Gewöhnliche Brechnuss



Gewöhnliche Brechnuss

Brechnuss (Strychnos nux-vomica)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Brechnussgewächse (Loganiaceae)
Gattung: Brechnüsse (Strychnos)
Art: Gewöhnliche Brechnuss
Wissenschaftlicher Name
Strychnos nux-vomica
L.

Die Gewöhnliche Brechnuss (Strychnos nux-vomica, auch Strychnos colubrina Wight, Strychnos lucida R.Br., Strychnos spireana, Strychnos vomica), auch kurz Brechnuss oder Krähenaugenbaum, Strychninbaum oder Brechnussbaum genannt, ist eine Baumart aus der Familie der Brechnussgewächse (Loganiaceae), die in Südostasien beheimatet ist.

Pflanzenbeschreibung

Baum

Die Gewöhnliche Brechnuss wächst als ein immergrüner Laubbaum, der gewöhnlich Wuchshöhen von 25 Metern erreicht. Er besitzt eine schwarzgraue bis gelblichgraue Rinde. Die hellgrün glänzenden Zweige sind wiederholt gabelteilig und tragen lederartige, breiteiförmige, glattglänzende und gestielte Blätter. Die grünlich weißen, bis zu 1 cm breiten Blüten sind röhrenartig mit tellerförmigen ausgebreiteten Kronzipfel. Als Frucht trägt der Brechnussbaum grüne bis orangerote, tischtennisballgroße (3–6 cm) und ledrigschale Beeren, deren weißes, bitter schmeckendes und gallertartiges Fruchtfleisch meist 2 bis 4 knopfähnliche Samen, die mit feinen, seidigen Haaren bedeckt sind, enthält.

Samen

Strychnos nux-vomica. Samen

Der Brechnusssamen (Semen Strychni, auch Nux vomica, Nux Metella, Semen Nucis vomica, Semen Strichni), auch Krähenauge oder Brechnuss genannt, hat eine Form und Größe in etwa einer 2-Cent-Münze. Die Schale des aschgrauen Samens ist äußerst hart und steht unter starker Spannung. Bei Witterungswechsel, speziell wenn es feucht wird, platzen die Brechnusssamen explosionsartig an den Längsseiten auf und keimen dann aus. Die Krähenaugen sind geruchlos, weisen aber einen bitteren, scharfen, Übelkeit erregenden Geschmack auf.

Vorkommen

Die Gewöhnliche Brechnuss bevorzugt tonige sowie tonig-sandige Böden und steigt im Hügelland bis in Höhen von 1200 m.ü.M.. Verbreitet ist der Baum von Indien bis Nordaustralien. Ferner ist der Baum auch auf den Philippinen, Java, Sri Lanka, Malaysia, Pakistan, China, Burma, Thailand, Laos, Kambodscha, Südvietnam, sowie im tropischen Westafrika entlang von Wasserläufen und am Rande von trockenen Wäldern zu sehen. Besonders in Nordaustralien, Sri Lanka sowie im tropischen Indien ist die Gewöhnliche Brechnuss weit verbreitet.

Sprachliches

Die Bezeichnung des Brechnusssamen als Krähenauge ist auf das augenartige Aussehen zurückzuführen. Eine irreführende Benennung ist aber der Name Brechnuss. Mit der Überführung aus dem Lateinischen wurde für den Namen Nux vomica (nux = Nuss; vomica bedeutet brechen) die Brechnuss eingeführt. Der Brechnusssamen verursacht aber nur selten Erbrechen und die Beerenfrucht ist auch keine Nussfrucht.

Wichtige Inhaltsstoffe und Wirkung

Rinde, Blätter und Samen enthalten unter anderem das hochgiftige Alkaloid Strychnin. Der getrocknete Samen ist die wesentliche Arzneidroge, die aus dem Brechnussbaum gewonnen wird. Die Brechnusssamen enthalten unter anderen die an Chlorogensäure gebundenen Nervengifte Strychnin und Brucin sowie Colubrin und das weniger bedeutende Vomicin. Die giftigen Inhaltsstoffe des Brechnusssamenextrakts bewirken eine Lähmung des Zentralnervensystems. In winzigen Spuren kann sich eine psychotrope Wirkung einstellen wie z. B. verschärfte Wahrnehmung von Sinneseindrücken. Bereits ca. 0,2 Gramm des Brechnusssamenextraktes können zu Zwerchfellkrämpfen, Muskelzuckungen sowie Tod durch Atemlähmung führen. Die Vergiftungen sind aber abhängig von der Qualität der Droge (beispielsweise weisen die Brechnusssamen von Sri Lanka mit fünf Prozent den höchsten Alkaloidgehalt auf) sowie von dem Füllungsstand des Magens.

Besonderheit

Der Nashornvogel ernährt sich unter anderem von den äußerst giftigen Brechnusssamen. Auch für Schnecken ist das Krähenauge ungiftig. Des Weiteren wurde beobachtet, dass auch andere Vögel (z. B. Hühner) eine hohe Widerstandskraft gegen die Giftwirkung des Samens besitzen.

