Status epilepticus

Klassifikation nach ICD-10
G41.- Status epilepticus
G41.0 Grand-mal-Status

Status mit tonisch-klonischen Anfällen

G41.1 Petit-mal-Status

Absencestatus

G41.2 Status epilepticus mit komplexfokalen Anfällen
G41.8 Sonstiger Status epilepticus
G41.9 Status epilepticus, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Als Status epilepticus (in der Neurologie oft kurz Status genannt) werden ein außergewöhnlich lange andauernder epileptischer Anfall oder eine Serie von Anfällen bezeichnet, wenn das Intervall zwischen den einzelnen Anfällen so kurz ist, dass der Ausgangszustand bei der Bewusstseinslage und anderen Körperfunktionen nicht mehr erreicht wird.

Ein Status epilepticus kann grundsätzlich bei allen Arten von epileptischen Anfällen auftreten. Je nach Art der Anfälle und Dauer des Status kann dieser zu schweren Schädigungen führen und auch lebensbedrohlich werden.

Eine Epilepsieform, bei der es im Vergleich zu anderen Formen überdurchschnittlich häufig eine Neigung zum Status epilepticus gibt, ist das Dravet-Syndrom.

Merkmale

Dauert ein einzelner epileptischer Anfall im Sinne eines Grand mal länger als fünf Minuten oder eine Serie von Anfällen oder ein Anfall in Form von Absencen oder ein fokaler Anfall länger als 20 bis 30 Minuten oder wird zwischen einer Serie von Anfällen das Bewusstsein nicht vollständig wiedererlangt, so handelt es sich um einen Status epilepticus.[1][2][3]

Bei einem Status kommt es zu einer fortschreitenden, sich vertiefenden Bewusstseinsstörung. Die Abstände zwischen den einzelnen Anfällen können sich verkürzen. Unbehandelt kann ein Status sich infolgedessen verselbstständigen und so auch tagelang anhalten.

Ursachen

Ein Status epilepticus kann neben dem Vorliegen einer Epilepsie auch durch andere Ursachen ausgelöst werden, beispielsweise durch Infekte, einen Entzug von Drogen oder Medikamenten, etwa bei Abhängigkeit oder im Rahmen einer antiepileptischen Therapie, durch degenerative Veränderungen des Gehirns oder auf Grund von Reizüberflutungen wie zum Beispiel durch schnelle Computerspiele, flackerndes Licht oder Schlafentzug.

Komplikationen

Der Status epilepticus ist potenziell lebensbedrohlich, da einerseits durch die körperliche Belastung, speziell beim Grand-Mal-Status, und andererseits durch die Beeinträchtigung der Steuerung des zentralen Nervensystems wichtige Körperfunktionen ausfallen können, so die Steuerung von Atmung, Blutdruck und Temperatur. Darüber hinaus können die lang andauernden elektrischen Entladungen der Nervenzellen bei einem Status anders als bei einem „einfachen“ epileptischen Anfall zu massiven Schädigungen des Gehirns führen. Die Letalität des Status epilepticus beträgt 10 %.

Behandlung

Versuche, den Betroffenen festzuhalten oder ihm etwas zwischen die Zähne zu schieben, können zu schweren Verletzungen oder einem Ersticken des Menschen führen. Außer einem Absichern der Umgebung und einem möglichst genauen Beobachten des Anfallsverlaufes und seiner Dauer ist deshalb durch unerfahrene Laien keine Hilfe für den Betroffenen möglich. Diese Beobachtungen sind jedoch eine wichtige Hilfe für den behandelnden Arzt.

Der epileptische Status ist ein medizinischer Notfall und gehört in die Hände eines Notfallmediziners, Anästhesisten oder Neurologen. Es existieren derzeit verschiedene mehrstufige pharmakotherapeutische Schemata als Behandlungsempfehlung. Meist wird mit der hochdosierten Gabe eines Benzodiazepins (Clonazepam, Lorazepam, Midazolam) begonnen. Kann damit der Status nicht durchbrochen werden, wird als nächstes Phenytoin schnell aufgesättigt. Alternativ und aufgrund der geringeren Wechselwirkungen wird eine Schnellaufdosierung mit Valproinsäure empfohlen, weniger Erfahrungen liegen für Levetiracetam und Lacosamid vor (alle zur Injektion geeignet).

Letzter Ausweg sind Muskelrelaxation, Intubation, Beatmung und tiefste Narkose mit Thiopental, alternativ auch Midazolam oder Propofol. Sollten auch diese Substanzen ohne Erfolg sein, stehen mit geringerer Evidenz weitere zur Verfügung, unter anderem Lidocain, Isofluran, Ketamin und Clomethiazol.

Einzelnachweise

  1. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Status epilepticus im Erwachsenenalter, Definition des Status epilepticus, Stand: 1. Oktober 2008
  2. Einteilung und klinische Leitsymptome des Status epilepticus auf der Website eines Epileptologen am Essener Uniklinikum
  3. H. Pockberger: Pathophysiologie des Status epilepticus. Publikation der Österreichischen Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie zum Status Epilepticus als PDF-Datei.

Weblinks

Publikationen der Österreichische Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie zum Status Epilepticus

Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Das könnte Dich auch interessieren