Weibliche Brust

Weibliche Brüste

Die weibliche Brust (lat. Mamma, Pl. Mammae) zählt anatomisch zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen der Frau. Die Brust besteht aus Fett- und Bindegewebe sowie der Brustdrüse (Glandula mammaria). Diese sondert als Sekret Muttermilch durch feine Ausführungsgänge ab, die auf der Brustwarze münden. Die Brustdrüse entspricht der Milchdrüse der übrigen Säugetiere.

Die Brüste einer schwangeren Frau; typisch sind die vergrößerten Brustwarzen
Frau beim Stillen eines Säuglings, Mary Cassatt, 1890

Die biologische Funktion ist zunächst das Stillen von Säuglingen mit Muttermilch. Da jedoch die meisten weiblichen Primaten im Verhältnis zu den jeweiligen männlichen Artgenossen wesentlich weniger ausgeprägte Brüste haben als Frauen, wird angenommen, dass die weiblichen Brüste zusätzlich ein speziell menschlicher Sexualdimorphismus sind und ihre Anziehungskraft auf potentielle Partner eine zweite wesentliche Funktion ausmacht. Die Brüste – vor allem die Brustwarzen – gehören zu den erogenen Zonen.

In der Medizin beschäftigt sich die Senologie mit den Erkrankungen der weiblichen Brüste. Eine der häufigsten Erkrankungen dieser Art ist der Brustkrebs.

Anatomie

Schematischer Querschnitt durch die weibliche Brust: 1.Brustkorb 2. großer Brustmuskel 3. Brustdrüse 4. Brustwarze 5. Warzenhof 6. Milchgänge 7. Fettgewebe 8. Haut

Entwicklungsstadien

Im embryonalen Entwicklungsstadium entsteht bei beiden Geschlechtern die Anlage zur Brustdrüse aus dem Ektoderm. Die Brustentwicklung findet bei Mädchen durch hormonelle Umstellungen während der Pubertät statt. Während der Schwangerschaft und Laktation erfüllt die Brustdrüse ihre Funktion als Milch absondernde Drüse. Im Alter verändert sich die Form und Größe der Brust durch eine Reduzierung des Fett- und Bindegewebes.

Lage und Form

Die Brust befindet sich unter der Haut auf dem großen Brustmuskel und dem kleinen Brustmuskel, sie erstreckt sich dort von der zweiten bis zur siebten Rippe.

Die Lücke oder Rinne zwischen den beiden Brüsten heißt Busen; auf lateinisch: Sulcus bzw. Sinus intermammarius.[1]

Weibliche Brüste haben die unterschiedlichsten Formen und Größen. Diese hängen von genetischen Faktoren und dem Anteil des Fett- und Bindegewebes ab. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus oder Hormonveränderungen beeinflussen die Form und Größe einer Brust ebenfalls.

Entgegen landläufiger Meinung wird das zunehmende Durchhängen der Brust nicht vom Stillen verursacht, sondern von der Brustgröße vor der Schwangerschaft, vom Body-Mass-Index, vom Rauchverhalten und vom Medikamentenkonsum.[2]

Aufbau der Brustdrüse

Aufbau eines Lobulus

Das kleinste System der Brustdrüse ist das Drüsenläppchen (Lobulus glandulae mammariae), das ein Hohlraumsystem ist. Ein Lobulus setzt sich hauptsächlich aus den Milchbildungszellen (Drüsenepithelen, auf der Abbildung „Sekretionzelle“), einem Lumen, in dem sich die Milch sammelt, und zu einem kleineren Anteil aus Myoepithelzellen, die die Milch aus dem Lobulus pressen, zusammen. Alle Zellen haben sich azinös (beerenartig) um das Lumen gruppiert.

Das Lumen hat einen Ausführungsgang, den Terminalduktus. Dieser mündet in einem kleinen Milchgang, den Ductus lactifer. Der gesamte Lobulus ist von einer dünnen Kollagen-Schicht umgeben.

