Familie Proconsulidae

Die Proconsulidae sind eine Familie von ausgestorbenen Menschenaffen, die im Miozän in Afrika verbreitet waren.

In den Sedimenten des frühen und mittleren Miozäns von Kenia und Uganda vor 23 bis 15 Millionen Jahren findet man Belege für die große Auffächerung der Gattungen und Arten. Obwohl Schädel und postcraniale Knochen nur für ein paar von ihnen vorhanden sind, zeigen diese doch eindeutig, dass die Proconsuliden weiter als Aegyptopithecus und Propliopithecus aus dem frühen Oligozän fortgeschritten waren. Sie scheinen alle anatomischen Merkmale zu besitzen, die auch heute lebende Catarrhini charakterisieren und nicht nur ein paar wenige, wie die frühen oligozänen Taxa.

Mit Afropithecus und Proconsul major erreichten diese miozänen Menschenaffen mit etwa 50 Kilogramm Körpergewicht ungefähr die Größe eines weiblichen Gorillas. Diese fossilen Menschenaffen wurden in einer Vielzahl von Paläo-Umwelten gefunden, im dichten tropischen Regenwald genauso wie in offenem Waldland (Pickford, 1983), und sie scheinen eine Reihe von ökologischen Nischen besetzt zu haben, vergleichbar mit denen, die heute sowohl von Altweltaffen als auch von Menschenaffen besetzt werden.

Trotz ihrer adaptiven Vielfalt, die mit Unterschieden in der Ernährungs- und Fortbewegungsweise erklärt werden kann, haben die Proconsuliden aus Ostafrika viele gemeinsame Merkmale im Gebiss, was das Ergebnis einer einzigen evolutionären Auffächerung ist.


Zähne

Alle Proconsulidae teilen mit den früheren Propliopitheciden eine Reihe von primitiven Merkmalen der Catarrhini. Sie haben eine Zahnformel von $\tfrac {2.1.2.3} {2.1.2.3}$, mit breiten oberen mittleren Schneidezähnen und kleineren oberen seitlichen Schneidezähnen. Die unteren Schneidezähne der meisten Arten sind größer und schmaler als die der meisten heute lebenden Menschenaffen (Pilbeam, 1972). Alle Arten sind relativ groß, haben sexuell dimorphe Eckzähne, die gegen den unteren vorderen Prämolaren scheren. Die oberen Prämolaren sind relativ breit und zweihöckrig; der hintere untere Prämolar ist ein breiter, semimolariformer Zahn.

Die oberen Molare der Proconsulidae zeichnen sich durch ihre quadratische Form, durch einen relativ großen Hypoconus und ein ausgeprägtes, oft wulstiges linguales Cingulum aus (Kay, 1977). Die unteren Molare haben ein breites talonides Becken, das von fünf Prisma-ähnlichen Höckern, darunter einem großen Hypoconulid, umgeben ist. Die wichtigsten dentalen Unterschiede zwischen den vielen Gattungen und Arten liegen in der Zahngröße, in den relativen Proportionen des Vordergebisses und in der Entwicklung von Scherkämmen auf den Backenzähnen, die alle im Zusammenhang mit einer unterschiedlichen Ernährung zu stehen scheinen.


Der Schädel

Von den miozänen Menschenaffen Ostafrikas gibt keine vollständigen Schädel (die Abbildung oben ist ein zusammengesetzter Schädel von mehreren Individuen), aber Teile des Gesichts und andere Schädelknochen sind von einigen Arten bekannt. Die Form des Gesichts ist sehr unterschiedlich, sie reicht von kurz und mäßig lang und breit bei einigen Arten (Turkanapithecus) zu lang und schmal bei anderen (Afropithecus). Bei den meisten Arten ist die Nasenöffnung als groß und relativ schmal beschrieben worden, wie bei cercopithecoiden Affen, und nicht breit und abgerundet, wie bei heute lebenden Menschenaffen. Die Größe der Orbita deutet auf ein tagaktive Lebensweise aller Arten hin, jedoch sind die Orbita bei kleineren Arten relativ größer. Die einzige bekannte Gehörregion stammt von Proconsul africanus. Mit einem röhrenförmigen Gehörgang, der sich seitlich der Bulla erstreckt, ist sie identisch mit heute lebenden Catarrhini und unterscheidet sich von Aegyptopithecus. Die relative Gehirngröße von P. africanus und auch von Turkanapithecus scheint ähnlich der heute lebender Altweltaffen (vielleicht ein wenig größer) gewesen zu sein. Die Oberfläche des Großhirns scheint eine Reihe von primitiven Merkmalen aufzuweisen, die bei extanten Menschenaffen fehlen. Das Gehirn von Afropithecus scheint relativ klein gewesen zu sein


Skelettfunde

Von diesen primitiven Menschenaffen wurden hunderte von isolierten Skelett-Elementen gefunden, von mehreren Individuen der Art P. africanus gibt es sogar relativ vollständige Skelette. Die Proportionen der Gliedmaßen und viele Details des Skeletts dieser Primaten ähneln heute lebenden Platyrrhini, und ihnen fehlen viele spezialisierte Skelettmerkmale, zum Beispiel in der Anatomie der Ellenbogen oder des Handgelenks, die heute lebende Hominoiden charakterisieren. Sie haben einen eher primitiven, in gewisser Weise vielseitigeren Bewegungsapparat. Die interspezifischen Unterschiede des Skeletts deuten auf eine große Vielfalt in den Gewohnheiten der Fortbewegung.


Systematik


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