Nilbarsch



Nilbarsch

Nilbarsch (Lates niloticus)

Systematik
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Familie: Riesenbarsche (Latidae)
Gattung: Lates
Art: Nilbarsch
Wissenschaftlicher Name
Lates niloticus
Linnaeus, 1758
Nilbarsch im Größenvergleich zu einem hinter dem Fisch stehenden Mann.

Der Nilbarsch (Lates niloticus), in Deutschland als Speisefisch meist Viktoriabarsch genannt, ist ein Süßwasser-Raubfisch aus der Familie der Latidae aus der Ordnung der Barschartigen. Er kommt im tropischen und subtropischen Afrika zwischen dem 27° nördlicher und dem 7° südlicher Breite in allen bedeutenden Flusssystemen (Nil, Schari, Senegal, Volta und Kongo) und im Albertsee, Turkana-See und Tanasee vor, sowie im Brackwassersee Lake Mariout im Nildelta. In den Viktoriasee wurde der Nilbarsch Anfang der 1960er Jahre vom Menschen ausgesetzt.

Merkmale

Der Nilbarsch wird maximal zwei Meter lang und bis zu 200 kg schwer.[1] Für gewöhnlich bleibt er aber bei einer Länge von 85 Zentimeter bis einem Meter. Die Geschlechtsreife erreicht er bei einer Länge von 42 bis 85 Zentimeter im Alter von drei Jahren. Weibchen sind für gewöhnlich größer als die Männchen. Nilbarsche sind oberseits eher grau mit einem bläulichen Schimmer, an den Seiten und am Bauch von silbriger Farbe. Das Auge ist schwarz mit einem gelben Ring. Die äußeren Schädelknochen vor den Augen und vor dem Kiemendeckel sind bestachelt. Der Kiemendeckel ist mit einem großen Dorn ausgestattet. Die Rückenflosse wird von sieben bis acht Stachel- und 10 bis 14 Weichstrahlen gestützt, die Schwanzflosse ist abgerundet. Die Geschlechter unterscheiden sich. Während die Männchen eine Urogenitalöffnung haben, ist bei den Weibchen die Geschlechtsöffnung von der Öffnung für den Harnaustritt getrennt.

Nilbarsche im Viktoriasee

In den 1960er-Jahren wurden Nilbarsche im Viktoriasee ausgesetzt. Sie vermehrten sich dort auf spektakuläre Weise, verdrängten aber andere Arten. Zahlreiche dieser Arten, insbesondere Buntbarsch-Arten starben daraufhin aus.

Lebensweise

Nilbarsche bewohnen alle Habitate ihrer Wohngewässer in Tiefen von 10 bis 60 Metern. Ausgewachsene Fische bevorzugen tieferes Wasser und ernähren sich von Fisch, vor allem von Heringen, Barbus-Arten und Salmlern der Gattung Alestes, bei Verfügbarkeit können Buntbarsche des Tribus Haplochromini bis zu 95 % der konsumierten Fischarten ausmachen. Kleinere Exemplare fressen auch Krebstiere (Garnelen der Gattung Caridina), Jungfische und Insekten (Schnabelkerfen und die Larven von Libellen, Eintagsfliegen und Büschelmücken). Jungfische, die sich bevorzugt im Flachwasser an den Gewässerrändern aufhalten ernähren sich vor allem von Zooplankton (Copepoden). Im Frühjahr, bei steigender Wassertemperatur, laichen die Nilbarsche in geschützten Bereichen oder im offenen Wasser.

Nutzung

Der Nilbarsch kommt unter dem Namen Viktoriabarsch als begehrter Speisefisch in den Handel. Das Fleisch ist weiß, fest und kräftig im Geschmack. Wegen seines günstigen Preises ist Viktoriabarsch auf Fischmärkten in Europa (vor allem Benelux, Deutschland, Frankreich) sowie in den USA erhältlich.

100 g Nilbarsch enthalten etwa:
kcal kJoule Fett Eiweiß
93 389 1,8 g 19,1 g

Darüber hinaus weist der Nilbarsch einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auf. Für die lokale Fischverarbeitung am Viktoriasee ist der hohe Fettgehalt von Nachteil, da die Dorfbevölkerung nicht wie sonst üblich das Fischfleisch an der Sonne trocknen lassen kann. Nilbarsch wird schnell von Maden zerfressen und muss daher geräuchert werden. Der Brennholzbedarf ist ein Kostenfaktor.[2]

Literatur

  • Tijs Goldschmidt: Darwins Traumsee. Nachrichten von meiner Forschungsreise nach Afrika, C.H.Beck, 1997 ISBN 3-406-42881-9

Weblinks

Commons: Nilbarsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Nilbarsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Film

  • Darwin’s Nightmare (Dokumentarfilm über die Geschichte des Nilbarsches und die Auswirkungen seiner Auswilderung auf das Leben am Viktoriasee). Regie: Hubert Sauper - Österreich/Frankreich/Belgien 2004; FSK: Freigegeben ab 12 Jahren – 107 Min.

Einzelnachweise

  1. Lates niloticus auf Fishbase.org (englisch)
  2. Joseph L. Awange, Obiero Ong'ang'a: Lake Victoria. Ecology, Resources, Environment. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2006, S. 72

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