Der zweitgrößte Komplex ist die Ansammlung mehrerer Lobuli zu einem traubenförmigen Lobus (Drüsenlappen), dem Lobus glandulae mammariae. Aus dem Lobus führt ein großer Milchgang, der Ductus lactifer colligens, der sich aus dem Gangsystem der kleinen Milchgänge, gebildet hat. Jeder große Milchgang mündet in der Brustwarze. Kurz vor der Einmündung in die Brustwarze erweitert sich der große Milchgang zu einem Milchsäckchen, dem Sinus lactifer. Die Brustdrüse enthält insgesamt 10 bis 20 Lobi, die zusammen mit den großen Milchgängen fast sternförmig um die Brustwarze herum angeordnet sind.

Leicht unterscheidbar sind die erhabenen dunkel- bis hellroten Brustwarzen, inmitten des flacheren gleichfarbigen Warzenhofes (lat. Areola) der sich wiederum in der Mitte der Brust befindet. Berührungen der Brustwarzen wirken oft stimulierend, erregen den Geschlechtstrieb oder führen nach der Schwangerschaft zur Absonderung von Muttermilch.

Der Lymphabfluss aus der Brustdrüse erfolgt hauptsächlich über die Achsellymphknoten. Aber auch die im Brustkorb gelegenen Lymphknoten entlang der Aa. mammariae drainieren die Brust.

Erkrankungen und Fehlbildungen der Brust

Krankhafte Veränderungen der Brüste kann man durch Abtasten, genaue Betrachtung der Haut, Ultraschalluntersuchung, Mammografie, Magnetresonanztomographie und Gewebeprobenentnahmen feststellen.

Eine Entzündung der Brust wird Mastitis genannt, ein Spannungsschmerz Mastodynie. Gutartige Umbauvorgänge sind die Mastopathie, das Milchgangpapillom, Fibroadenom und Zysten.

Einer der häufigsten Tumoren bei Frauen ist der Brustkrebs (Mammakarzinom), der in verschiedenen Formen auftritt (DCIS, LCIS, invasives duktales Karzinom, invasives lobuläres Karzinom, inflammatorisches Mammakarzinom, Paget-Karzinom)

Als Fehlbildung kann es entlang der Milchleisten zu überzähligen Brustwarzen (Polythelie) oder überzähligen Brustdrüsen (Polymastie) kommen.

Ästhetik

Ästhetische Aktfotografie
Aktportrait von Olive Thomas, Alberto Vargas, 1920

Die Brust und ihr Anblick stellen für mögliche Sexualpartner einen wichtigen erotischen Reiz dar. Dabei unterscheiden sich die Vorlieben für verschiedene Brustgrößen und -formen sowohl bei den Frauen selbst als auch bei Männern stark und haben sich auch durch die Zeit und Modeepochen hinweg sehr gewandelt. Die Brust ist auch ein beliebtes Motiv in erotischen und Aktdarstellungen.

Zunehmend häufiger werden Schönheitsoperationen durchgeführt: Möglich sind sowohl Brustvergrößerungen durch Implantate als auch Brustverkleinerungen durch Entfernung von Fett-, Drüsen- oder Bindegewebe.

Beim Brustwarzenpiercing wird die Brustwarze durchstochen, um Schmuck daran anzubringen.

Die Brust als erogene Zone

Bei einer sexuellen Erregung stellen sich die Brustwarzen auf und auch der Bereich um die Brustwarze herum, der sogenannte Hof, schwillt an. Diese Erektion der Brustwarzen wird nicht (wie bei den Genitalien) durch Schwellkörper verursacht, sondern durch eine unwillkürliche Kontraktion der Haarbalgmuskeln, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Wie ein Penis und eine Klitoris kann eine erigierte Brustwarze intensive Emotionen hervorrufen. So ist ein Orgasmus durch die Stimulierung der Brustwarzen bei manchen Frauen möglich.[3][4]

Evolution

Die Brüste menschlicher Frauen sind wesentlich größer als die verwandter weiblicher Primaten und stellen w.o. dargestellt ein besonderes Attraktivum dar. Der britische Zoologe Desmond Morris stellte daher die These auf, dass die humanen Brüste eine Nachbildung der ähnlich aussehenden weiblichen Hinterbacken darstellen, die bei einigen Affenarten ein sexuelles Signal sind. Morris betrachtet diese Nachbildung als Anpassung an den aufrechten Gang, durch den die Unterseite der Vormenschen zur wichtigeren Vorderseite des Menschen wurde.[5]

Unterstützt wird diese These durch die Theorie der sexuellen Selektion Charles Darwins. Danach bilden manche Arten bei einem Geschlecht bestimmte oberflächlich gesehen unnütze Körperteile aus, die die Fitness des Organismus eigentlich herabsetzen (Bsp. Pfauenhahn).

