In nacheiszeitlichen Regionen mit wärmerem Klima, wie etwa in Ägypten, im Indus-Tal, in Südamerika oder in den Regionen am Mittelmeer, entstanden vor etwa 7.000 Jahren die ersten Städte der Menschheit (z.B. Catal Hüyük in Anatolien) - viel früher als im nördlichen Europa, das sich zu dieser Zeit noch von einer kalten Zwischenperiode erholen musste. Die Städte mit ihren Vorratslagern an Nutzpflanzen und Getreide müssen große Nagetierpopulationen angezogen haben, die ihrerseits dafür sorgten, dass sich immer mehr Wildkatzen in die Nähe der Städte wagten. Es ist gut vorstellbar, dass die verschiedenen Unterarten der Wildkatze überall dort domestiziert wurden, wo Menschen Städte bauten.

Obwohl die alten ägypter die Ausfuhr ihrer domestizierten Katzen bei Todesstrafe verboten, wurde sie bereits um 1700 v.Chr. in Israel künstlerisch dargestellt. Ab 1400 v.Chr. waren Hauskatzen in Griechenland anwesend. Um 1000 v.Chr. reisten domestizierte Katzen an Bord von Handelsschiffen über das Mittelmeer nordwärts um sich dann entlang der nördlichen Handelsroutenbis nach Japan und China auszubreiten. Dort wurden sie als hochgeschätzte Rattenfänger eingesetzt, um die Kokons der kostbaren Seidenraupen zu schützen.

Ab 500 v.Chr. scheinen Hauskatzen in Südeuropa angekommen und ein vertrautes Tier in der menschlichen Gesellschaft zu sein. Die Römer betrachteten Hauskatzen als edle und exotische Haustiere und überließen lieber dem Mungo die Jagd auf Hausmäuse und -ratten.

In Mittel- und Nordeuropa könnte die Hauskatze bereits mit den Schiffen phönizischer Händler angekommen sein, die z.B. schon früh im englischen Cornwall Handel trieben. Cornwall war in der Antike die Hauptquelle für Zinn, das neben Kupfer der Hauptbestandteil von Bronze ist. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Hauskatze von den Römern nach Mittel- und Nordeuropa gebracht wurde. Eindrucksvoll bezeugen dies Pfotenabdrücke auf Tonziegeln, die man im ersten Jahrundert bei Caesaromagus (Chelmsford, Essex) entdeckte.

Von da an bereisten Hauskatzen an Bord von Schiffen entweder als Nagetiervertilger oder einfach nur als Maskottchen die halbe Welt. Um 1000 n.Chr. lassen sich Siedlungen der Wikinger entlang der Atlantikküste Nordamerikas archäologisch nachweisen und manche Historiker mutmaßen, dass domestizierte Hauskatzen bereits mit den Wikingern in Nordamerika angekommen sein könnten. Doch spätestens mit den ersten Auswandererschiffen erobert die Hauskatze nachweisbar die beiden amerikanischen Kontinente.

Nicht bestätigten Berichten zufolge soll sich die Hauskatze, kaum in Nordamerika angekommen, mit dem Rotluchs (Lynx rufus) vermischt haben. Doch der Größenunterschied zwischen beiden Spezies ist so offensichtlich, dass eine natürliche Kreuzung für nicht möglich gehalten wird. Bei den grauen Kreaturen mit den schwarzen Ringen an den Schwänzen, die in den Berichten der Kolonisten auftauchen, handelt es sich wohl auch eher um Waschbären als um Katzen.

Der französische Naturforscher Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707 - 1788) unterstellt in seinem Werk Natural History aus dem Jahr 1767, dass verwilderte Hauskatzen im vor-kolonialen Amerika existierten, und dass ein Jäger eine Katze zu Christoph Columbus brachte. Die Katze wurde als braun-graue Kreatur von der Größe einer Hauskatze mit langem Schwanz beschrieben. Die Beschreibung der Fellfarbe würde zu einem Rotluchs passen, zu einer Kreuzung zwischen Hauskatze und Rotluchs oder zu einer Abessinierkatze. Jedoch ist der Begriff „Katze” im Verlauf der Geschichte für viele Tiere benutzt worden, so wurde z.B. der europäische Baummarder gelegentlich auch Baumkatze genannt. Es ist also gut möglich, dass das beschriebene Tier gar keine Katze war. Auch das Fehlen jeglicher überreste von Katzen in den archäologischen Ausgrabungen scheint die Vermutung zu besätigen, dass Hauskatzen Amerika frühestens mit den ersten europäischen Siedlern erreicht haben.

Die Hauskatze wurde also von europäischen Siedlern auf die amerikanischen Kontinente gebracht, das scheint gesichert zu sein. Einige wurden als Rattenfänger mit an Bord der Auswandererschiffe genommen, wobei offensichtlich Katzen bevorzugt wurden, die eine bestimmte physiologische Anomalie aufwiesen, die sog. Polydaktylie oder Vielfingerigkeit. Dafür spricht zumindest das vermehrte Auftreten von Hauskatzen mit dieser Anomalie entlang der US-amerikanischen und kanadischen Ostküste.

So kann man davon ausgehen, dass auf den beiden amerikanischen Kontinenten Kleinkatzen zu keiner Zeit domestiziert wurden.

Erst 1788 erreichte die Hauskatze mit britischen Sträflingstransporten Australien. Geschichten der Aborigines erzählen jedoch von Katzen, die als überlebende von Schiffsunglücken bereits schon viel früher entlang von Teilen der australischen Küste ansässig waren.

Mittlerweile bevölkern hunderttausendeverwilderter Hauskatzen den australischen Kontinent und entfalten in der freienWildbahn ihre angeborenen Fähigkeiten als Raubtiere. Vorzugsweise bei Dunkelheitjagend sind sie zu einer ernsthaften Bedrohungfür die einheimischen Tiere Australiens geworden. Die ersten europäischen Farmer brachten zahlreiche Tiere mit, umMäuse und Ratten zu bekämpfen. Mit der Entwicklung der Landwirtschaft gab esimmer mehr Mäuse, denen die Katzen folgten- genauso wie den Kaninchenplagen inden 80er Jahren des 19.Jahrhunderts. Die Katzen jagten ihre Beute bis in die letzten Winkel des riesigen Kontinents und sind mittlerweile selbst zu einerPlage geworden. In manchen Gegenden des Landes gibt es so viele Katzen, dassJagd auf sie gemacht wird, um die einheimischen Tiere zu schützen. Viele kleinere Tierarten, die einst über ganz Australien verbreitet waren, könnenheute nur noch in geschützten Nischen überleben. Eine dieser Nischen ist die Peron-Halbinsel in Westaustralien. Hier versuchen Tierschützer, die Populationen stark bedrohter Beutelsäuger zu stabilisieren.

Für die Ureinwohner Australiens sind die wilden Katzen weder eine Plage noch Haustiere, sondern Nahrung. Seit Generationen jagen sie Katzen und ernähren sich von deren Fleisch. Und kaum jemand kann so gut die Spuren wilder Katzen lesen wie das Urvolk. Die große Erfahrung im Fährtenlesen macht sich die Biologin Rachel Paltridge zunutze. Sie studiert, wie Katzen in so unwirtlichen Gebieten wie der Wüste leben können und ist bei ihrer Forschungsreise sehr auf die Hilfe der Aborigines angewiesen. Die Meinungen über die verwilderten Hauskatzen am anderen Ende der Welt gehen auseinander. Fest steht: Die Zahl der Katzen wächst viel schneller an als die der einheimischen Tiere. Eine Lösung des Katzenproblems ist noch lange nicht in Sicht…

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