Im Gegensatz zu Wildkatzen haben viele Jahrhunderte des Zusammenlebens mit den Menschen die Hauskatzen offen für eine Bindung an Artgenossen werden lassen. Auf dem Land, wenn Katzen zwar zu einem Haus gehören, aber dort außerhalb der direkten Kontrolle durch den Menschen leben, schließen sie sich häufig zu kleinen Gruppen aus verwandten Weibchen, deren Jungen, halbwüchsigen Jungen und ein oder zwei Katern zusammen.

Während sich die Männchen beim Erreichen der Geschlechtsreife meist zerstreuen und neue Reviere aufsuchen, bleiben die Weibchen im Revier der Mutter und vergrößern so die Gruppe. Sie ziehen die Jungen auf und verjagen fremde Eindringlinge, zeigen sich aber gegenüber ausgewachsenen Katern toleranter, da jene größer und aggressiver sind. Auch wenn sie das vom Menschen bereitgestellte Futter teilen, bleiben sie auf der Jagd jedoch Einzelgänger. Anders als Großkatzen können Hauskatzen nicht gemeinschaftlich jagen. Bei Einbruch der Nacht schleichen sie allein durch die Wiesen und Wälder und suchen nach Beute. Ihre Jagdmethode, die sie als Schleich- oder Lauerjäger charakterisiert, ähnelt der ihrer wild lebenden Verwandten: Anschleichen an die Beute und Ansprung aus kürzester Entfernung. Besonders jüngere Katzen reagieren auf bewegte Gegenstände fast wie auf lebendige Beute, wodurch sie ihren Jagdinstinkt zusätzlich trainieren (Spieltrieb).

Viele Verhaltensweisen von Hauskatzen sind Manifestationen ihrer wilden Instinkte, die sich z.B. in der Duftmarkierung oder beim Hinterherjagen von Spielzeug bemerkar machen. Hauskatzen mit freiem Auslauf zeigen z.B. das volle Verhaltensspektrum ihrer wilden Verwandten, wie etwa Jagdinstinkt oder Territorialität. Wenn man Wohnungskatzen in ihren wilden Instinkten übermäßig einschränkt, kann dies zu vielfältigem Problemverhalten wie etwa Urinieren auf Teppichböden oder Attackieren menschlicher Fußknöchel führen.

In großen Städten, in denen sich die Verwaltungen nicht verstärkt um die Unterbringung herumstreunender Hauskatzen in Tierheimen kümmern und ein entsprechend reichlichesNahrungsangebot vorhanden ist, halten sich oft zahlreiche Katzen in bestimmten Bereichen auf. In städtischen Parks, auf Friedhöfen und auch in Industriegebieten können sich große Kolonien bilden. Innerhalb der Kolonien besteht eine Rangordnung von kleineren, matriarchalisch organisierten Gruppen.

Die Bildung von unabhängigen Kolonien demonstriert eindrucksvoll, dass die Hauskatze genug von ihren wilden Vorfahren beibehalten hat, um in Freiheit und völlig unabhängig vom Menschen überleben zu können. äußerlich sind sie zwar identisch mit ihren häuslichen Vettern, doch im Laufe der Zeit legen sie einen Großteil der vom Menschen angezüchteten Verhaltensweisen wieder ab.

Dies bedeutet nicht, dass jede einzelne Hauskatze wieder in ein wildes Leben zurückkehren kann. Viele vom Menschen angezüchtete körperliche Merkmale sind für ein Leben in der Wildnis vollkommen ungeeignet. Dazu gehören z.B. ein zu langes und dichtes Fell, das verfilzen kann. Im Gegensatz dazu führt ein zu dünnes kurzes Fell oft zur Unterkühlung. Zu kurze Nasen oder andere Deformationen des Körpers behindern eine erfolgreiche Jagd.

Die alte Lehrmeinung, Hauskatzen seien per se Einzelgänger, ist widerlegt. Es gibt zwar – wie bei allen sozialen Tierarten – auch unter den Hauskatzen Einzelgänger, von Natur aus sind sie jedoch soziale Tiere. Beobachtet man größere Katzenpopulationen, beispielsweise auf vielen Bauernhöfen oder in manchen Großstädten, wie zum Beispiel in Rom vor dem Kolosseum, sind vielfältige soziale Interaktionen zwischen den Tieren nicht zu übersehen.