Nordatlantikstrom


Wichtige Meeresströmungen

Der Nordatlantikstrom ist eine warme Meeresströmung, die den Golfstrom nordöstlich bis nach Europa verlängert. Er wird durch die thermohaline Zirkulation angetrieben.

Durch seinen Wärmetransport wirkt der Nordatlantikstrom wie eine große Heizung, dank derer große Teile West- und Nordeuropas, wie Irland, Großbritannien und Skandinavien, ein wärmeres Klima aufweisen, als aufgrund ihrer hohen geographischen Breite zu erwarten wäre.

Verlauf

Der Golfstrom trifft vor der Küste Neufundlands mit dem kalten Labradorstrom zusammen und vereinigt sich mit diesem teilweise. Dabei verzweigt er sich und bildet Äste aus. Diese Verlängerung des Golfstroms nach Europa ist der Nordatlantikstrom, auch wenn dieser in populären Darstellungen oft ebenfalls als Golfstrom bezeichnet wird.

Nördlich von Irland setzt sich ein Teil des Nordatlantikstroms als Norwegischer Strom bis nach Spitzbergen fort, ein anderer Teil driftet in Richtung Island.

Thermohaline Zirkulation

Während der Golfstrom durch Winde und Kontinentalabfälle angetrieben wird, ist der Motor des Nordatlantikstromes das globale Förderband oder die „thermohaline Zirkulation“. Auf dem Weg zum nördlichen Ende des Nordatlantikstroms verdunsten Teile des transportierten warmen Wassers (Evaporation). Dadurch wird der Salzgehalt (die Salinität) erhöht, wodurch das Wasser schwerer wird und zu sinken beginnt. Dort wird die Nordatlantikdrift Teil des Nordatlantik-Tiefenwassers, einer südwärts gerichteten Meeresströmung.

Wirkung

Der Nordatlantikstrom hat einen wesentlichen Einfluss auf das europäische Klima, weswegen er oft als „Warmwasserheizung Europas“ bezeichnet wird. Durch den Transport seines warmen tropischen Wassers wird die Luft über dem Meer erwärmt. Die Winde transportieren dann die Wärmeenergie bis weit in den europäischen Kontinent hinein, wodurch in Europa ein deutlich milderes Klima vorherrscht als in anderen Gegenden desselben Breitengrades. Nördlich des 50. Breitenkreises herrscht zum Beispiel in Kanada ein ausgesprochen kaltes Klima, bei dem nur Moose und Flechten gedeihen, und in dieser Tundra nur kälteresistente Tiere wie Karibus leben. Dagegen beschert der Nordatlantikstrom Mitteleuropa Laubwälder und saftige Wiesen, gute Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht, und in den besonders nahe am Nordatlantikstrom liegenden Gebieten bewirkt er ganz besondere Möglichkeiten:

In Cornwall und speziell auf den Scilly-Inseln wachsen selbst Pflanzen, die sonst nur in wesentlich wärmeren Klimazonen heimisch sind. Palmen können dort die sonst harten Nord-Winter überleben. Der Logan Botanic Garden in Schottland profitiert stark vom Nordatlantikstrom: Einzelne Exemplare des Mammutblatts (Gunnera manicata) sind über 3 Meter hoch gewachsen.

Veränderungen durch die globale Erwärmung

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Phänomen der globalen Erwärmung haben Wissenschaftler die Befürchtung geäußert, dass der oben unter thermohaliner Zirkulation beschriebene Absinkmechanismus in den nächsten 20-100 Jahren aus dem Gleichgewicht kommen könnte.

Wachsende Schmelzwassermengen vom grönländischen Eisschild könnten theoretisch den Nordatlantikstrom abschwächen, da die Dichte des Wassers durch den Süßwassereintrag verringert wird, und es nicht mehr tief absinkt. Das Resultat wäre eine Abschwächung und möglicherweise Verlagerung des Nordatlantikstroms, was einen Klimawechsel in Nordeuropa zur Folge hätte, mit signifikanten Konsequenzen. Ohne die globale Erwärmung würde sich eine maximale Reduktion der durchschnittlichen Temperatur in Europa um 5 Grad Celsius einstellen, die der zu erwartenden globalen Erwärmung lokal (in Europa) entgegenwirken würde. Ob bzw. ab wann sich die beiden Effekte gegenseitig aufheben würden, ist nur schwer vorhersagbar; denkbar ist, dass die Temperaturen in Europa zunächst leicht ansteigen und dann dauerhaft um bis zu 5 Grad unter die heutigen Werte abfallen würden.[1]

Erkenntnisse aus Sediment- und Eisbohrkernen deuten darauf hin, dass sich vergleichbare Ereignisse in der Vergangenheit schon mehrmals abgespielt haben. Diese sind als Heinrich-Ereignisse bekannt.

Die in den letzten Jahren veröffentlichten Berichte, nach denen bereits ein sehr starker Rückgang des Nordatlantikstroms gemessen werden konnte, haben sich im Nachhinein nicht bestätigt, was vor allem darauf beruht, dass der Nordatlantikstrom relativ starken kurzfristigen Schwankungen unterliegt und daher einzelne Messungen keine Rückschlüsse auf Entwicklungen zulassen, da sie im Rahmen der kurzfristigen Schwankungen liegen. Vielmehr wurde durch die genauere Untersuchung des Nordatlantikstroms in den letzten Jahren deutlich, dass dieser keine Abschwächungstendenzen aufweist.[2] Einer Anfang 2008 veröffentlichten Studie nach ist es infolge der Erwärmung seit der letzten Eiszeit zu einer Verstärkung der ozeanischen Zirkulation gekommen, außerdem würde die weitere Erwärmung der mittleren Atmosphärenschichten in Zusammenhang mit der globalen Erwärmung zu einer weiteren Verstärkung der Meeresströmungen führen.[3]

Im Jahr 2011 wurde eine Studie zum Agulhasstrom im indischen Ozean veröffentlicht. Demnach wird dieser nicht komplett an der Ostküste Afrikas reflektiert, sondern fließt zu einem kleinen Teil auch in den Atlantik ab. Dies könnte einen größeren Effekt im Klimageschehen auf der Nordhalbkugel haben als bislang angenommen und sich folgende auch beim IPCC publizierte Modellvorstellungen zur Globalen Erwärmung als falsch herausstellen: Darin wird angenommen, dass durch den Süsswassereintrag durch verstärktes Schmelzen in der Polarregion der Nordhalbkugel der Nordatlantikstrom künftig abgeschwächt und durch den verminderten Wärmeeintrag die Erwärmung der Nordhalbkugel gebremst würde. Sollte der Salzwassereintrag aus dem Agulhassstrom - wie dies über die letzten Jahrzehnte beobachtbar war - sich weiterhin verstärken, würde dies auch den Nordatlantikstrom verstärken und damit zu einer zusätzlichen Erwärmung anstelle einer Abkühlung führen.[4]

Literatur

  • H. L. Bryden, H. R. Longworth, S. A. Cunningham: Slowing of the Atlantic meridional overturning circulation at 25° N. In: Nature, Bd. 438 (2005), 1. Dezember

Weblinks

Einzelnachweise

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