenaffen (Erythrocebus patas) zählen 5 - 34 Individuen und bestehen aus einem erwachsenen Männchen und mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Zwar herrscht ein polygynes Paarungsystem vor, jedoch kann es vorkommen, dass sich in der Fortpflanzungssaison mehrere einzelgängerische Männchen der Gruppe anschließen - in der Hoffnung ebenfalls kopulieren zu können. Die dominanten Männchen drohen den Eindringlingen und versuchen sie zu verjagen - der Wettbewerb um reproduktive Weibchen ist bei polygynen Primatenarten wie Husarenaffen (Erythrocebus patas) wegen der unterschiedlichen Erfolgsaussichten der Männchen sehr intensiv [4].


Gruppenleben

Die Reviere der Husarenaffen (Erythrocebus patas) sind mit 3.200 - 5.200 ha (manchmal bis zu 8.000 ha) sehr groß und können sich bis zu 60% überlappen. Die Gruppen gehen sich meist aus dem Weg - kommen sie sich zu nahe, kann dies zu aggressivem Verhalten der Weibchen führen. Aggressive Interaktionen können auftreten, wenn die Gruppen aus dem gleichen Wasserloch trinken. Männchen halten sich aus territorialen Streitigkeiten meist heraus und sind eher damit beschäftigt, nach Raubtieren oder fremden Männchen Ausschau zu halten. Husarenaffen (Erythrocebus patas) legen bei der täglichen Futtersuche innerhalb ihrer Reviere bis zu 11,8 km zurück. Während des Tages ruhen die Trupps oft im Schatten eines Baumes. Jeder erwachsene Affe schläft in einem separaten Baum. Sie schlafen in zwei aufenander folgenden Nächten nie in den gleichen Bäumen [5].

Husarenaffenweibchen (Erythrocebus patas) mit Kind
Husarenaffenweibchen mit trinkendem Baby im Southwick's Zoo, Mendon, Massachusetts.

Im Hinblick auf gruppeninterne Beziehungen ist die soziale Organisation kaum bekannt. Dominanzhierarchien wie bei anderen Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) sind bei Husarenaffen (Erythrocebus patas) nicht ersichtlich. Allerdings wurde beobachtet, dass es ein Netz aus Zweierpaaren mit charakteristischem Verhalten gibt, was darauf hinweist, dass irgendein Muster sozialen Verhaltens vorhanden ist. Dies gilt vor allem für Affen gleichen Geschlechts und ähnlichen Alters, und vielleicht für Angehörige. Husarenaffen (Erythrocebus patas) in Gefangenschaft haben diese Verhaltensmuster bestätigt. Männchen und Weibchen interagieren außer während der Fortpflanzungssaison nur selten, Weibchen und Jugendliche beschäftigen sich schon eher miteinander, aber Allomothering ? ist ein sehr häufiges Verhalten [4][5].


Kommunikation

Als Primaten haben Husarenaffen (Erythrocebus patas) wahrscheinlich eine komplexe Kommunikation, bei der visuelle Signale wie Körperhaltung und Mimik eine wichtige Rolle spielen. Obwohl die Affen in der Regel sehr leise sind, produzieren sie verschiedene Laute in vielen verschiedenen Situationen. Männchen fangen an zu bellen, sobald sich ein Männchen einer anderen Gruppe nähert. Der Warnruf für Hunde und Schakale unterscheidet sich von dem für Raubkatzen. Bei ersteren produzieren sie ein tiefes Schnattern, dann suchen sie das Weite. Bei Raubkatzen ist der Alarmruf ein lautes, zweiphasiges Bellen, gefolgt von der Flucht auf einen Baum. Männchen und Weibchen haben unterschiedliche Alarmrufe [5].


Fressfeinde

Welche Raubtiere den Husarenaffen (Erythrocebus patas) gefährlich werden können, ist im Detail nicht bekannt. Aber mit ziemlicher Sicherheit fallen sie den bekannten Räubern der Subsahara und der afrikanischen Savanne zum Opfer: Löwen, Geparden, Afrikanische Wildhunde, Schakale, braune Hyänen, Tüpfelhyänen, Schlangen und Greifvögel. Wenn alles gut geht, haben Husarenaffen eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 22 Jahren [5].


Gefahren

Husarenaffen (Erythrocebus patas) werden gelegentlich wegen ihres Fleisches gejagt, aber auch wegen dem Schaden, den sie in mehreren Ländern der Ernte zufügen. Die Primaten sind in Teilen ihres Verbreitungsgebietes durch den Verlust von Lebensraum bedroht, hauptsächlich als Folge der Wüstenbildung durch Überweidung oder wegen der Umwandlung der Savanne in landwirtschaflich nutzbare Flächen [2].

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Husarenaffen (Erythrocebus patas) als nicht gefährdet (Least Concern) ein, da sie weit verbreitet und noch relativ zahlreich sind, obwohl es bereits zu einem deutlichen Rückgang in den südöstlichen Teilen ihres Verbreitungsgebietes gekommen ist [2].


Systematik


[1] De Jong et al.; 2007; [2] Kingdon, J., Butynski, T.M. & De Jong, Y. 2008. Erythrocebus patas. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 20 June 2010; [3] Nowak, 1999; [4] Smuts et al., 1987; [5] Rowe, 1996
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