Die Zoologen Avishag und Amotz Zahavi entwickelten aus dieser Erkenntnis die Handicap-Theorie, die besagt, dass durch die unnützen Körperteile (oder Verhaltensweisen) möglichen Fortpflanzungspartnern demonstriert wird, wie gesund und robust der eigene Organismus ist, da er die zusätzliche Last zu tragen vermag. Ein typisches Merkmal solch sexuell selektierter Merkmale ist eine erhebliche Variation in der Bevölkerung. Da die menschlichen Brüste durch die Einlagerung höchst unterschiedlicher Mengen Fettgewebes bei verschiedenen Frauen deutlich unterschiedliche Größen haben können, ist eine Evolution der Brüste als Fitness-Signal für Partner sehr wahrscheinlich und legt den Schluss nahe, dass die Hauptfunktion beim Menschen tatsächlich in Richtung der Attraktion von Männern verlagert ist. Der hohe Gehalt an unter nicht-industriellen Bedingungen sehr energieaufwändigem Fettgewebe und die Belastung der Wirbelsäule durch große Brüste unterstützt diese Theorie zur Entwicklung dieses Körperteils.[6]

Siehe auch

  • Gynäkomastie, eine Vergrößerung der Brustdrüse des Mannes

Literatur

  • Ingrid Olbricht: Brustansichten. Selbstverständnis, Gesundheit und Symbolik eines weiblichen Organs. Orlanda Frauenverlag, Berlin 2002, ISBN 3-929823-93-4.
  • Karl-Heinz Broer u. a.: Die weibliche Brust. Vorsorge, Schutz, Gesundheit und Schönheit. Verlag Neuer Honos, Köln 2001, ISBN 3-8299-5546-4.
  • Marilyn Yalom: Eine Geschichte der Brust. Aus dem Amerikanischen von Olga Rinne. Marion von Schröder, Düsseldorf 1998, ISBN 3-547-79876-0.
  • Susan Love: Das Brustbuch. Was Frauen wissen wollen. Limes, dtv, München 1996, ISBN 3-8090-3003-1.
  • Ingrid Olbricht: Die Brust. Organ und Symbol weiblicher Identität. Rowohlt, Reinbek 1989, ISBN 3-499-18525-3 (früher unter dem Titel „Verborgene Quellen der Weiblichkeit“).
  • Daphna Ayalah u. a.: Brüste. Frauen sprechen über ihre Brüste und ihr Leben. Courage Frauenbuchverlag, Berlin 1983, ISBN 3-921710-03-0.
  • Carolyn Latteier: Breasts: the women's perspective on an American obsession. Haworth innovations in feminist studies. Verlag Routledge, 1998, ISBN 0-7890-0422-4.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Brust – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Brüste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelnachweise

  1. H. Fritsch, W. Kühnel: Taschenatlas Anatomie. Bd. 2, 10. Auflage. S. 436.
  2. Kein Durchhänger nach dem Stillen. auf: wissenschaft.de 5. November 2007.
  3. Brustspiele. In: Felice Newman: Sie liebt Sie. Das Lesbensexbuch. Orlanda Frauenverlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-936937-59-6.
  4. Treat Her To A 'Nipple Orgasm'. Men's Health.
  5. Desmond Morris: Das Tier Mensch. Heyne, 1996, ISBN 3-453-09883-8.
  6. Geoffrey Miller: Die Sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes. Spektrum Akademischer Verlag, 2009, ISBN 978-3-8274-2508-9.

Das könnte Dich auch interessieren