Nutzung

Historisch

Die Samen werden seit über 1000 Jahren als Arzneimittel verwendet. Schon im 11. Jahrhundert wurde es in der arabischen Medizin erwähnt. Die Brechnuss gelangte im 15. Jahrhundert aus Südostasien nach Europa. Die Samen wurden im Mittelalter gegen die Pest eingesetzt. Im 17. Jahrhundert findet das Krähenauge Verwendung beim Betäuben von Fischen und beim Vergiften von Tieren (Füchsen, wilden Katzen, Hunden, Krähen, Raben, Ratten und Mäusen). Indische oder chinesische Kräuterkundige verabreichten die Wirkstoffe bei Appetitlosigkeit, Muskelschwäche oder -lähmungen, zur Schmerzlinderung, gegen Fieber, zur Förderung der Blutzirkulation, gegen Menstruationsprobleme sowie gegen Cholera und Tollwut.

In der Medizin

Früher wurde die Arzneidroge bei Schwächezuständen verordnet, sowie bei Herz-Kreislauf-Beschwerden und als appetitanregendes Mittel. Aufgrund der geringen therapeutischen Breite und der Nebenwirkungen (Anhäufung von Strychnin im Körper), besonders bei Lebergeschädigten, sind solche Arzneimittel fast vollkommen verschwunden. Die Brechnusssamen sind aber noch heute der Ausgangsstoff zur Gewinnung von Strychnin.

In der Homöopathie

Das Homöopathikum Nux vomica (Kurzform: Nux-v) war eines der ersten Mittel, die von Samuel Hahnemann geprüft und im ersten Band seiner Reinen Arzneimittellehre 1805 veröffentlicht wurden. Das Mittel wird aus den reifen, getrockneten und feingepulverten Brechnusssamen, die mindestens fünf Tage in Alkohol angesetzt werden, gewonnen. Aus Sicht der Homöopathie ist Nux vomica eines der größten, zuverlässigsten und gut geprüften Polychreste. Charakteristische Anwendungsgebiete von Nux vomica, auch bekannt unter Strychnos nux vomica, sind die Aufhebung von Schäden (z. B. Einnahme unpassender homöopathischer Mittel, Missbrauch von Genussmitteln (Alkohol (Einnahme führt zum schnellen Erbrechen), Tabak, Kaffee, Überessen), Nebenwirkungen von allopathischen Medikamente (z. B. Antibiotika, Narkotika, Kortison, Chemotherapeutika, etc.) sowie für Menschen, die eine sehr geringe Toleranzgrenze (sehr schnell zornig, schnell unzufrieden, schnell überreizt, schnell ungeduldig, leicht gekränkt, leicht überempfindlich auf geringste Geräusche, Gerüche oder Schmerzen) aufweisen. Das homöopathische Arzneimittelbild Nux vomica ist noch wesentlich komplexer und umfangreicher als hier dargestellt werden kann. In Deutschland ist Nux vomica verschreibungspflichtig bis einschließlich der Potenz D3.

Quellen

  • Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, 2 Bände, Genehmigte Sonderausgabe für den area verlag, 2006, ISBN 3-89996-682-1
  • Hans-Jürgen Achtzehn, Homöopathische Einblicke 23, Verlag Medizinisches Forum, 1995, ISSN 0937-745X
  • Homöopathie Zeitschrift I/93, siehe auch Homöopathie-Zeitschrift I/93 mit Coverfoto von Nux vomica-Früchten
  • Willibald Pschyrembel (Herausgeber), Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde und alternative Heilverfahren, de Gruyter, 1996, ISBN 3-11-014276-7
  • Carlo Odermatt, Sven Hartmann, Beat Ernst: Homöopathie Arzneimittelbilder, K2-Verlag, 2004, ISBN 3-03722-950-0
  • Frank R. Bahr (Hrsg.): Praxiscompendium der homöopathischen Arzneimittelbilder, (c) Ärztetag für Medizin ohne Nebenwirkungen, 1997
  • Elisabeth Mandl: Arzneipflanzen in der Homöopathie, Maudrich, 1997, ISBN 3-85175-687-8
  • Andrew Lockie: Das große Lexikon der Homöopathie, Dorling Kindersley Verlag, 2000, ISBN 3-8310-0005-0
  • Willibald Gawlik: Arzneimittelbild und Persönlichkeitsportrait, Hippokrates, 2002, ISBN 3-8304-5213-6
  • Christopher Hammond: Praktische Homöopathie: Das neue Handbuch, Mosaik, 1996, ISBN 3-576-10599-9

Literatur

  • Mohinder Singh Jus, Praktische Materia Medica. Arzneimittellehre von A-Z, Homöosana, 2004, ISBN 3-906407-05-5
  • Hans-Jürgen Achtzehn, Homöopathische Einblicke 23, Verlag Medizinisches Forum, 1995, ISSN 0937-745X
  • Edeltraut und Peter Friedrich, Charaktere homöopathischer Arzneimittel Band 1, Traupe-Vertrieb, 2004, ISBN 3-9802834-0-2

Siehe auch

Weblinks

Commons: Gewöhnliche Brechnuss – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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