Gunnera

Gunnera
Mammutblatt (Gunnera manicata), Habitus.

Mammutblatt (Gunnera manicata), Habitus.

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Gunnerales
Familie: Gunneraceae
Gattung: Gunnera
Wissenschaftlicher Name der Familie
Gunneraceae
Endl.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Gunnera
L.

Gunnera ist die einzige Pflanzengattung der Familie der Gunneraceae in der kleinen Ordnung der Gunnerales. Diese Pflanzengattung ist nicht mit dem Rhabarber (Rheum rhabarbarum) verwandt. Sie ist in großen Parkanlagen als Zierpflanze zu finden, ist jedoch nur bedingt winterhart. Der Gattungsname Gunnera ehrt den norwegischen Botaniker Johan Ernst Gunnerus.

Beschreibung

Gunnera-Arten sind meist große, ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie bilden Rhizome oder Stolonen aus, als Speicherorgane, um schlechte Klimabedingungen zu überdauern. Die rhabarberartigen, lang gestielten, einfachen Laubblätter werden alle direkt über dem Boden an der Basis der Pflanze (grundständig) gebildet.

In verzweigten Blütenständen werden viele Blüten gebildet. Je zwittrige Blüte gibt es zwei bis selten drei freie Kelchblätter, zwei freie Kronblätter, ein bis zwei Staubblätter und zwei synkarpe Fruchtblätter. Der Fruchtknoten ist unterständig.

Neben den Arten, die Blätter mit Längen von mehreren Metern haben, gibt es auch Arten mit kleinen Blättern. Beispiele hierfür sind Gunnera albocarpa, eine neuseeländische Art mit 1 bis 2 cm langen Blättern und Gunnera magellanica, eine südamerikanische Art mit 5 bis 9 cm langen Blättern.

Symbiose mit Cyanobakterien

Alle Gunnera-Arten leben in Symbiose mit Cyanobakterien der Gattung Nostoc, die Luftstickstoff fixieren. Die Pflanzen profitieren von dem fixierten Stickstoff, im Gegenzug profitieren die Symbionten von den Assimilaten. Eine Cyanobakterien-Symbiose zur Stickstofffixierung ist bei höheren Pflanzen nur von Gunnera bekannt.

Verbreitung

Gunnera-Arten kommen von den Tropen bis in die südhemisphärisch gemäßigte Zone vor. Sie besitzen ihre Areale im gesamten südlichen Pazifik-Raum und in Afrika und Madagaskar. Es gibt sie also in der Neotropis und der Paläotropis.

Systematik

Zur Gattung Mammutblatt (Gunnera) gehören 40 bis 50 Arten (Auswahl):

  • Gunnera aequatoriensis L.E.Mora-Osejo
  • Weißfrüchtiges Mammutblatt (Gunnera albocarpa (Kirk) Cockayne)
  • Gunnera annae Schindl.
  • Gunnera antioquensis L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera apiculata Schindl.
  • Gunnera arenaria Cheeseman ex Kirk
  • Gunnera atropurpurea L.E.Mora-Osejo:
    • Gunnera atropurpurea L.E.Mora-Osejo var. atropurpurea
    • Gunnera atropurpurea var. caquetana L.E.Mora-Osejo
    • Gunnera atropurpurea var. chocoana L.E.Mora-Osejo
    • Gunnera atropurpurea var. munchicana L.E.Mora-Osejo
    • Gunnera atropurpurea var. sibundoya L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera bogotana L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera bolivari J.F.Macbr.
  • Gunnera boliviana Morong
  • Gunnera brasiliensis Schindl.
  • Gunnera caucana L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera colombiana L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera cordifolia (Hook. f.) Hook. f.
  • Gunnera cuatrecasii L.E.Mora-Osejo
  • Dichtblütiges Mammutblatt (Gunnera densiflora Hook. f.)
  • Gunnera dentata
  • Gunnera diazii L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera ecuadoriana Gilli
  • Gunnera flavida Colenso
  • Gunnera garciae-barrigae L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera hamiltonii Kirk ex W.S. Ham.
  • Gunnera hernandezii L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera herteri Osten
  • Gunnera insignis (Oerst.) A.DC.
  • Gunnera kaalaensis (Krajina) H.St.John
  • Gunnera killipiana Lundell
  • Gunnera laxiflora Phil.
  • Gunnera lozanii L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera magellanica Lam.
  • Gunnera magnifica H.St.John
  • Manschettenartiges Mammutblatt (Gunnera manicata Linden ex André)
  • Gunnera margaretae Schindl.
  • Gunnera masafuerae Skottsb.
  • Gunnera mexicana Brandegee
  • Gunnera monoica Raoul
  • Gunnera perpensa L.
  • Gunnera peruviana J.F.Macbr.
  • Gunnera pittierana V.M.Badillo et Steyermark
  • Gunnera prorepens Hook. f.
  • Gunnera pyramidalis Schindl.
  • Gunnera quitoensis L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera reichei Schindl.
  • Gunnera rheifolia Schindl.
  • Gunnera saint-johnii (L.E.Mora-Osejo) L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera sanctae-marthae L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera schindleri L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera schultesii L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera silvioana L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera steyermarkii L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera tacueyana L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera tajumbina L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera talamancana H.Weber et L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera tamanensis L.E.Mora
  • Gunnera tayrona L.E.Mora-Osejo
  • Gunnera tinctoria (Molina) Mirb. (Syn.: Gunnera chilensis Lam., Gunnera scabra Ruiz & Pav., Panke tinctoria Molina)
  • Gunnera venezolana L.E.Mora-Osejo:
    • Gunnera venezolana var. tachirensis L.E.Mora-Osejo
    • Gunnera venezolana L.E.Mora-Osejo subsp. venezolana
  • Gunnera vestita Schindl.

Nutzung

Nur von einer Art wird eine medizinische Verwendung berichtet. Von Gunnera perpensa wird in Südafrika aus den Wurzeln ein Mittel für innerliche und äußerliche Anwendung gegen Psoriasis gewonnen. Von der gleichen Art werden die Wurzeln benutzt, um Wunden abzudecken. Die geschälten jungen Blattstiele von Gunnera tinctoria wurden von den Einwohnern Chiloés gegessen. Außerdem kann man mit ihren Wurzeln Leder gerben und einen schwarzen Farbstoff herstellen.

Bilder

Gunnera manicata:

Gunnera tinctoria:

Gunnera insignis:

Quellen

Weblinks

 Commons: Gunnera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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