Thanatophore Dysplasie

Klassifikation nach ICD-10
Q77.1 Thanatophore Dysplasie
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Die Thanatophore Dysplasie (TD) (thanatophor gr. = todbringend / Dysplasie: dys = schlecht + plassein = bilden, formen) ist eine tödlich verlaufende Form einer schwerwiegenden Wachstums- und Entwicklungsstörung des Knorpel-Knochengewebes, der Osteochondrodysplasie (osteo = auf den Knochen bezogen + chondro = auf den Knorpel bezogen), die mit einer Auftretenshäufigkeit von etwa 1:20.000 bis 1:50.000 bei beiden Geschlechtern zu den seltenen Erkrankungen zählt. Unterschieden werden Typ I und Typ II, wobei Typ I häufiger ist als Typ II.

Ursache

Bei Kindern mit einer Form der thanatophoren Dysplasie liegt aufgrund eines seltenen genetischen Defektes mit Mutationen im Bereich FGFR3 (Rezeptor 3 des Fibroblasten-Wachstumsfaktors) auf Chromosom 4 p16.3, der einer autosomal-dominanten Vererbung folgt, eine Störung des Knochenwachstums vor. Dabei bekommen die Knorpelzellen wachstumshemmende Signale, was bereits während der Schwangerschaft zu Skelettfehlbildungen beim ungeborenen Kind durch eine Störung der Knochengewebe-Bildung führt. Es kommt zu diversen körperlichen Auffälligkeiten (siehe Symptome).

Symptome

Der Körperbau des Kindes ist insgesamt kleiner als üblich, der Kopf erscheint im Verhältnis recht groß (Pseudo-Makrozephalie) und hat meist (bei Typ I) oder gelegentlich (bei Typ II) eine unterschiedlich stark ausgeprägte Kleeblatt-Form. Die Stirn ist vorgewölbt, die Nasenwurzel eingesunken, der Brustkorb (Thorax) ist schmal und eng, die Rippen kurz. Die langen Röhrenknochen sind gebogen und verkürzt, was zu einer Mikromelie führt. Beim Typ II weist der Oberschenkelknochen keine Biegung auf. Auch die Hände sind vergleichsweise kurz (Brachydaktylie). In unterschiedlicher Ausprägung finden sich zerebrale Fehlbildungen.

Diagnose

Bei Kindern mit thanatophorer Dysplasie fallen in der Schwangerschaft oben genannte spezifische Wachstumsstörungen auf, eventuell auch ein Kleeblattschädel und eine ausgeprägte Nackentransparenz. Gehäuft findet sich ein Polyhydramnion und der Schwangeren fallen verminderte Kindsbewegungen auf. Eine Verdachtsdiagnose ist vorgeburtlich durch Ultraschall möglich. Im Rahmen der anschließenden molekulargenetischen Untersuchung der Zellen des Ungeborenen wird nach Mutationen im FGFR3-Gen gesucht. Beim Typ I liegen sie in der extrazellulären Immunglobulin-Domäne vor, beim Typ II in der intrazellulären Tyrosinkinase-Domäne.

Therapie, Prognose

Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Bis auf wenige Ausnahmen sterben Kinder mit TD in der Perinatalperiode oder im Neugeborenenalter. Über Langzeitüberlebende (4.75 bzw. 3.7 Jahre alt; über 9 Jahre alt) wurde berichtet.[1][2] Aufgrund des schmalen und engen Brustkorbes kann sich ihre Lunge vorgeburtlich nicht entwickeln und entfalten, sodass es nach der Geburt zu einer respiratorischen Insuffizienz durch die erheblich eingeschränkte Ventilation der Lungen kommt. Eine Schädigung des Atemzentrums bei Kompression des Hirnstamms aufgrund des kleinen Durchmessers des Hinterhauptlochs kann eine zusätzliche oder die alleinige Ursache für das Versagen der Atemtätigkeit sein.[3]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. MacDonald IM, Hunter AG, MacLeod PM, MacMurray SB: Growth and development in thanatophoric dysplasia. Am J Med Genet. 1989; 33, S. 508–12, PMID 2596513
  2. Baker KM, Olson DS, Harding CO, Pauli RM: Long-term survival in typical thanatophoric dysplasia type 1. In: Am J Med Genet.. 70, Nr. 4, 1997, S. 427–436. PMID 9182787.
  3. B Karczeski, GR Cutting: Thanatophoric Dysplasia. GeneReviews; letzte Aktualisierung: 30. September 2008
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